Wie Roofer unentdeckt auf den Frankfurter Messeturm klettern konnten

Ende Mai kletterten Roofer unentdeckt auf die Spitze des Messeturms, hissten dort eine Flagge. Auf YouTube sieht man die Aktion im Video. Was dahintersteckt und was die Verantwortlichen des Messeturms dazu sagen.

Wie Roofer unentdeckt auf den Frankfurter Messeturm klettern konnten

Rund 256 Meter hoch ragt der Messeturm über die Stadt, mit seiner gläsernen Pyramidenspitze ist Frankfurts zweithöchstes Hochhaus, auch gerne Bleistift genannt, ein wahrer Hingucker in der Skyline. Ende Mai jedoch erregte nicht die Pyramide selbst für Aufsehen, sondern das, was an ihr befestigt war. Roofer, also eine Gruppe Menschen, die auf Gebäude klettern, hatten den Turm unbemerkt erklommen und auf seiner Spitze eine Flagge gehisst.

All das haben die Verantwortlichen, die unter dem Namen BlurredMotion auftreten, in einem aufwendig produzierten YouTube-Video festgehalten. Seit Anfang Juli ist das Video online, wurde bislang rund 4000 Mal angesehen. Mit der Aktion wollen die Verantwortlichen vor allem eines erreichen: ein Zeichen setzen gegen die Ungleichheit, die entsteht, „wenn Geld zu viel Macht und Kontrolle einnimmt“, so BlurredMotion gegenüber Merkurist.

Warum der Messeturm ausgesucht wurde

Darauf deutet schon der Titel des Videos hin: „Enjoy capitalism“ heißt der Clip, im Video zerreißt einer der Roofer auf dem Messeturm ein Plakat mit demselben Spruch. Grafisch angelehnt ist das Plakat an das Logo von Coca Cola. „Der Getränke-Riese steht dabei stellvertretend für die großen internationalen Firmen mit ihren übergroßen Profiten“, erklärt BlurredMotion. Wenn es auf der einen Seite große Gewinner von Globalisierung und Kapitalismus gebe, gebe es auf der anderen Seite auch Verlierer. „Je mehr Geld fließt, je stärker große Konzerne ihre Macht ausweiten, desto perverser wird das ganze.“

„Was würde sich also besser eignen, als eine Fahne über der Pyramidenspitze zu hissen?“ - BlurredMotion

Dass der Messeturm im Mittelpunkt der Aktion stand, war laut dem Kollektiv kein Zufall. Immerhin sei der Turm Standort vieler großer und international tätiger Unternehmen. Außerdem stehe der Turm mit seiner eigenen Postleitzahl, dem eigenen U-Bahn-Zugang und dem geplanten 100-Millionen-Euro-Umbau für „genau dieses Ausmaß von Geldfluss“, so BlurredMotion. Auch die gläserne Pyramide auf dem Dach könne sinnbildlich für die Macht- und Geldverteilung stehen. „Was würde sich also besser eignen, als eine Fahne über der Pyramidenspitze zu hissen?“, fragen die Verantwortlichen.

Der Weg auf die Pyramide

Der Weg auf die Spitze des Messeturms sei mit viel Recherchearbeit verbunden gewesen. „Letztendlich wussten wir genau, wie wir gehen mussten, um auf die Spitze zu gelangen“, so BlurredMotion. „Es war nicht leicht, doch mit genug Planung ist vieles möglich.“ Oben angekommen wurde dann die Fahne befestigt.

Lang hing die Flagge allerdings nicht auf der Spitze des Messeturms. „Die Fahne wurde bereits am Folgetag entfernt“, so BlurredMotion. „Auch hier zeigt sich wieder deutlich, dass Geld sozusagen keine Rolle spielt und man für das ‘saubere’ Image sofort Industriekletterer mobilisiert hat.“

Roofing-Aktion hat Folgen

„Wir lehnen diese Form der Aktion ab, denn sie ist lebensgefährlich und gefährdet auch Unbeteiligte.“ - Sprecher des Messeturms

Dass die Flagge schnell entfernt wurde, bestätigt auch ein Sprecher des Messeturms auf Anfrage von Merkurist. „Auf die Flagge wurden wir durch Hinweise aus der Nachbarschaft aufmerksam“, so der Sprecher. Es sei allerdings nicht das erste Mal gewesen, dass Roofer unerlaubt auf den Turm geklettert seien - Vorfälle, die bei den Verantwortlichen des Messeturms nicht gut ankommen. „Wir lehnen diese Form der Aktion ab, denn sie ist lebensgefährlich und gefährdet auch Unbeteiligte“, so der Sprecher.

Die Folgen? Gegen die Roofer habe man Anzeige erstattet, so der Sprecher des Messeturms. Die Flagge sei in dem Zusammenhang von der Polizei einbehalten worden. Auch Konsequenzen in punkto Sicherheit hatte der Vorfall: „Wir haben das Ereignis zum Anlass genommen, unsere Sicherheitsmaßnahmen einer umfassenden außerplanmäßigen Überprüfung zu unterziehen.“ Einzelheiten dazu könne man aus Sicherheitsgründen allerdings nicht mitteilen. (nl)

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