Neuer Stadtteil in Planung - „ein Kampf gegen Windmühlen!“

Bei der Informationsveranstaltung zur Planung des neuen Stadtteils trafen wütende Bürger mit ihren Sorgen auf einen angespannten Planungsdezernenten. Bis spät in den Abend hinein wurden Fragen gestellt und Diskussionen geführt.

Neuer Stadtteil in Planung - „ein Kampf gegen Windmühlen!“

Im Nordwesten Frankfurts soll er entstehen – der neue Stadtteil – und das möglichst bald. Doch ein Großteil der Anwesenden auf der Veranstaltung am Mittwoch im Saalbau Titusforum schienen davon eher weniger begeistert zu sein. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) informierte im Rahmen eines offenen Bürgerforums einige hundert Menschen vor Ort über das Projekt.

Bürger fordern Feld statt Beton

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Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung demonstrierten einige Gegner des Projekts vor dem Gebäude. Flyer mit dem Titel „Heimatboden Frankfurt – Feld statt Beton“ riefen dazu auf, den „Wahn zu stoppen". Auch Mathias Mund, der Stadtverordnete Fraktionsgeschäftsführer der Wählervereinigung Bürger für Frankfurt (BFF) im Römer, verteilte Informationsblätter. In diesen wird Josef vorgeworfen, ökologische, klimatische und infrastrukturelle Faktoren zu wenig Beachtung zu schenken, sowie die wertvollen Agrarböden zu ignorieren, die für das Bauprojekt dem Beton weichen müssten. Der geplante Stadtteil helfe in den nächsten 10 bis 15 Jahren ohnehin noch niemandem und bringe nur mehr Probleme, als er lösen könne.

Fragen über Fragen

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Dies schien die Meinung der meisten Anwesenden zu sein, was sich unter anderem durch Zwischenrufe während der Präsentation von Josef deutlich machte. Die Stimmung im Saal war gereizt. Als sich die Vertreter der Stadt nach dem Vortrag versammelten, um gleich in verschiedenen Ecken nähere Auskünfte zu geben und Fragen zu beantworten, sprang eine Dame empört auf und rief: „Ihr wollt uns splitten!“

„Ich werde notfalls bis Mitternacht hierbleiben und Ihre Fragen beantworten!“ - Mike Josef, Planungsdezernent

Kämpferisch gaben sich die Gegner des Projekts, beschwichtigend Moderatorin und Planungsdezernent. Den Satz: „Ich werde notfalls bis Mitternacht hierbleiben und Ihre Fragen beantworten!“, könnte Josef im Laufe des Abends noch mehrfach bereut haben, da sich Fragen häufig wiederholten und selbst als um 21 Uhr der Saal bereits von vielen wieder verlassen worden war, die Schlange der Fragesteller nicht kürzer zu werden schien. Josef wurde mit vermeintlichen Fehlentscheidungen der Stadt aus den 60er- und 70er-Jahren konfrontiert (Bedenkenswert: Mike Josef wurde 1983 geboren), ihm wurde gesagt, dass die Stadt ihre Hausaufgaben nicht machen würde und beim Bau von Riedberg und Europaviertel auch viel schief gelaufen sei. Aus diesen Fehlern wolle man lernen, so der Planungsdezernent.

„Natürlich ist es ein Kampf gegen Windmühlen!“ - Mike Josef, Planungsdezernent

Josef betonte über den Abend hinweg, dass er die Sorgen und Anregungen wahrnehme, sie in die Planung, die derzeit noch nicht konkret begonnen habe, aufnehme und auch den Bürgerdialog nicht scheue. Dennoch müsse er irgendetwas gegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum tun: „Natürlich ist es ein Kampf gegen Windmühlen!“ Unter den weit über hundert Gebieten, die sich die Stadt angeschaut habe, sei dieses nun einmal das Beste, auch dank einer günstigen Verkehrsanbindung. Sämtliche Aspekte werden jetzt jedoch detailliert geprüft, so Josef.

Kein Vertrauen in die Stadt

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Viele der anwesenden Bürger schienen ihm jedoch nicht zu vertrauen und fühlten sich stattdessen nicht ernst genommen, abgehängt und unbeachtet, was man Zwischenrufen und Kommentaren entnehmen konnte. Deutlich wurde, dass es bei der Unzufriedenheit um viel mehr als nur den neuen Stadtteil geht. Das Vertrauen vieler in die Durchsetzung von Bauprojekten scheint gering. Allgemeiner Ärger über den Zustand des ÖPNV, zu viel Lärm und einen „schlimmen Zustand“ des Westrings spielen, den Fragen und Vorwürfen der Anwesenden zufolge, ebenfalls eine Rolle. Zudem kam die Frage auf, warum denn ausgerechnet dieses Gebiet als neuer Stadtteil herhalten müsse. Einige äußerten die Vermutung, dass man es mit ihnen ja machen könne, in anderen Gebieten gebe es Leute mit mehr Einfluss.

Aber nicht alle im Saal waren gegen den neuen Stadtteil, manch einer wollte sich einfach nur informieren. Ein älterer Herr sagte zwischendurch sogar kopfschüttelnd, dass Josef ihm leid tue. Der Planungsdezernent dürfte nun einen anstrengenden Abend hinter sich haben, der in seiner Art vermutlich nicht der letzte war.

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