Mögliche Strecken für Seilbahn vorgestellt

Am Mittwoch hat in Frankfurt der „1. Seilbahntag Frankfurt Rhein-Main“ stattgefunden. Für die Verantwortlichen ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung des Verkehrsmittels.

Mögliche Strecken für Seilbahn vorgestellt

Die Pläne zu einer Seilbahn in der Rhein-Main-Region nehmen immer mehr Gestalt an. Befürworter des neuen ÖPNV-Mittels haben sich am Mittwochmittag im Haus der Regionen in Frankfurt zum „1. Seilbahntag Frankfurt Rhein-Main“ getroffen, um ihre Visionen vorzustellen. Wenn es nach den Anwesenden der Veranstaltung geht, soll die Seilbahn schneller Realität werden, als vielleicht gedacht.

Seilbahn könnte in drei bis vier Jahren fahren

„Rechtzeitig zur Fußballeuropameisterschaft 2024 sollen die ersten Gondeln hier in unserer Region schweben“, wünscht sich der Direktor des Regionalverbands FrankfurtRheinMain, Thomas Horn (CDU). Horn hatte als erster die Idee einer Seilbahn mit in die Diskussion zur Zukunft des regionalen ÖPNV eingebracht. In Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), hat er einen einflussreichen Unterstützer gefunden: „Eine Seilbahn kann innerhalb von drei, vier Jahren geplant und gebaut werden“, sagt Rigat euphorisch.

„Wir haben sehr weit geplant.“ - Studienleiter Jürgen Follmann

Wie realistisch diese Pläne wirklich sind, soll jetzt eine Machbarkeitsstudie der Hochschule Darmstadt (FH) zeigen. Erste Ergebnisse für eine mögliche Trassenführung haben Studierende der FH Darmstadt am Mittwoch vorgestellt. „Wir haben sehr weit geplant“, sagte der Studienleiter Professor Jürgen Follmann. Dabei sind drei mögliche Strecken durch Frankfurt in die nähere Auswahl gekommen.

Vier mögliche Strecken

Eine würde zwischen dem entstehenden Terminal 3 des Flughafens, über Neu-Isenburg und die Commerzbank Arena zum S-Bahnhof Louisa verlaufen. „Wir sind die Strecke abgelaufen und haben dabei unheimlich viel gelernt“, sagte Follmann. Vorteil sei, dass kaum Wohngebiete auf dem Stück liegen und die Commerzbank Arena einen sonst nur am Wochenende genutzten Parkplatz bietet.

Die zweite potenzielle Strecke verläuft zwischen der geplanten Multifunktionsarena am Kaiserlei, über die Hanauer Landstraße bis zum Festplatz in Bornheim. Auch auf dieser Trasse gibt es laut der Pläne kaum Wohnbebauung und eine gute Anbindung an andere Verkehrsmittel. Die dritte Seilbahnlinie, die untersucht wurde, reicht von der S-Bahn-Station „Höchst Farbwerke“ über die Fraport-Arena bis zum Main-Taunus-Zentrum.

Eine vierte Strecke brachte RMV-Geschäftsführer Ringat ins Gespräch. Von Schmitten am Feldberg vorbei soll sie bis Oberursel reichen. So könne der Taunus besser an Frankfurt angebunden werden, erklärte Ringat. „Wir hätten Stationen nur im Hessischen Forst und müssten nur mit einem Amt sprechen“, sagt er. Und weiter: „Wir haben wenig Wohnbebauung, es gibt viele Faktoren, die dafürsprechen.“ Auch der touristische Aspekt sei nicht zu vernachlässigen.

Dauerhafte oder bleibende Ergänzung

„Seilbahnen sind pro Kopf eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel.“ - Thomas Horn, Direktor Regionalverband FrankfurtRheinMain

Immer wieder betonten alle Beteiligten, dass die Seilbahn nicht mit einem Sessellift zu vergleichen sei. Es handle sich um ein sauberes und sicheres Verkehrsmittel. Die Eingriffe in die Landschaft bezeichneten sie als „minimal“. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Kilometern pro Stunde und einer Kapazität von bis zu 5000 Fahrgästen pro Stunde sei eine Seilbahn auch im Energieverbrauch pro Kopf mit einer Straßenbahn zu vergleichen. „Seilbahnen sind pro Kopf eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel“, versicherte Verbandsdirektor Horn.

„In den nächsten zehn Jahren werden wir eine Fahrgaststeigerung wie in den letzten 25 Jahren haben.“ - Knut Ringat, RMV-Geschäftsführer

Als temporäre oder dauerhafte Ergänzung – nicht Ersatz – zu den aktuellen Verkehrsmitteln sei die Seilbahn sinnvoll, sind sich Professor Follmann, Verbandsdirektor Horn und Ringat einig. „In den nächsten zehn Jahren werden wir eine Fahrgaststeigerung wie in den letzten 25 Jahren haben“, erklärte Ringat.

Auf der Suche nach Unterstützern

In ihrem Optimismus bestätigt fühlen sich die Verantwortlichen durch eine Anfrage der Organisationskommission der EM 2024. Wenn es um Fußballgroßereignisse gehe, gingen die Dinge manchmal sehr viel schneller, so Follmann.

„Am Anfang sind viele skeptisch.“ - Knut Ringat, Geschäftsführer RMV

In der Frankfurter Stadtpolitik ist man noch nicht überzeugt. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sagte im März gegenüber der Frankfurter Neuen Presse, dass er keine Strecke kennen würde, die attraktiv genug wäre. Mit den vorgestellten Plänen könnte sich das ändern, aber noch haben die Verantwortlichen nicht mit dem Magistrat gesprochen. Ringat ist sicher, dass man in Frankfurt erfolgreich Überzeugungsarbeit leisten kann: „Am Anfang sind viele skeptisch. Wenn die Menschen dann mitbekommen, dass man keine Angst vor der Seilbahn haben muss, wird das ganz anders.“ (lo)

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