Autoren schreiben über Stadtteile

Frankfurt ist mehr als die Zeil und das Mainufer. Was die einzelnen Stadtteile zu bieten haben, zeigen Frankfurter Autoren in Form von Kurzgeschichten.

Autoren schreiben über Stadtteile

„Das Leben beginnt vor der Haustür“, sagt Autorin Susanne Konrad. Deshalb sei es so wichtig, den einzelnen Stadtteilen Aufmerksamkeit zu schenken. Mit dem von ihr herausgegebenen Buch „Frankfurter Einladung“ möchte sie genau das tun. Hier haben Autoren, die jeweils eine starke persönliche Beziehung zu den einzelnen Stadtteilen haben, ihre Eindrücke und Erlebnisse geschildert. Bei der Vorlesung am Donnerstagabend in der Stadtteilbibliothek Rödelheim wurden die westlichen Stadtteile vorgestellt.

Das Zwischenreich Hausen

Der Autor Bernhard Bauser stellte das Hausen der 80er-Jahre vor. „Hausen ist ein Zwischenreich und ein toller Ort, um der Stadt zu entkommen“, sagt Bauser. Von seinem einstigen Balkon aus konnte er die Skyline zur einen Seite und den Feldberg zur anderen Seite sehen. Hausen sei auch der Stadtteil gewesen, in dem das gesamte Brucheis der Stadt deponiert wurde, die Gartenschau und eine Friedensbewegung stattfand. Hier gebe es versteckte und verwinkelte Fußgängerpassagen, die nur Einwohner kennen und nehmen.

In Sossenheim scheint nichts zusammenzupassen

Gegen das Vorurteil, dass Sossenheim eine gesichtslose Stadt sei, versucht Volkhard Brandes mit seinem Text über den Stadtteil anzukämpfen.

„Sossenheim hat viele Gesichter.“ - Volkhard Brandes

Das besondere an Sossenheim sei, dass nichts dort zusammenzupassen scheint: Weder der „bizarre Architekturmix“ noch die multikulturelle Bevölkerung geben ein einheitliches Gesamtbild ab, so der Autor. „Sossenheim hat viele Gesichter“, sagt Brandes. Die Wiesen zur Nidda hin, die nah gelegene Autobahn sowie die Fachwerke Höchst - all das gehöre zu Sossenheim und bringe dem Stadtteil Freude, Lärm und Gestank.

Westend: Das Vorzeigequartier

„Wer Frankfurt-Kritiker von der Stadt überzeugen will, sollte ihm das Westend zeigen“, sagt die Übersetzerin und freie Autorin Monika Carbe. Westend sei das Juwel und Vorzeigequartier unter den Stadtteilen. Hier gebe es bepflanzte Flächen im Grüneburgpark oder im Palmengarten. Belebte Straßen mit vielen Restaurants aber auch Straßen, auf denen es kaum Passanten gibt, finde man im Westend zur Genüge. Die Neubauten im Stadtteil zeigen, wo im Zweiten Weltkrieg die Bomben gefallen sind. Dazwischen finde man schöne, sanierte Altbauten. Die gepflegten Gärten vor Privathäusern drücken laut Carbe eine „solide Bürgerlichkeit“ aus. „Wer kann sich hier schon die Mieten leisten?“, fragt die Autorin.

Rödelheim und eine Disko für die mittlere Altersklasse

Von einer Disko für Über-Fünfzig-Jährige in Rödelheim erzählt Astrid Keims Kurzgeschichte. Hierbei setzt sich eine alleinstehende 50-jährige Frau kritisch mit ihrem Körper und dessen Wirkung auseinander, als sie sich für die Disko fertig macht.

Sindlingen ist weit weg von der Stadt

Als Prachtvilla und Aushängeschild von Sindlingen beschreibt der Mundart-Rezitator Mario Gesiarz die Villa Meister. Mit dem dazugehörigen Park werde die Villa oft als Kulisse für Spielfilm-Szenen genutzt. Einen Sindliniger erkenne man auch daran, dass er etwas im Garten hat, das einmal den Farbwerken Hoechst gehört hat. Gesiarz nennt das nicht Diebstahl, sondern „Vergesellschaftung auf proletarische Art“.

„Nationalität spielt hier keine Rolle; auf religiöse Feste wird Rücksicht genommen.“ - Marion Gesiarz

Die ethnische Vielfalt im Sindlinger Fußballverein sei ein Spiegelbild für die Sindlinger Bevölkerung. „Nationalität spielt hier keine Rolle; auf religiöse Feste wird Rücksicht genommen“, sagt Gesiarz. Sindlingen sei aber vor allem eins: weit weg von der Stadt.

Bockenheim befindet sich im ständigen Wandel

In Bockenheim hat sich laut dem Historiker und Journalisten Norbert Saßmannshausen in den letzter Jahrzehnten viel verändert. Mit seinem Text über den Stadtteil machte er deutlich, dass sich Bockenheim in einem ständigen Wandel befindet. Vom neuen öko-Büroblock „Ka Eins“, über das Studentenwohnheim bis zu Zalando habe der Stadtteil einiges zu bieten.

Die restlichen Stadtteile

Was Frankfurter Autoren zu den restlichen Stadtteilen zu sagen haben, könnt ihr entweder in Konrads literarischer Anthologie „Frankfurter Einladung“ (Größenwahnverlag) oder bei kostenlosen Lesungen erfahren. Das Buch bietet neben literarisch umgesetzten Eindrücken auch traditionelle Frankfurter Rezepte und Rezepte von Leuten, die nun in Frankfurt leben.

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