Gutachterin sieht hohe Gefahr für Rückfall bei Ali B.

Im Mordfall Susanna setzte am Mittwoch die psychiatrische Gutachterin ihre Einschätzungen zum Angeklagten fort. Sie sieht bei Ali B. eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er wieder straffällig werden könnte.

Gutachterin sieht hohe Gefahr für Rückfall bei Ali B.

Die Beweisaufnahme im Prozess um den Mord an der 14-jährigen Schülerin Susanna steht kurz vor dem Abschluss. Bereits in der vergangenen Woche hatte eine psychiatrische Gutachterin eine umfassende Einschätzung zum dem Tatverdächtigen Ali B. vorgetragen. Diese wurde am Mittwoch fortgesetzt.

Frauen als Sexobjekte

Die Gutachterin hatte Ali B. bereits eine dissoziale sowie psychopathische Störung attestiert. Er sei stark auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse bedacht. Bezüglich der Tat habe er kaum emotionale Regungen gezeigt und jegliche Schuld von sich gewiesen. Auch habe er ein gestörtes Verhältnis zu Frauen, die er vor allem als Sexobjekte ansieht.

Zur weiteren Einschätzung für das Gericht legte die Gutachterin am Mittwoch dar, wie sich aus ihrer Sicht eine Haft auf Ali B. auswirken würde und welche Prognose sie für ihn sieht. Sie sieht bei Ali B. ein hohes Potential, dass er nach Absitzen einer Haftstraße wieder straffällig werden könnte. Das betreffe sowohl Gewalt- als auch Sexualdelikte. Er habe keinerlei Reue für den Mord an Susanna gezeigt. Besonders deutlich sei dies für die Gutachterin gewesen, als er nur fünf Tage nach der Tat junge Mädchen aufgefordert hatte, ihm „Arschbilder“ zu schicken.

Er suche bei den Mädchen keine feste Beziehung, sondern sei nur auf Sex aus. Immer wieder sei er auf der Suche nach neuen Partnerinnen gewesen, die er durch seine manipulative Art zum Sex überreden wollte. Susanna sei ein leichtes Opfer für ihn gewesen, so die Gutachterin, da sie gutgläubig, naiv und schüchtern gewesen sei. Daraus folgert das Gutachten, dass Ali B. jederzeit wieder zu ähnlichen Taten in der Lage sei. Gleiches gelte für Körperverletzungen und Raub, was Ali B. in einem weiteren Fall ebenfalls vorgeworfen wird.

Auswirkungen von Haft noch unklar

Durch Ali B.s besondere Situation in der JVA Preungesheim, die er in Einzelhaft verbringt, sei laut der Gutachterin noch nicht feststellbar, wie sich eine lange Haftstrafe auf seine Persönlichkeit auswirken könnte. Laut der Gefängnisakte sei Ali zwar ein vorbildlicher Musterhäftling — dies zeige aber seine Fähigkeit, sich gut an Situationen anpassen zu können. Zudem bezweifelt die Gutachterin, dass eine Therapie etwas an Ali B.s psychopathischer Störung ändern würde. Zwar könne man auf Ali durch sein junges Alter noch einwirken, es bestehe aber durchaus die Möglichkeit, dass eine Therapie seine Störung sogar weiter verschlimmern könnte.

Insgesamt sieht die Gutachterin Ali B. als vollständig verantwortlich für seine Taten. Weder sein familiärer Hintergrund, seine Erfahrungen als irakischer Flüchtling, noch sein Alkohol- und Drogenkonsum in der Tatnacht hätten auf seine Schuld eine Auswirkung.

Das Gutachten ist auch bei der Frage entscheidend, ob das Gericht für Ali B. eine Sicherungsverwahrung verhängt. Am 2. Juli halten Anklage und Verteidigung ihre Plädoyers, am 10. Juli soll das Urteil fallen. (ts)

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