Welche Besonderheiten bietet Frankfurt für queere Menschen?

Frankfurt hat eine aktive schwul-lesbische Szene. Aber als Großstadt bietet die Mainmetropole mehr als Party und den CSD. Merkurist stellt drei Besonderheiten vor.

Welche Besonderheiten bietet Frankfurt für queere Menschen?

Frankfurt ist eine bunte und weltoffene Stadt, Menschen aus aller Welt und mit allerlei sexuellen Orientierungen leben hier. Dass die Stadt eine schwul-lesbische Szene hat, zeigt schon das Bermuda Dreieck rund um den Klaus-Mann-Platz. Etwa ein Dutzend Bars und Treffpunkte finden sich dort. Aber Frankfurt ist mehr als schwul-lesbische Partys. Welche Besonderheiten hat die Mainmetropole noch für Menschen noch zu bieten, die nicht den hergebrachten Geschlechterrollen entsprechen oder heterosexuell sind?

Eine Anlaufstelle für queere Jugendliche

Viele Menschen merken schon in ihrer Jugend, dass sie „anders“ sind - wobei „anders“ natürlich immer relativ ist. Heute lernen Jugendliche schon früh, dass es nicht so ungewöhnlich ist, wenn Männer Männer lieben oder Frauen keine langen Haare tragen wollen. Wer feststellt, dass es ihm oder ihr so geht, findet im Kuss41 eine Anlaufstelle. Das Jugendzentrum in der Kurt-Schumacher-Straße 41 richtet sich gezielt an junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren, die eine alternative Sexualität leben.

Alisa Weidinger und Oliver König bieten an zwei Abenden in der Woche jungen Menschen die Möglichkeit, zusammen zu kommen und sich auszutauschen. Zusätzlich gibt es regelmäßig Parties, Beratungsangebote und Informationsveranstaltungen, es wird zusammen gekocht oder gebacken. Für trans- und intersexuelle Menschen gibt es ebenso Angebote, wie für asexuelle und aromantische Jugendliche und junge Erwachsene - also Menschen, die keine sexuelle oder romantische Anziehung empfinden. Getragen wird das Zentrum vom Verein OurGeneration mit Unterstützung der Stadt Frankfurt.

„Viele finden es einfach toll hier, weil die Offenheit so groß ist.“ - Alisa Weidinger, Kuss41

Es geht nicht ständig um Geschlechterthemen. Dennoch ist das Kuss41 anders, als die meisten Jugendzentren, erklärt Weidinger: „Wir begreifen uns als Schutzraum, weil die Jugendlichen hier so sein können, wie sie sind, ohne sich erklären zu müssen.“ Es gibt einen Raum, der die Möglichkeit bietet, sich auszuprobieren. Es steht Schminke zur Verfügung, Menschen, die sich in der Öffentlichkeit nicht gemäß ihrer Geschlechteridentität kleiden, können sich dort umziehen. Das Zentrum ist eines von zwei mit queerem Schwerpunkt in ganz Hessen und findet Anklang bei den jungen Menschen. Um die 200 verschiedenen Personen kommen im Monat, längst nicht alle sind schwul, trans oder asexuell, wie König erklärt: „Es kommt oft vor, dass Menschen Freundinnen und Freunde mitbringen, die keine direkten Bezug zu Queer-Themen haben.“ Und Weidinger ergänzt: „Viele finden es einfach toll hier, weil die Offenheit so groß ist.“

Einer der größten schwulen Sportvereine in Europa

Offenheit wird auch beim Frankfurter Volleyball Verein (FVV) großgeschrieben. Der Verein wurde in den Achtzigerjahren von schwulen Männern gegründet, die sich in anderen Vereinen diskriminiert gefühlt haben, aber etwas für ihre Gesundheit tun wollten, fasst Tom Fischer-Nerenberg vom Verein die Gründungsidee zusammen. Und weiter: „Im FVV arbeiten wir täglich an unserem Ziel ein diskriminierungsfreier Sportverein zu sein.“ Das bedeutet, dass es keine Voraussetzung ist, schwul oder lesbisch zu sein, um dem Verein beitreten zu können. Genauso wenig muss ein Mitglied aus Frankfurt sein. Für ausländische Arbeitnehmer, die nur auf Zeit in der Mainmetropole sind, gibt es eine Jahresmitgliedschaft.

„Wir wollen Präsenz zeigen.“ - Tom Fischer-Nerenberg, FVV

Zwar steht der Verein heterosexuellen Menschen offen, der Schwerpunkt bleibt aber auf dem schwul-lesbischen Sport. Fischer-Nerenberg verbindet damit eine klare Botschaft: „Wir wollen Präsenz zeigen, wir wollen klar machen, dass gute Leistungen im Sport erzielt werden durch Training, egal ob die Sportler hetero, schwul oder lesbisch sind.“ Um das zu erreichen, nimmt der Verein mit verschiedenen Mannschaften – es gibt rund 30 verschiedene Sportarten – an professionellen Turnieren teil. Eine gewisse Aufmerksamkeit bleibt da nicht aus, erläutert Fischer-Nerenberg; „Die Erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Es gibt Reaktionen, wo wir merken, dass da viele Fragezeichen sind, aber es gibt auch viel positives Feedback.“

Homosexuelle Altenpflege bedarf besonderer Sensibilität

Wenn Sport kein großes Thema mehr ist, aber mit dem Alter die Frage nach Versorgung und Pflege wichtig wird, können sich ältere schwule und lesbische Menschen an die Regenbogenpflege des Frankfurter Verband wenden. „Entstanden ist die Idee 2006, als eine Gruppe älterer schwuler Männer an den Verband herangetreten ist, die ein Informationstelefon einrichten wollte“, erinnert sich Peter Gehweiler vom Verband. Damals war die Idee noch neu und man musste zuerst einmal rausfinden, was bei der Pflege älterer homosexueller Menschen zu beachten gilt.

„Die Sozialisation älterer schwuler Männer erfordert eine besondere Sensibilisierung.“ - Peter Gehweiler, Frankfurter Verband

Eine große Rolle spielte in diesem Fall der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches. Dieser stellte bis 1994 Homosexualität unter Männern unter Strafe und wirkt bei vielen bis heute nach: „Die ähnliche Sozialisation älterer schwuler Männer erfordert eine besondere Sensibilisierung für die Mitarbeiter“, sagt Gehweiler.

Inzwischen ist die Regenbogenpflege mit dem Julie-Roger-Haus und dem Sozial- und Rehazentrum West in Frankfurt aktiv. Hier wird nicht nur auf ein diskriminierungsfreies Umfeld wert gelegt, sondern auch auf eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung. Für die Angehörigen der Gepflegten ist das teilweise noch etwas gewöhnungsbedürftig, schmunzelt Gehweiler: „Die Ladies und Mens Night, bei der Stripper aufgetreten sind, wurde bei den Angehörigen sehr unterschiedlich aufgenommen. Aber den Bewohnerinnen und Bewohnern hat es gut gefallen.“

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