Römerberg-Bündnis warnt vor rechtsradikalen Tendenzen

Banner mit der Aufschrift „Hessen wählt buntgemustert statt kleinkariert“ werden in den kommenden Tagen vor fünf Frankfurter Brücken hängen. Damit soll dafür gesorgt werden, dass in Frankfurt Vielfalt und gegenseitige Achtung weiterhin gelebt werden.

Römerberg-Bündnis warnt vor rechtsradikalen Tendenzen

„Wir wollen unsere Stadt vor dem schützen, was im deutschen Osten und bis in die bürgerliche Mitte salonfähig geworden ist - nämlich diskriminierend zu denken“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Montagmorgen bei der Vorstellung der neuen Kampagne des Römerbergbündnisses. Die Interessenvertretung wird nach eigenen Aussagen immer dann laut, wenn es einen rechtsradikalen Trend in der Gesellschaft wahrnimmt.

Dabei soll allerdings nicht gegen eine Partei gehetzt, sondern für demokratische Werte und Menschenrechte geworben werden. Dafür werden in den kommenden Tagen große Banner an fünf Frankfurter Brücken aufgehängt. Dies soll die Bereitschaft zum Brückenbauen zwischen verschiedensten sozialen und ethnischen Gruppen zeigen. Zudem verteilt das Bündnis 10.000 Karten mit der Aufschrift „Hessen wählt buntgemustert statt kleinkariert“.

Demokratie als ein Prozess und kein gesicherter Zustand

„Demokratische Werte müssen immer wieder neu erkämpft werden“, sagt Achim Knecht, Stadtdekan der Evangelischen Kirche in Frankfurt. „Man kann sich nicht darauf ausruhen.“ Der Stadtdekan sieht zudem Parallelen zwischen der derzeitigen Entwicklung der politischen Einstellung vieler Menschen und dem schleichenden Aufstieg der Nationalsozialisten in den Dreißigerjahre.

„Wir und die anderen, mit dieser Unterscheidung fängt es bereits an.“ - Vanessa Lehr, Frankfurter Jugendring

Gegenwärtig verschwimmen laut Knecht wieder die Grenzen zwischen Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und konservativen Einstellungen. „Wir und die anderen, mit dieser Unterscheidung fängt es bereits an“, sagt Vanessa Lehr, Vorsitzende des Frankfurter Jugendrings. Dieses gefährliche Abwerten sei niedrigschwellig, das solle klarer vermittelt werden.

„Spieler des jüdischen Sportvereins werden auf dem Platz beleidigt.“ - Jennifer Marstätter, Jüdische Gemeinde Frankfurt

Gerade in der jetzigen Situation. Denn die Hemmungen, sich diskriminierend zu verhalten, seien gesunken. Dies bestätigt die Direktorin der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Jennifer Marstätter. Beschimpfungen und Anfeindungen gegen Juden haben laut Marstätter in den vergangenen Jahren in Frankfurt gewaltig zugenommen. „Spieler des jüdischen Sportvereins werden auf dem Platz beleidigt“, erzählt die Direktorin. Sie plädiert: „Die anstehende Landtagswahl entscheidet, welche Werte weiterhin erhalten bleiben.“

Soziale Probleme nicht nur ansprechen, sondern Lösungen finden

Und diese Werte sollen, wenn es nach den Mitgliedern des Römerbergbündnisses geht, Achtung, Barmherzigkeit und inklusive Solidarität sein, die sich auf alle Menschen beziehen. Das heiße keinesfalls, dass man die von vielen rechtsradikalen Gruppen angesprochenen sozialen Probleme ignorieren sollte, sagt Philipp Jacks, Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Frankfurt Rhein-Main. „Diese Probleme gibt es, aber rechtsradikale haben darauf noch nie sinnvolle Lösungen gegeben.“ Das Bündnis wolle dazu aufrufen, sich vor der Wahl genau über die Wahlprogramme zu informieren und sich über mögliche Konsequenzen der Wahl bewusst zu sein.

„Wir haben erst in einem langen Prozess lernen müssen, dass Lebendigkeit und Vielfalt gut sind.“ - Johannes zu Eltz, Stadtdekan Katholische Kirche

Dabei gehe es nicht darum, die regierenden Parteien zu verteidigen, sondern ausschließlich die Demokratie, betont Jacks. Frankfurt habe schon immer von Vielfalt profitiert, sagt Feldmann. „Wir haben auch erst in einem langen Prozess lernen müssen, dass Lebendigkeit und Vielfalt gut sind“, sagt der Stadtdekan der Katholischen Kirche, Johannes zu Eltz, abschließend. Sich die eigenen Fehler einzugestehen, sich zu bessern und dann für demokratische Werte einzustehen, sei wichtig. Daran sollen die Banner erinnern.

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