Gründe für die Fällarbeiten im Enkheimer Wald

Vor Kurzem wurden im Enkheimer Wald ein Großteil der dortigen Bäume gefällt. Merkurist erklärt, was dahinter steckt und wie es mit dem Wald weitergehen soll.

Gründe für die Fällarbeiten im Enkheimer Wald

In den Wäldern bei Bergen-Enkheim sieht es leerer aus denn je. Bereits bei der Waldbegehung im Februar mit Förster Roman Brunner wurden die anstehenden Fällarbeiten angekündigt. Die Waldfläche bei Bergen-Enkheim umfasst etwa 200 Hektar, auf denen größtenteils 100 Jahre alte Kiefern, Douglasien und Fichten sowie viele Eichen stehen. Davon sollen rund 70 Prozent der Bäume gefällt werden.

Schädlingsbefall und Trockenheit

Grund für die Fällarbeiten seien die extremen Wetterbedingungen der vergangenen zwei Jahre. Im Jahr 2017 regnete es so stark, dass der Grundwasserspiegel anstieg und sämtliche Wurzeln für längere Zeit unter Wasser standen. Das erklärte Brunner gegenüber der FAZ bei der Waldbegehung im Februar. Auf diese Weise faulten die Wurzeln ab, sodass die Bäume keine Wasserzufuhr in der extremen Hitze des Sommers 2018 hatten. Dieser galt als der heißeste und trockenste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als 130 Jahren, heißt es im Waldzustandsbericht 2018 des Grünflächenamtes.

In einem solchen Zustand sei das Holz besonders anfällig für Schädlinge und Pilze. So wurden auch die Bäume in Bergen-Enkheim vom Diplodia-Pilz und den Borkenkäfern befallen. Die Käfer vermehrten sich vor allem an kranken Bäumen schnell, sodass das kranke und tote Holz so schnell wie möglich aus dem Wald entfernt werden müsse.

Tiere zunächst unberührt

In den betroffenen Wäldern leben Vögel, Rehe, Fledermäuse und Wildschweine. Für diese sollen zunächst keine Probleme entstehen. Durch den lichten Wald werden vor allem mehr Hecken wie Brombeersträucher erwartet, die vor allem für die Rehe von Vorteil sein werden. Die Höhenbäume sind geschützter Lebensraum für Vögel und werden bei den Arbeiten nicht angerührt.

Folgeprobleme unvermeidbar

Aber es wird Folgeprobleme geben. Da viele Wälder von den Wetterextremen betroffen sind, haben auch Rodungsunternehmen alle Hände voll zu tun und sind bereits voll ausgelastet, heißt es in einem Bericht der Frankfurter Rundschau. Zudem sei der Holzmarkt mit dem „zweite Klasse Holz“ Kiefer überlaufen. Bleibt es weiter so trocken, fehle der Bauindustrie bald Holz und so schnell könne man nicht wieder aufforsten, sagte Brunner bei der Waldbegehung laut FNP. Die Natur brauche einen wochenlangen Landregen, um sich langsam wieder erholen zu können. Wenige Kiefern und Douglasien sehen noch gesund aus und geben Hoffnung auf ein Fortbestehen. Obwohl sich Eichen und Kiefern grundsätzlich auf natürlichem Wege ausbreiten, soll dabei nochmal nachgeholfen werden. Bereits im vergangenen Jahr wurden viele Eicheln aus dem Bestand zur Anzucht gegeben.

Auch andere Wälder betroffen

Doch nicht nur der Enkheimer Wald ist von diesen Wetterbedingungen betroffen: Wälder in ganz Hessen leiden durch die vergangenen Wetterextreme. So sind auch im Frankfurter Stadtwald 94 Prozent aller Bäume von Dürreschäden betroffen. Knapp die Hälfte davon weisen mittelstarke bis starke Schäden auf. Dafür plant der Stadtforst in den Aufforstungsarbeiten Bäume zu setzen, die mit weniger Wasser auskommen. (nm)

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