Mein Date mit Emmanuel de Greco

Frankfurter kennen ihn: Der Grieche Emmanuel de Greco ist täglich mit weiß-blauem Hut und seinem pelzbehangenen Fahrrad in der Stadt unterwegs. Merkurist-Autorin Rebekka Farnbacher wurde von ihm zum Essen ausgeführt.

Mein Date mit Emmanuel de Greco

Ich habe heute ein Date mit einem Griechen. Nicht irgendein Grieche: „Der arroganteste Grieche Frankfurts“, sagt Emmanuel de Greco über sich selbst. Und behält Wort, was sein Selbstbewusstsein angeht. „Gehen wir essen!“, verkündet er also. Er kenne an der Konstablerwache einen guten Laden mit Pizza und Pasta.

„Ich bin gestern geboren und heute bin ich hier!“ - Emmanuel de Greco

Nicht nur bei der Ausgestaltung unseres Treffens weiß Emmanuel was er will. Deshalb bekomme ich auch schon vor unserer Verabredung erklärt, dass ich ihn ja nicht nach seinem Alter fragen soll: „Ich bin gestern geboren und heute bin ich hier!“ Und das Hiersein, ist wohl das Entscheidende. Der gebürtige Grieche ist eine Erscheinung, die im Frankfurter Stadtbild auffällt. Er liebt den Kleidungsstil der 1930er Jahre. Am liebsten in den Farben blau und weiß. Nicht, weil er damit die griechischen Nationalfarben trägt: „Sondern wegen meiner schönen blauen Augen.“

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Ein leidenschaftlicher Flirter

Überhaupt ist der Charismatiker, der in seinem Winteroutfit ein wenig an Helge Schneider erinnert, ein leidenschaftlicher Flirter. Rund um die Zeil ist niemand vor ihm sicher - Emmanuel macht gerne auf sich aufmerksam. Dazu verhilft ihm, neben seinem langen Pelzmantel, seinem weißen Hut und seiner blinkenden Plastikbrille auch sein Fahrrad. „Jetzt steht mein Fahrrad in der Wohnung. Da sind alle enttäuscht“, berichtet er. Insbesondere im Sommer ist er selten ohne seinen pelzbehangenen Drahtesel unterwegs. Offensichtlich mehr Hingucker als praktisches Fortbewegungsmittel: Gerade die Kinder seien davon immer begeistert.

„Ich bin als Künstler geboren.“ - Emmanuel de Greco

Im Restaurant bestellt sich Emmanuel Spaghetti Napoli und bahnt sich seinen Weg durch die vollbesetzten Tische, indem er immer wieder laut „Halleluja!“ ruft. Ein paar der Gäste gucken irritiert, die meisten lächeln. „Ich bin als Künstler geboren“, erklärt Emmanuel. Aufgefallen sei er schon als Kind. „So einen schönen Griechen gibt es nur einmal.“ Aufgewachsen ist er als eines von sechs Kindern auf der griechischen Insel Paros. Danach lebte die Familie in Athen, 1964 kam er nach Frankfurt.

Vom Schauspieler zum Friseur

Früher wollte er Schauspieler werden. Wer ahnt es? Natürlich wegen seiner besonderen Schönheit. Damals habe er ausgesehen wie Tony Curtis. Aber er da er keine Komparsenrolle übernehmen wollte, sondern direkt die großen Rollen - zum Beispiel einen Liebhaber, wie er sagt - sei er mit keinem Regisseur zusammengekommen. „Deshalb bin ich Friseur geworden.“ Seinen Salon in der Schäfergasse gab er vor fünf Jahren auf. Prominente Frankfurter wie Liesel Christ vom Volkstheater seien bei ihm Stammgäste gewesen. „Die Leute kamen wegen der Cabaret-Atmosphäre.“

Private Tanzaufführungen gab es obendrein. Und wer hat getanzt? „Na ich natürlich! So wie ich tanzt niemand.“ Egal, ob Mambo, Rumba, Tango oder Sirtaki - Emmanuel hat sich alles selbst beigebracht. Er kramt in seinem Mantel und holt ein Paket Fotos hervor. Eines zeigt den jungen Griechen in Tanzpose vor einem Straßencafé. „Mit Zigarette im Mundwinkel“, stelle ich fest. „Das ist so Tradition“, gibt er zurück. Ein anderes Foto zeigt ihn sonnengebräunt in knapper Badehose - sogar mit Waschbrettbauch. „Emmanuel hat eben alles“, sagt er und lacht.

Kein Mann für Familie und Kinder

Apropos: Wie sieht es denn eigentlich über das Flirten hinaus mit Frauen aus? Die letzte Liebe seines Lebens war eine Carmen, berichtet Emmanuel.

„Ich bin ja selbst noch ein Kind.“ - Emmanuel de Greco

„Eine fantastische Frau!“ Ihr verdanke er auch die Bezeichnung „Tantriker“ auf seiner Visitenkarte. „Ich bin aber kein Mann für Familie und Kinder. Ich bin ja selbst noch ein Kind.“

Heute ist der in Frankfurt bekannte Grieche Rentner. Hin und wieder schneidet er aber noch Bekannten die Haare bei sich zu Hause. Den Tag über beschäftigt sich Emmanuel vormittags mit Hausarbeit, nachmittags geht er nach draußen, kauft sich eine Zeitung, läuft die Zeil entlang bis zur Freßgass und trinkt zwei bis drei Bier.

Das Laufen und Radfahren halte ihn fit. „Ich bin sehr gesund“, sagt er. Aber auch, weil er nur Bier trinke - und keinen Schnaps. Manchmal macht er auch eine Spritztour in seinem roten Mitsubishi Sapporo Baujahr 1979. Dessen Ausstattung ähnelt der seines Fahrrads. Der Innenraum ist komplett mit Pelz gepolstert. Hinzu kommt allerlei Nippes, Teppiche, ein Paillettenhut und ein Plüschkarnickel, der mit den Ohren wackeln kann.

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Ein Treffen, das nach Fortsetzung ruft

„Das nächste Mal machen wir zusammen eine Spritztour!“, sagt Emmanuel zum Abschied. Ich könne aber auch gerne mal zum Haareschneiden vorbeikommen. Auf jeden Fall muss ich mich wohl beeilen, wenn ich eine Fahrt mit seinem roten Flitzer noch erleben will. Zwei Tage nach unserem „Date“ rief er mich nämlich an und sagte, dass er sein Auto verkaufen wolle. Wer Interesse hat, kann sich an redaktion-frankfurt@merkurist.de wenden. Wir vermitteln den Kontakt zum Autoverkäufer weiter. Vielleicht muss ich dann doch auf das Haareschneiden zurückkommen.

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