Warum wird es in Frankfurt immer heißer?

In der vergangenen Woche hieß es in Frankfurt: Schwitzen, schwitzen und nochmal schwitzen. Ende Juni wurden mehrmals Spitzentemperaturen von bis zu 40 Grad gemessen. Warum es in Frankfurt immer ein paar Grad wärmer ist.

Warum wird es in Frankfurt immer heißer?

Ganz Deutschland hat die Hitze der vergangenen Tage zum Schwitzen gebracht - und auch in Frankfurt hat das Thermometer mehrfach an der 40-Grad-Marke gekratzt. Noch ein paar Grad wärmer als in anderen Städten scheint es in Frankfurt und Umgebung immer wieder zu sein. Und das hat verschiedene Gründe.

Einer davon: Frankfurt liegt in einer Region, die schon immer wärmer war als anderswo in Deutschland - das weiß auch Karsten Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

„Das Rhein-Main-Gebiet und der Oberrheingraben zählen schon immer zu den wärmsten Regionen Deutschlands.“ - Karsten Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes

„Das Rhein-Main-Gebiet und der Oberrheingraben zählen schon immer zu den wärmsten Regionen Deutschlands“, so Friedrich. Somit wurde auch im Jahre 1947 der bisherige Juni-Rekord mit 38,5 Grad Celsius in Baden-Württemberg gemessen. Am letzten Juni-Mittwoch wurde dieser jedoch an den Stationen Coschen (Brandenburg) und Bad Muskau (Sachsen) mit jeweils 38,6 Grad Celsius übertroffen.

Das ist aber nicht der einzige Grund. Ganz grundsätzlich heizen sich Städte wie Frankfurt bei hohen Temperaturen auf - mehr als beispielsweise weniger dicht bebaute Gegenden.

Und auch der Klimawandel tut sein übriges. Der bedeutet aber nicht einfach, dass es heiß wird, stellt Friedrich vom DWD klar. „Hohe Temperaturen haben nicht zwangsläufig etwas mit Klimawandel zu tun“, sagt er. „Die neue Qualität ist die Häufigkeit des Auftretens solcher Ereignisse.“ In der Vergangenheit noch eine Seltenheit gewesen, beobachte man in den letzten Jahrzehnten jedoch ein wiederholtes Auftreten dieser Zustände. Dies sei genau das, was den Klimawandel ausmache.

Das Klima ist aus dem Gleichgewicht

Für ein stabiles Klima müssen sich die in den Weltraum reflektierte Wärmestrahlung und die auf der Erde ankommende Sonnenstrahlung gegenseitig ausgleichen. Ist dieses Verhältnis nicht mehr im Gleichgewicht, verändert sich das Klima.

Zudem befinden sich in der Atmosphäre sogenannte Aerosole - kleine schwebende Teilchen oder Tröpfchen - die beispielsweise durch Vulkanausbrüche entstehen. Auch sie reflektieren die Sonnenstrahlung. Dabei kommt es darauf an, wie die Erdoberfläche beschaffen ist. Weil der Mensch durch Bebauung, Landwirtschaft und die Rodung von Wäldern die Landoberfläche verändert, beeinflusst er damit auch das Klima.

Abgesehen davon stellen die Treibhausgase einen schwerwiegenden Faktor dar. Dazu gehören die Gase Kohlendioxid, Methan und Lachgas, die der Mensch seit der Industrialisierung täglich generiert. Diese Gase verringern den in den Weltraum abgegebenen Anteil der Wärmestrahlung und sorgen dadurch auch für die Erwärmung des Klimas.

In Zukunft wird das Wetter noch extremer

Das Umweltbundesamtes vermutet, dass Temperaturextreme zukünftig zunehmen und Hitzeperioden häufiger und für längere Zeit auftreten werden. In vielen Regionen der Welt sei eine Verzehnfachung der Anzahl heißer Tage mit einer Maximaltemperatur von 30 Grad Celsius vorstellbar.

„Monatliche Hitzerekorde auf der ganzen Welt treten heute fünfmal häufiger auf, als es bei einem stabilen Klima der Fall wäre.“ - Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

„Monatliche Hitzerekorde auf der ganzen Welt treten heute fünfmal häufiger auf, als es bei einem stabilen Klima der Fall wäre“, sagt Stefan Rahmstorf, Co-Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). So habe Indien kürzlich Temperaturrekorde von über 50 Grad Celsius verzeichnet. Eine Kombination von heißen und trockenen Bedingungen könne regional unter Umständen zu Wasserknappheiten und Ernteausfällen führen.

„Aus ein paar warmen sonnigen Tagen können mit der Veränderung der atmosphärischen Zirkulation gefährliche Hitzewellen werden.“ - Dim Coumou,IVM, Vrije Universiteit Amsterdam und PIK

„Aus ein paar warmen sonnigen Tagen können mit der Veränderung der atmosphärischen Zirkulation gefährliche Hitzewellen werden“, warnt auch Dim Coumou, vom IVM, der Vrije Universiteit Amsterdam und dem PIK. Stefan Rahmstorf ist sich sicher: „Nur eine rasche Reduzierung der Nutzung fossiler Brennstoffe und damit der CO2-Emissionen kann eine weitere verheerende Zunahme der Wetterextreme verhindern, die mit dem menschgemachten Klimawandel zusammenhängen."

Gibt die Klimabilanz 2018 Hoffnung?

Das Umweltbundesamt berichtete im April 2019 über die erste Prognoseberechnung zur Klimabilanz des vergangenen Jahres. 2018 wurden demnach 4,5 Prozent weniger Treibhausgase als im Vorjahr freigesetzt. Dies verzeichnet die erste nennenswerte Reduzierung im Vergleich zum Vorjahr nach insgesamt vier Jahren. Seit 1990 hat Deutschland seine Emissionen um insgesamt 30,8 Prozent gesenkt. Den Richtlinien der Bundesregierung zufolge müssen die Werte bis 2030 jedoch um mindestens 55 weitere Prozent gesenkt werden.

Auf dieser Website der PIK könnt Ihr das Klima gezielt in Eurer Region verfolgen.

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