Frankfurts beste Raucherkneipen

2007 wurde das Rauchverbot in Kneipen eingeführt. Drei Jahre später wurde es wieder entschärft. Wir zeigen euch die kultigsten Locations, wo ihr der Rauch- und Trinklust frönen könnt.

Frankfurts beste Raucherkneipen

In diesem Jahr feiert das Rauchverbot in Gaststätten zehnjähriges „Jubiläum“. Doch während bei der Einführung am 1. Oktober 2007 nahezu ausschließlich die Fraktion der Nichtraucher gejubelt haben dürfte, war die Empörung bei Rauchern und Gaststättenbetreibern groß. Viele Eckkneipen fürchteten durch das „Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens“ ihren Ruin - schließlich ist neben dem gepflegten Bierchen auch für viele das Rauchen charakteristisch für den Ausflug in die gemütliche Pinte ums Eck.

Die es sich leisten und umsetzen konnten, fingen an zu hämmern, sägen und schrauben und bauten einen abgegrenzten Raucherraum in die Kneipe. Im März 2010 kam dann die Erleichterung und es wurden Ausnahmen vom Rauchverbot für die Kleinstgastronomie eingeführt. Wenn der Wirt will, darf seitdem wieder gequalmt werden - vorausgesetzt, das Lokal hat eine Fläche von weniger als 75 Quadratmetern, nur einen Gastraum und es werden nur einfache Speisen angeboten. Außerdem muss das Lokal als Raucherkneipe gekennzeichnet und der Zutritt für unter 18-jährige verboten sein.

Wo quarzen die Frankfurter gerne?

Diese Voraussetzungen erfüllen einige Kneipen in Frankfurt. Wir zeigen euch die besten fünf.

Terminus Klause, Bahnhofsviertel

Die „Terminus Klause“ in der Moselstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel ist vor Jahren zum hippen Treffpunkt für junge Menschen avanciert. Mag auch die Inneneinrichtung gewöhnungsbedürftig und der Raum für gewöhnlich derart verqualmt sein, dass man auch einen nur kurzen Aufenthalt nicht verleugnen könnte - der Zulauf spricht Bände.

Am Wochenende findet man abends keinen freien Platz mehr an den Holztischen vor Fachwerk mit Landschaftsidyll und auf den Bänken mit geblümten Polstern. Das stört hier keinen: Man steht an der Bar, in den Tischzwischenräumen und auf der Straße. Die Gäste lieben die Unkompliziertheit ihrer Klause. Ein großer Teller mit Pommes und immens viel Paprikagewürz hat wohl manch einem in einer trinkfreudigen Nacht das Leben gerettet. Der Rest hält sich an die Salzstangen in Gläsern oder die Pistazien aus dem „Kaugummi“-Automat. Der glatzköpfige Wirt hilft bei dessen Nutzung gerne weiter.

Biertonne, Gallus

„Im Herzen Frankfurts entspannt essen und trinken, nette Leute treffen und den Abend in gemütlicher Atmosphäre ausklingen lassen - das und mehr erwartet Sie in dem Restaurantlokal ,Zur Biertonne'“, so die Ankündigung der Kneipe an der Mainzer Landstraße 103. Nicht jeder weiß, dass dort ein Restaurant angeschlossen ist - gerade junge Leute zieht es bei Dunkelheit zuhauf in den schmalen schlauchartigen Gastraum.

Optisch fällt eine weiße Steinwand mit weißer Holzpaneele ins Auge. Dazu Deckenbalken und Kupferlampen. Im Sommer kann man auch draußen sitzen - eine angenehme Augenentlastung beim stehenden Raucherdunst. Manch einer munkelt, die Rinderleber mit Zwiebeln könne man hier gut essen. In jedem Fall geizen die Wirte bei fröhlicher Trinklust nicht mit Erdnussflips. Und wenn es richtig voll wird, scheint hier auch das Abkassieren ein bisschen egal zu werden. Egal. Hauptsache, man kann Dart spielen. Jeden ersten Freitag im Monat gibt es sogar ein Dartturnier.

Lebensfreude Pur, Bornheim

Dass ausgerechnet ein Fruchtsaft nach der Bierkneipe in Bornheim benannt wurde, gilt als Treppenwitz der Frankfurter Kneipengeschichte. Viele Einwohner halten Luzie Hartels Kneipe in der Mainkurstraße 19 für die beste Adresse für einen Absacker - und damit für ideal, um die nächtliche Lebensfreude ausgiebig zu genießen. Denn hier geht der Vorsatz „open end“ sogar so weit, dass die Besitzerin sich intensiv dafür einsetzt, die sogenannte Putzfrauensperrstunde abzuschaffen.

Das Innere der Kneipe bietet eine herrlich skurrile Einrichtung im Stil der 60er-Jahre mit dunkler Einrichtung, stoffbehangener Decke, Kerzenlicht und großem Goldrandspiegel. Hier trifft sich bei Rock und Blues, Kerzenlicht und Zigarettendunst, vom Yuppie bis zum Studi alles in harmonischer Eintracht. Das stets freundliche Team denkt sich regelmäßig neue Unterhaltungsgimmicks aus, wie Schachspielen am Dienstag und einen Fotoslam, der einmal im Monat stattfindet. Als Preis winken Ehre und ein Freibier.

Hesseneck, Bockenheim

Das Hesseneck hat zwar auch die Raucherkneipen-typische Tisch- und Stuhlgarnitur aus dunklem Holz und eine holzverkleidete Theke, aber wenn's gut läuft, sogar das ein oder andere Väschen mit Blümchen und Kerzchen auf den Tischen stehen. Die Eckkneipe am Hessenplatz 9 in Bockenheim ist ebenfalls bekannt für ihre langen Öffnungszeiten und damit für Absacker-Qualität schlechthin, zumal der Stadtteil sonst nicht viel für kneipenliebende, ausdauernde Nachtschwärmer bereit hält und mit der Endstation im Hesseneck die sogenannte große Bockenheimer Runde komplettiert werden kann.

Zeitweise hatte der Laden erst um Mitternacht geöffnet. Dafür kann es auch mal bis 6 oder 8 Uhr morgens gehen. Viel Zeit, um ein mitunter wunderbar sonderbares Publikum anzulocken - eben wie der Laden selbst: Ein bisschen durchgeknallt und urig zur selben Zeit. Regelmäßig finden hier auch Sessions mit Künstlern „aus Bockenheim und Vororten von Bockenheim“ statt.

Doctor Flotte, Bockenheim

Obwohl Doctor Flotte „nur“ ein Bestandteil der kleinen Bockenheimer Runde (nach „Volkswirtschaft“ und „Tannenbaum“) mit früherem Zapfenstreich ist, steht die Kneipe dem Hesseneck nicht in uriger Durchgeknalltheit nach. Außerdem werden dort diejenigen bedacht, die sich schön früh einem Gläschen widmen möchten: Wer will, der kann sich hier angeblich ab 9 Uhr den ganzen Tag betrinken.

Das Eckkneipen-Uhrwerk an der Grävstraße 87 mit dunkel lackiertem Holz, an der Decke klebenden Spielkarten, Kronleuchtern und einem Trinkspruch in altdeutscher Schrift auf einem Holzbalken hat nicht nur Spielautomaten und Jukebox, sondern auch Hausmannskost samt Rindswurst und Frikadellen im Angebot. Außerdem lässt es sich hier gut Fußball gucken - und so sein, wie man ist. Eben das, was wir an all den aufgeführten Raucherkneipen lieben.

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