„Frankfurter Hauptschule“ schießt mit Klopapier-Aktion gegen Goethe

„Humoristische Vergewaltigungslyrik von einem lüsternen Dichtergreis“: So nennt das Kollektiv „Frankfurter Hauptschule“ Goethes Werk - und hat deshalb sein Weimarer Gartenhaus mit Klopapier beworfen. Nicht die erste provokante Aktion der Gruppe.

„Frankfurter Hauptschule“ schießt mit Klopapier-Aktion gegen Goethe

Das Künstlerkollektiv „Frankfurter Hauptschule“ sorgt mit seinen Aktionen gern für Furore und provoziert. 2016 rief die Gruppe dazu auf, die Liebesschlösser am Eisernen Steg — ihrer Meinung nach „moderne Keuschheitsgürtel“ — abzumontieren, damit die Gruppe sie einschmelzen kann. Im vergangenen Jahr ließ das Kollektiv aus Protest einen Streifenwagen im Bahnhofsviertel abbrennen. Woher der Wagen stammte, ist bis heute unklar.

Jetzt ist das Kollektiv zurück — mit der Aktion „LOLita“, die unter anderem Johann Wolfgang von Goethe ins Visier nimmt. Denn der wohl bedeutendste Dichter Deutschlands, dessen Werke bundesweit in Schulen besprochen werden, ist laut der „Frankfurter Hauptschule“ ein Sexist.

„Brutale Vergewaltigung in lieblichem Trällerton“

„Goethes Werk strotzt vor erotischen Hierarchien zu Ungunsten seiner Frauenfiguren, die von ihm oft als ‘naive Dummchen’ gestaltet werden“, schreibt das Kollektiv in einer Stellungnahme. Das 14-jährige Gretchen im „Faust“ sei dabei nur das prominenteste Beispiel. „In seinem Gedicht ‘Heidenröslein’ verharmlost Goethe gar eine brutale Vergewaltigung in lieblichem Trällerton.“ Das Werk sei „humoristische Vergewaltigungslyrik von einem lüsternen Dichtergreis“.

„Die Kosten der Reinigung werden auf 400 Euro geschätzt.“ - Polizeiinspektion Weimar

Deshalb zog es das Kollektiv am Dienstag nach Weimar. Dort steht Goethes Gartenhaus, ein Unesco-Weltkulturerbe. „Aus Protest gegen den unbedarften und beschönigenden Umgang mit Goethe“ bewarfen Mitglieder des Kollektivs das Haus mit rauen Mengen Klopapier. „Nach bisherigen Erkenntnissen entstand kein materieller Schaden“, teilte die Polizeiinspektion Weimar am Mittwoch mit. „Die Kosten der Reinigung werden auf 400 Euro geschätzt.“

„Heidenröslein“ soll verbannt werden

Kritisiert wird von der „Frankfurter Hauptschule“ aber nicht nur Goethes Werk, sondern auch seine Person. So habe er regelmäßig jüngere Frauen verführt. „Immer wieder beutete Goethe Frauen emotional aus, ließ seine Partnerinnen sitzen und verschwand, mitunter ins Ausland“, so die Gruppe.

„Natürlich gab es schlimmere Finger als Goethe in der Weltgeschichte“, so eine Sprecherin des Kollektivs in der Stellungnahme. Allerdings sei er „der Säulenheilige der deutschen Kultur“, sein „Heidenröslein“ noch immer „unhinterfragter Unterichtsstoff“. Die Forderung: Wenn es nach der „Frankfurter Hauptschule“ geht, soll das Gedicht aus den Schulen verbannt werden.

Gemischte Reaktionen

Im Bekennervideo auf Youtube zeigt das Kollektiv die Klopapier-Aktion in Weimar nochmal im Film. Die Reaktionen der User: gemischt. Während die einen den neuesten Streich des Kollektivs als „gute, zum Nachdenken anregende Aktion“ und „cooles Projekt“ bewerten, nennen andere Nutzer die Aktion „dumm“ und die Künstler „kulturlose Spinner“. Ein Kritiker reagiert dagegen mit einem Zitat Goethes: „Gewissen Geistern muss man ihre Idiotismen lassen“, kommentiert er. (df)

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