Ein zweiter Unverpackt-Laden für Frankfurt

Nach Gramm.genau wird es in Frankfurt bald den nächsten Laden geben, in dem Waren ohne Verpackung gekauft werden können. Dabei unterscheidet sich das Konzepts des neuen Ladens leicht von dem des Vorreiters.

Ein zweiter Unverpackt-Laden für Frankfurt

In einem Raum gegenüber vom Dom sind zwei Frankfurter derzeit fleißig am werkeln. Ihr Ziel: Bis Mitte Juli den zweiten Unverpackt-Laden Frankfurts zu eröffnen. Denn obwohl der erste Frankfurter Laden dieser Art „Gramm.genau“ tolle Arbeit mache, sei der Bedarf am Verkauf von unverpackter Ware in der Mainmetropole so groß, dass ihn das Team in der Adalbertstraße nicht alleine stemmen könne. Zudem sei der plastikfreie Konsum nicht nur gut für die Umwelt, sondern mache auch Spaß. Die Möglichkeit, diese Lebensweise für sich zu entdecken, möchten die Eheleute Claudia Nauth und Matthias Krämer den Frankfurtern zukünftig mit ihrem „ULF“ (Unverpackt-Laden in Frankfurt) geben.

Dabei soll es in dem Laden in der Saalgasse 1 vor allem Trockenwaren geben - denn Obst, Gemüse und Milchprodukte bekomme man an Orten wie der Kleinmarkthalle ja bereits jetzt. Im ULF sollen sich Kunden Reis, Nudeln, Getreide, Hülsenfrüchte und Backzutaten in eigene Behälter abfüllen. Doch auch Haushaltshelfer, Putzwaren, Drogerie-Artikel, Öle und Gewürze wird es im Unverpackt-Laden geben. „Alles, was es an Waren bei mir Zuhause im Schrank gibt, kommt auch als Angebot in den Laden“, sagt Nauth.

„Wir haben gemerkt, dass wir Zuhause unheimlich viel Müll herumliegen haben.“ - Matthias Krämer, Inhaber

Und das, was sich im Schrank befindet, habe sich in den vergangenen eineinhalb Jahren geändert. Denn damals beschlossen die 54-Jährige und ihr Mann, nachdem sie einen Radiobeitrag zum Thema gehört hatten, einen Monat lang plastikfrei einzukaufen. „Wir haben gemerkt, dass wir zuhause unheimlich viel Müll herumliegen haben“, sagt Krämer, der mit seiner Frau zuvor ein Café in Höchst betrieben hat. Was als Herausforderung und Experiment begann, wurde schnell zum Lebensstil. Und so wurden die Plastikflaschen voll Waschmittel und die Nudeln in der Plastiktüte durch lose Reinigungsmittel und Lebensmittel in Glasbehältern ausgetauscht.

Sind die Waren teurer?

Obwohl die Lebensmittel teurer sind - auch im ULF wird der Kunde etwas mehr Geld ausgeben müssen, als beispielsweise beim Aldi - sparten die beiden durch ihren neuen Lebensstil Geld. „Wir geben nicht mehr Geld aus, weil wir weniger kaufen“, sagt Krämer. Denn zum einen frage man sich eher, was man wirklich braucht. Zum anderen könne man sich in Unverpackt-Läden genau die Menge abfüllen, die man auch verbraucht und müsse nicht mehr zu einem höheren Preis kaufen.

„Wenn man alles richtig machen möchte - ökologisch, fair und bio einkaufen will - ist das sehr schwer.“ - Claudia Nauth, Inhaberin

Abfüllen werden die Kunden bei ULF die Ware - anders als bei Gramm.genau - selbst können. Bedient werden sie dabei nicht. Nach der persönlichen Vorliebe der ULF-Betreiberin soll der Einkauf schnell gehen. Schließlich sei Einkaufen für viele kein Vergnügen und nehme nur Zeit in Anspruch. Diesen Zeitfaktor will Nauth in ihrem Laden deshalb so gering wie möglich halten. Es soll schnell wie im Supermarkt gehen. Dennoch betont sie: „Länger gucken ist auch erlaubt und Infos sind einholbar.“ Denn: „Wenn man alles richtig machen möchte - ökologisch, fair und bio einkaufen will - ist das sehr schwer.“

Viele Hersteller seien sehr intransparent, was die Produktion ihrer Ware angeht. Dies führe dann dazu, dass Kunden umweltbewusst und sozial einkaufen möchten, doch nicht wirklich wissen, ob sie das tun und unter welchen Rahmenbedingungen jedes einzelne Produkt hergestellt wird. Im ULF sollen die Verkaufskriterien deshalb ganz transparent sein.

Die Großen sollen nachziehen

Auch damit, dass auch in ihrem Unverpackt-Laden noch etwas Müll produziert wird, gehen die beiden Betreiber offen um. Sie versuchen eigenen Aussagen nach aber mit Herstellern zusammen zu arbeiten, die sie kennen und die so wenig Abfall wie möglich hinterlassen. Dabei lassen sie sich von anderen Unverpackt-Läden deutschlandweit inspirieren. „Die anderen haben Pionierarbeit geleistet und wir schließen uns nun dem Netzwerk an“, sagt Krämer.

„Jeder soll gucken, was er machen kann.“ - Claudia Nauth, Inhaberin

Diesem Netzwerk sollen sich, wenn es nach dem Ehepaar geht, noch mehr Menschen anschließen. „Unser Wunsch ist es auch, dass die großen Supermärkte mitziehen“, so Krämer. Entweder durch Gesetzesänderungen - wie es sie kürzlich innerhalb der EU für Plastikstrohhalme und -taschen gab - aber bevorzugt auf freiwilliger Basis. Denn: „Jeder soll gucken, was er machen kann“, sagt Nauth.

„Lebensmittel kauft man nah - deswegen wünschen wir uns, dass alle Frankfurter einen Lose-Laden in ihrer Nähe haben.“ - Jenny Fuhrmann, Gramm.genau

Die Inhaber von „Gramm.genau“ freuen sich über den weiteren Unverpackt-Laden. „Lebensmittel kauft man nah - deswegen wünschen wir uns, dass alle Frankfurter einen Lose-Laden in ihrer Nähe haben“, sagt Jenny Fuhrmann von Gramm.genau. Als Konkurrenz wird ULF dabei scheinbar nicht gesehen. „Die Nachfrage nach ökologischen, fair gehandelten, guten Lebensmitteln und langlebigen, nachhaltigen Haushalts-Produkten ist groß“, so Fuhrmann. Ihr Laden in Bockenheim werde gut angenommen und auch aus politischen Gründen erfahre das Team Zulauf: „Die Menschen haben Müll und Umweltverschmutzung satt und freuen sich, dass wir aktiv dagegen angehen.“

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