OB Feldmann zur Hauptbahnhof-Tat: „Ein Schatten über der Stadt“

Der tödliche Angriff auf einen achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof bewegt seit Montagvormittag ganz Deutschland. Mehrere Politiker haben sich zu der grausamen Tat geäußert. Auch die Staatsanwaltschaft hat Neuigkeiten.

OB Feldmann zur Hauptbahnhof-Tat: „Ein Schatten über der Stadt“

Was am Montagvormittag um kurz vor 10 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof passiert ist, erschütterte ganz Deutschland: Ein 40-jähriger Mann stieß eine Mutter und ihr Kind vor einen einfahrenden Zug. Während sich die Mutter im letzten Moment retten konnte, wurde ihr achtjähriger Sohn überrollt und getötet (wir berichteten).

Der Täter flüchtete zunächst, konnte aber von Passanten verfolgt und schließlich von der Polizei festgenommen werden. Er befindet sich in Gewahrsam, das Motiv ist laut Staatsanwaltschaft noch unklar. Ermittelt wird wegen Mordes und versuchten Mordes. Wie die Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen mitteilte, soll der Mann noch am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

„Widerspricht allem, wofür Frankfurt steht“

Vor allem in Frankfurt hat die Tat Spuren hinterlassen. Noch am Montagabend trafen sich mehrere Menschen zu einer Mahnwache im Hauptbahnhof, am Dienstagabend lädt die Bahnhofsmission zur öffentlichen Andacht für das Opfer. Los geht es um 18:30 Uhr nahe Gleis 7. „Es fällt schwer, zu fassen, was einen Menschen zu einer solchen Tat treibt“, sagte Prodekanin Ursula Schoen von der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach. „In Stille und Gebet wollen wir unserer Ratlosigkeit Ausdruck geben und am Leid der Angehörigen Anteil nehmen. Wir fühlen uns darin auch mit allen verbunden, die gestern am Frankfurter Hauptbahnhof Zeugen dieses Todes wurden.“

„Es ist nicht zu ermessen, welches Leid mit dem Tod des Jungen über die Familie gebracht wurde“ - Peter Feldmann, Oberbürgermeister von Frankfurt

Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann hat sich an die Öffentlichkeit gewandt. „Es ist nicht zu ermessen, welches Leid mit dem Tod des Jungen über die Familie gebracht wurde, welch unermesslicher Schmerz. Den Angehörigen gilt mein tief empfundenes Beileid“, sagte Feldmann am Montagabend. Was man bisher über die Tat wisse, widerspreche allem, wofür Frankfurt steht. „Wir Frankfurter stehen zusammen, wir haken uns unter, wir helfen selbstlos Menschen, wir retten sie aus der Not und sind füreinander da — auch an Tagen wie heute, wo ein Schatten über der Stadt liegt.“

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier äußerte sich am Montagabend in Wiesbaden zu dem Vorfall. „Der Tod eines Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof erschüttert mich“, sagte er. „Es macht fassungslos, dass Mutter und Kind vor einen einfahrenden Zug gestoßen wurden.“ Die Aufklärung der abscheulichen Tat liege jetzt in den Händen der zuständigen Behörden. „Ich spreche der Familie mein tief empfundenes Mitgefühl aus.“

Seehofer will am Dienstag an die Öffentlichkeit gehen

„Ich verurteile diese entsetzliche Tat auf das Schärfste“ - Horst Seehofer, Innenminister

Innenminister Horst Seehofer brach am Montag indes seinen Urlaub ab — unter anderem wegen der Tat am Frankfurter Hauptbahnhof. „Ich verurteile diese entsetzliche Tat auf das Schärfste“, so Seehofer in einer Stellungnahme. „Ich wünsche den Angehörigen und Freunden des getöteten Jungen in dieser schweren Stunde die notwendige Kraft, um mit diesem schlimmen Ereignis umzugehen.“

Er nehme zur Kenntnis, dass in Teilen der Öffentlichkeit bereits jetzt eine Bewertung des Sachverhalts vorgenommen werde. „Dies ist seriös aber erst möglich, wenn die Hintergründe aufgeklärt sind“, so Seehofer. Er werde das Land Hessen bei der Aufarbeitung der Tat unterstützen.

Angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit — vor kurzem wurde im nordrhein-westfälischen Voerde eine Frau vor eine Bahn gestoßen — werde er seinen Urlaub unterbrechen. Nach einer Krisensitzung mit den Chefs seiner Sicherheitsbehörden wolle er noch am Dienstag die Öffentlichkeit informieren. Die Pressekonferenz dazu ist auf 15 Uhr angesetzt. (ts)

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