70 Prozent Mieterhöhung verärgert Mieter im Nordend

Im Haus Eiserne Hand 15-17 soll es Modernisierungen und Mieterhöhungen geben. Die Mieter sind verärgert, der Hausverwalter sieht kein Problem.

70 Prozent Mieterhöhung verärgert Mieter im Nordend

Die Eiserne Hand 15-17 ist nicht das schönste Haus in der Straße. Die Fassade ziert grauer Rauputz, an den Balkonen haben sich Schlieren gebildet. Innen sieht es kaum besser aus. Die Wände sind an einigen Stellen fleckig, manche Flure ohne Außenlicht.

Dass es dort einer Sanierung bedarf, steht außer Frage. Für Ärger sorgt aber das „Wie“. Die erste Information erhielten die Mieter vor rund einem Jahr am 20. März 2018. Das Gebäude wurde zum 16. März verkauft, hieß es damals. Ursprünglich gehörte das Haus einer Erbgemeinschaft, nun ist der Eigentümer die Natural Balance Campus GmbH. Diese wiederum gehört zur Vermögensverwaltung Ott, alle haben ihren Sitz an derselben Adresse in Bad Soden.

Schon rund zwei Monate später, am 26. Mai 2018, wurde den Mietern mitgeteilt, dass ihre Mieten jetzt an die „ortsübliche Vergleichsmiete“ angepasst werden. Das bedeutete für die Mieter, dass sie im Monat 35 bis 40 Euro mehr Miete zahlen, was soweit ein üblicher Vorgang ist, so die Mieter.

Umstrittene Sanierungsmaßnahmen

Ende August 2018 kam dann eine Ankündigung zu vorgesehenen „Modernisierungsmaßnahmen“. Insgesamt zehneinhalb Seiten bekam jeder Mieter von einem Boten überstellt. Bei den Maßnahmen handelt es sich um Dinge wie eine „Freisprech-Wohnungsstation mit zwei Zoll Farbdisplay“ mit einstellbarer Ruftonmelodie, Fenster mit elektrisch motorisiertem Vorbau oder Außenfensterbänke mit „Anti-Dröhn-Beschichtung“, erzählen die Mieter. Die Kosten für diese als Modernisierung bezeichneten Umbauten sollen auf die Mieter umgelegt werden. 277,80 Euro mehr pro Monat soll beispielsweise eine Mieterin zahlen - eine Mieterhöhung von rund 71 Prozent.

„Ich habe erstmal geheult.“ - Mieterin

„Ich war total im Eimer. Ich habe erstmal geheult“, sagt eine der Betroffenen gegenüber Merkurist. Ihren Namen möchte sie nicht in den Medien lesen. Zu groß sei die Angst vor Repressalien durch die Hausverwaltung. „Dann habe ich mich erstmal beraten lassen“, erklärt sie weiter.

Beim Verein „Mieter helfen Mietern“ fand sie Unterstützung. Ob Instandhaltung, Luxussanierung oder Modernisierung – nur letztere kann auf Mieter umgelegt werden - erfährt sie dort. Damit sahen sie und andere Mieter sich bestätigt. „Unser Eindruck war, dass das nicht ernst gemeint ist. Das ist nichts, was den Mietern etwas bringt, sondern das ist eine Entmietungstaktik.“

Die Mieter haben Angst, dass sie aus dem Haus vertrieben werden sollen. Dazu passen auch Aussagen, welche von der Hausmeisterin stammen sollen. „Das Haus wird eh abgerissen“, soll sie gesagt haben. Und weiter: „Die wollen hier ein neues Klientel rein bekommen.“ Vom „neuen Schmuckstück des Nordens“ sei ebenfalls die Rede gewesen.

„Es passieren sehr viele komische Sachen.“ - Mieterin

Eine weitere Mieterin berichtet von zwei Jahreskaltmieten, die ein Mieter für den Auszug als Entschädigung erhalten haben soll. Anderen Mietern soll einfach gekündigt worden sein. Es soll Anträge bei der Bauaufsicht für einen Abriss des Hinterhauses gegeben haben, die allerdings nicht genehmigt wurden. Ein anderer Antrag soll eine Aufstockung vorsehen. Einen auf Modernisierung hat es nach Aussage der Mieter nie gegeben. „Es passieren sehr viele komische Sachen“, fasst eine Mieterin die Geschehnisse zusammen.

Komisch finden die Mieter auch die Kommunikation des Hausverwalters mit ihnen. Die letzte „offizielle“, also schriftliche, Stellungnahme zum Thema kam laut einer Mieterin am 31. August 2018. Seither soll es nur mündlichen Kontakt gegeben haben. Eine andere Mieterin wollte ihrerseits schriftlich Kontakt mit der Hausverwaltung aufnehmen, erhielt aber daraufhin ein Schreiben von einem Anwalt, in dem sie mit einer Frist um ein persönliches Treffen mit dem Hausverwalter gebeten wurde. Dem Wunsch nach einer schriftlichen Stellungnahme kam der Hausverwalter ihrer Aussage zufolge bis Ende März 2019 nicht nach.

Hausverwalter sieht keine Fehler seinerseits

Dass es keine schriftliche Kommunikation mehr gab, ist einer der wenigen Punkte, bei dem Mieter und Hausverwalter einer Meinung zu sein scheinen. Im Gespräch mit Merkurist streitet der Hausverwalter – der weder seinen Namen, noch wörtliche Zitate, veröffentlicht sehen will – die Vorwürfe ab. Auch sei es nicht möglich, mit dem neuen Hauseigentümer zu sprechen.

Trotz Weigerung, sich zitieren zu lassen, gibt der Mann aus Bad Soden Auskunft. Es gehe weder ihm noch dem Hauseigentümer um die Verdrängung von Mietern. Auch die Umbaumaßnahmen seien lediglich normale Modernisierungen. Von Luxus könne keine Rede sein. Vielmehr können die Mieter mit Einsparungen durch bessere Dämmung und modernere Anlagen rechnen, versichert er.

Ohnehin seien viele der Aussagen, die die Mieter wiedergeben, wahrscheinlich Missverständnisse. Diese Missverständnisse auf schriftlichem Weg bereinigen, möchte der Hausverwalter aber nicht. Das sei zu viel, um es schriftlich zu klären und er müsse für jedes Schreiben einen Anwalt einschalten, was zu aufwendig sei. Von Mietern, die eine Abfindung bekommen haben, wisse er nichts, sagt er nach einer Denkpause. Doch dann fällt ihm ein, dass Kosten, die das Unternehmen durch vorzeitige Auszüge einspart, teils erstattet würden. Darauf sei die Aussage der Mieter wohl bezogen.

Weiterer Verlauf noch offen

Conny Petzold vom Verein „Mieter Helfen Mietern“ kann die Aussagen des Hausverwalters nicht nachvollziehen. Sie wundert sich, dass der Hausverwalter so unkommunikativ ist. Baumaßnahmen, die schon im Dezember 2018 beginnen sollten, wurden beispielsweise nicht umgesetzt. „Es ist in einem Mietverhältnis üblich, darüber zu informieren, wenn die Planung zu angekündigten Baumaßnahmen nicht eingehalten werden kann“, sagt sie. Dass die Mieter sich nur schriftlich und nicht allein mit dem Hausverwalter unterhalten wollen, sei ebenfalls ihr gutes Recht.

Möglich ist, dass sich Hausverwalter und Mieter in nächster Zeit zu einem gemeinsamen Gespräch zusammensetzen. Das sei ein Weg, die verfahrene Situation zu lösen, bestätigt Petzold und auch der Hausverwalter zeigte sich dafür offen. Ob es dann zur angekündigten 70 Prozent Mieterhöhung kommt bleibt abzuwarten. (lo)

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