Wasserhäuschen: Aufstand gegen die Pachterhöhung

In dieser Woche wurde bekannt, dass einige Frankfurter Wasserhäuschen-Betreiber bis zu 80 Prozent mehr Pacht zahlen sollen. Dagegen formt sich Widerstand. Und Peter Feldmann setzt sich für eine Rücknahme ein.

Wasserhäuschen: Aufstand gegen die Pachterhöhung

Spiridon Petru schaut aus seinem kleinen Fenster. Eine Frau möchte Zigaretten und Wodka kaufen. Er legt ihr die Zigaretten auf den Tresen. „Keinen Wodka mehr, du hattest genug“, gibt er ihr mit. Die beiden diskutieren ein wenig. Irgendwann lenkt Petru ein. „Aber nur, wenn du deiner Freundin nichts abgibst, sie hatte wirklich genug.“ Die Frau gibt ihm zehn Euro, packt die Zigaretten und die kleine Wodkaflasche ein und läuft Richtung Park. Spiridon Petru ist seit 19 Jahren der Pächter des Wasserhäuschens in Rödelheim.

Wie lange er das noch sein wird, ist jedoch seit einigen Tagen ungewiss. „Ich habe unterwartet Post bekommen - mit dem neuen Pachtvertrag.“ Darin stand geschrieben, er soll rückwirkend zum Juni 2017 mehr Miete zahlen. Doch nicht nur etwas, sondern knapp 70 Prozent mehr. „Da müsste ich 28 mehr Bierkisten im Monat verkaufen, um das zu erwirtschaften.“ Er habe jetzt erst einmal Einspruch gegen die Pachterhöhung eingelegt und hofft, dass es eine Lösung geben wird.

Von der Stadt an Getränkekonzern und von da an den Betreiber

Wie Petru ging es in den vergangenen Wochen vielen Wasserhäuschenbetreibern. Wie Frederick Löbig vom Wasserhäuschenverein Linie 11 erzählt. Er fand heraus, dass das Getränkeunternehmen Radeberger, welches die Häuser hält, die Erhöhung vonseiten der Stadt, auf deren Grundstück die Wasserhäuschen stehen, bekommen hat. „Diese wurde - man wolle ja nicht draufzahlen - eins zu eins an die Betreiber weitergegeben“, gibt Löbig das Gespräch mit dem Unternehmen wieder.

„Die aktuelle Pachterhöhung ist einer von vielen Steinen, die den Betreibern, bewusst oder unbewusst, in den Weg gelegt werden.“ - Frederick Löbig, Linie 11

Mit welcher Begründung die Stadt die Preise für die kleinen Geschäfte erhöhte, ging aus der Erklärung nicht hervor. „Die aktuelle Pachterhöhung ist einer von vielen Steinen, die den Betreibern, bewusst oder unbewusst, in den Weg gelegt werden“, kritisiert Löbig das Vorgehen. Auch andere Probleme, wie die vertragliche Bindung an einzelne Brauereien kritisiert er in diesem Zuge. „Möchte man ernsthaft, dass Wasserhäuschen weiterhin zum Stadtbild gehören, und zwar nicht in Form von Cafés, Eisdielen oder Kaffeebars, dann müssen sich alle Seiten mal ernsthaft, und vor allem ohne Vorbehalte und Befindlichkeiten an einen Tisch setzen.“

Feldmann will sich für die Rücknahme der Erhöhung stark machen

Löbig hofft, dass sich die Politik durch die nun generierte Öffentlichkeit noch einmal mit dem Thema befasst. Bei der Brauerei wurde ihm das schon versprochen. Diese hätte zwar im Sinne der Betreiber mit der Stadt über die Erhöhung verhandelt, wolle dem aber noch einmal nachgehen, sagt Löbig. Er selbst sieht sich und den Verein als Mittler zwischen den Gruppen. Wünsche hat er trotzdem: „Ich gehe bei dem aktuellen Fall nicht von Willkür aus, sondern von reiner, starrer Bürokratie. Ich wünsche mir von den verantwortlichen Politikern in solchen Fällen schlichtweg mehr Flexibilität, mehr Bekenntnis zur eigenen Stadt und mehr Transparenz.“

Es scheint, als käme auch schon Bewegung in die Sache. Es ist geplant, dass Löbig am Freitag mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) Pächter Petru an seinem Wasserhäuschen besuchen geht. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Pachterhöhung zurückgenommen werde. Einen Anlass gebe es dazu ebenfalls: Am Samstag, den 25. August ist der Tag der Trinkhallen.

„Die ersten Nächte habe ich wirklich nicht gut geschlafen, jetzt geht es wieder.“ Spiridon Petru, Wasserhäuschen-Betreiber

Ob Spiridon Petru den Tag feiert, ist nicht bekannt. Er will erst einmal weitermachen, bis endgültig über seinen Einspruch entschieden ist. „Die ersten Nächte habe ich wirklich nicht gut geschlafen, jetzt geht es wieder“, sagt er. Er hoffe, dass er sein Wasserhäuschen weiterhin betreiben kann. Falls nicht, sei es aber auch kein Weltuntergang. „Dann suche ich mir halt einen anderen Job“, sagt er, schaut dabei aber nicht sehr glücklich. Und dann gibt er einem Fahrradfahrer, der vor seinem Wasserhäuschen hält, ein Radler in die Hand. Dass Wasserhäuschen verloren gehen, möchte sich Frederick Löbig nicht vorstellen. Er glaubt: „Es würden soziale Treffpunkte für solche Menschen verloren gehen, die nicht am Mainufer sitzen, die nicht im Beachclub oder auf Rooftop-Parties feiern, und deren soziale Kontakte nun mal am Wasserhäuschen existieren. Es wäre ein Schritt weiter zu einem Frankfurt, das mit Sicherheit vielen immer weniger gefallen würde.“

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