Kulturelle Vielfalt in Frankfurt

Von Buddhas im Ostend bis hin zu überwundenen Sprachbarrieren im Gallus: So vielfältig sind die Interkulturellen Wochen. Eine Veranstaltung rund um den kulturellen Austausch - und Merkurist war dabei.

Kulturelle Vielfalt in Frankfurt

Religion, Herkunft, Alter und Geschlecht können ein Teil von Kultur sein. Genauso spielen Musik, Kunst und Ideen dabei eine Rolle. Eins steht damit fest: Genauso unterschiedlich wie die Menschen in Frankfurt, sind hier auch die Kulturen, die aufeinandertreffen. Eine Leserin fragte in ihrem Snip, wo in Frankfurt man Kulturen kennenlernen kann. Merkurist ist dieser Frage bei den Interkulturellen Wochen nachgegangen.

Buddhismus im Ostend

„Wir sollen jeden Tag etwas Gutes tun.“ - Dieter Kao, Leiter des Fo-Guang-Shan Tempels

Einen Tempel erwartet man im Frankfurter Ostend nicht unbedingt. Was von außen aussieht wie ein normales Haus, ist innen prächtig mit buddhistischem Blumenschmuck, Früchten und Buddhastatuen geschmückt. Der Fo-Guang-Shan-Tempel hat mit seinem Tag der offenen Tür an den Interkulturellen Wochen teilgenommen und Einblick in eine Kultur gewährt, mit der man in Frankfurt womöglich sonst nicht so viel Kontakt hat. Dabei ist hier eigentlich jeder willkommen, verrät Leiter Dieter Kao und sagt dies auch mit der chinesisch-buddhistischen Begrüßungsformel „Amituofo!“. Die bunt gemischte Gruppe, die an der Führung durch den Tempel teilnimmt, lauscht gespannt als Kao buddhistische Lebensweisheiten erklärt. „Wir sollen jeden Tag etwas Gutes tun. Abends reflektiert man und versucht, sich am nächsten Tag zu verbessern“, beschreibt er.

Viele Gemeinsamkeiten

„Nur indem man Buddha - oder eben auch Jesus in der Kirche - anschaut, hat man einen Dialog und jemanden, dem man seine Probleme erzählen kann.“ - Dieter Kao, Leiter des Tempels

„Man kann aus allen Religionen etwas lernen“, stellt Kao fest. Daher zieht er auch Vergleiche zu anderen Religionen, die den meisten Besuchern vielleicht vertrauter sind: „Nur indem man Buddha - oder eben auch Jesus in der Kirche - anschaut, hat man einen Dialog und jemanden, dem man seine Probleme erzählen kann.“ Opfergaben, wie Blumen oder Obst auf dem Altar, seien Geschenke an Buddha. Das sei ähnlich, wie wenn man seinen Freunden Blumen oder Schokolade bei einem Besuch mitbringt, lacht Kao. Chinesische Kultur ist im Fo-Guang-Shan-Tempel auch durch Bücher, Essen und Teezeremonien präsent.

Die Teezeremonie ist eine Art von Meditation, bei der nicht geredet wird. Mehrmals werden die Grünteeblätter aufgekocht und jedem Teilnehmer ein Schluck des heißen Getränks eingeschenkt. Wer Interesse an chinesischen oder buddhistischen Weisheiten, Zeremonien oder Festen hat, kann den Fo-Guang-Shan-Tempel jederzeit besuchen. Hier erlebt man eine Kultur, die man sonst mit Frankfurt nicht unbedingt verbindet.

Integrationshilfe für alle Kulturen

„Wir lernen miteinander und wir lernen voneinander.“ - Maria Theresia Franz-Götz, Teamleitung der Sprachförderung

Die Interkulturellen Wochen boten auch die Möglichkeit, sich über Probleme und Lösungen zu informieren, die beim Kulturenaustausch entstehen können. Vielen Menschen die aus dem Ausland nach Frankfurt kommen, steht beim Schritt ins Arbeitsleben vor allem die Sprachbarriere im Weg. Bei der gemeinnützigen Organisation „GFFB“ können Teilnehmer lernen, wie Kommunikation gelingt. Teamleiterin der integrierten Sprachförderung ist Maria Theresia Franz-Götz . „Wir merken, dass kulturelle Vielfalt sehr wichtig ist. Wir lernen miteinander und wir lernen voneinander,“ betont sie. Durch eine Kombination aus Fachanleitung und Sprachförderkraft lernen die Teilnehmer praxisbezogen Begriffe und Grammatikregeln, die für den Berufsalltag wichtig sind.

Wenn Kommunikation gelingt

„Es ist besonders wichtig, offen und wertschätzend zu sein.“ - Theresia Maria Franz-Götz, Teamleitung der Sprachförderung

In unterschiedlichen Bereichen, wie Hauswirtschaft oder Logistik, wird gleichzeitig das berufliche und das sprachliche Wissen vermittelt, erklärt die Teamleiterin. Dabei sei es nicht selten, dass Teilnehmer das Programm wählen, bei dem als Abschluss eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) den Schritt in den Arbeitsalltag ermöglicht. „Wir bauen Selbstbewusstsein auf, denn die Teilnehmer lernen durch ihre Erfolgserlebnisse“, beschreibt Franz-Götz stolz. Viele von ihnen seien schon einige Jahre in Deutschland, doch trauen sich jetzt erst, richtig zu kommunizieren. Die integrierte Sprachförderung scheint Sprach- und Kulturbarrieren mit einem Konzept zu überwinden, bei dem es besonders wichtig ist, „offen und wertschätzend zu sein“, so Franz-Götz. Das innovative Konzept gewann in diesem Jahr auch den Integrationspreis der Stadt Frankfurt.

Interkulturelles Frankfurt

Zahlreiche weitere Veranstaltungen, wie Theaterstücke, eine Moscheeführung oder Lesungen, waren Teil der Interkulturellen Wochen 2017. Noch bis Samstag gibt es weitere Erlebnisse, die bestätigen, dass Frankfurt kulturell kunterbunt ist. Weitere Informationen gibt es auf der Website von Vielfalt bewegt Frankfut.

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