Was passiert mit der ehemaligen Terminusklause?

Vor einem Jahr musste die Terminusklause im Bahnhofsviertel schließen. Was geschieht mit den Räumlichkeiten der beliebten Schenke?

Was passiert mit der ehemaligen Terminusklause?

Wo einst die verschiedensten Menschen im Zigarettenrauch beisammen saßen und Bier tranken, sind die Scheiben des Ladenlokals heute mit Holzbrettern abgedeckt. Nichts deutet mehr darauf hin, dass dort, in der Moselstraße 14, noch bis vor einem Jahr eine der wohl kultigsten Kneipen des Bahnhofsviertels ansässig war: die Terminusklause. Eröffnet bereits Mitte der Neunzigerjahre, war sie besonders in den letzten Jahren ihres Bestehens zu einem Ort geworden, an dem viele der (vermeintlichen) Gegensätze Frankfurts auf wenigen Quadratmetern aufeinandertrafen. Studierende, Arbeiter, Migranten, Bänker - es war die bunte Mischung, welche die Klause zu etwas Besonderem machte. Hinzu kam die schummrige Atmosphäre mit den vergilbten Gardinen, eine seltsame Wanddekoration, bestehend unter anderem aus Schwertern, und das günstige Fassbier.

Leerstand in beliebter Lage

„Was hat ein Geschäftsmann davon, das Ding so lang leerstehen zu lassen?“ - Ulrich Mattner, Vorsitzender des Gewerbevereins Bahnhofsviertel

„Das war ein super Treffpunkt“, sagt Ulrich Mattner über die Schenke. Er ist Vorsitzender des Gewerbevereins „Treffpunkt Bahnhofsviertel“ und bietet auch Führungen durch das Quartier an. Ihn wundert es, dass der Laden nun schon so lange ungenutzt ist - gerade weil sich in der Moselstraße immer eine ganze Menge tue. „Was hat ein Geschäftsmann davon, das Ding so lang leerstehen zu lassen?“, fragt sich Mattner.

Der Geschäftsmann, das ist in diesem Fall die Schnabel Management GmbH. Das Unternehmen für Hotel- und Liegenschaftsverwaltung besitzt mehrere Immobilien im Bahnhofsviertel und hat auch das Haus in der Moselstraße vor einigen Jahren erworben. 2015 stand die Terminusklause schon einmal vor dem Aus, jedoch wurde der Mietvertrag für Kneipenbesitzer Hüseyin Taskin damals letzten Endes doch noch verlängert. Aber wie geht es jetzt weiter?

Immobilienbesitzer hält sich bedeckt

„Da ist noch keine Entscheidung gefallen“ - Sprecherin der Schnabel Management GmbH

Über die Zukunft des Lokals will die Schnabel Management GmbH keine Angaben machen: „Da ist noch keine Entscheidung gefallen“, teilt eine Sprecherin auf Merkurist-Anfrage mit. In den Räumlichkeiten selbst sei noch nichts gemacht worden. Doch so einfach könnte dies auch gar nicht vonstatten gehen. Denn bei dem ganzen Gebäude handelt es sich laut einer Mitarbeiterin des Denkmalamtes der Stadt Frankfurt um ein Einzelkulturdenkmal. Das heißt, der Denkmalschutz gilt auch für Änderungen im Inneren. Sind fehlende Genehmigungen also der Grund, warum bislang nichts passiert ist? Während das Immobilienunternehmen dazu keine Auskunft erteilen will, erklärt die Mitarbeiterin des Denkmalamtes: „Es gab keine Gespräche zu dem Objekt“. Sie habe sich dementsprechend auch noch nicht vor Ort umgeschaut - und was sie nicht gesehen habe, könne sie auch nicht genehmigen.

„Das Ladenlokal ist vorerst nicht vermietet.“ - Sprecherin Schnabel Management GmbH

Es gibt noch eine andere Theorie, die in Gegenden mit fortschreitender Gentrifizierung wie dem Bahnhofsviertel nicht unbedingt unplausibel erscheint: Spekulation auf weiter steigende Immobilienpreise. Denn nach teuren Renovierungen wird in aller Regel im Anschluss die Miete erhöht oder die Liegenschaft für viel Geld verkauft, um Gewinn einzufahren. Doch trifft das auch auf dieses Gebäude zu, in dem es neben der ehemaligen Kneipe noch ein Schreibwarengeschäft und mehrere Büroetagen gibt? Dass zumindest die Steigleitungen irgendwann neu gemacht werden müssten, hatte Geschäftsführer Harry Schnabel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schon 2015 erzählt. Aktuell sieht es außerdem so aus, als ob das erste Obergeschoss und Teile des zweiten Obergeschosses leerstünden. Dies erklärt eine andere Sprecherin der Schnabel Management GmbH allerdings mit einem „Mieterwechsel in einer Fläche“. Sie bestätigt, dass das Ladenlokal, das ehemals die Terminusklause beherbergte, „vorerst nicht vermietet“ sei - zu den anderen Punkten hält die GmbH sich bedeckt.

Eine neue Terminusklause?

Während die Zukunft der Immobilie also ungewiss ist, scheint es eine gute Nachricht für die Kundschaft der ehemaligen Kult-Kneipe zu geben. Denn Hüseyin Taskin und Mario Ivanow, Wirt der Terminusklause, planen anscheinend, etwas Neues aufzumachen. Das berichtet Nico Wehnemann, Stadtverordneter von „Die Partei“, auf Anfrage von Merkurist. Aus dem Umfeld seiner Partei hatte es viel Unterstützung für den Erhalt des Lokals gegeben. Die Information über die Neueröffnung erhielt der Politiker laut eigener Aussage von Taskin selbst, den er vergangenen Sonntag kurz getroffen habe. Als neuer Standort komme vermutlich die Münchener Straße in Frage, „dauert aber wohl noch etwas“, so Wehnemann. Es kann also durchaus sein, dass sich die Gäste der Terminusklause bald in einem neuen Laden wiedertreffen - der dann mitten auf einer der pulsierenden Hauptadern des Bahnhofsviertels liegt. (lo)

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