Initiative kämpft gegen unwürdige Arbeitsbedingungen auf Baustellen

Illegale Beschäftigungsmodelle, Lohn-Dumping und Schwarzarbeit. Auf Baustellen herrschen oft raue Arbeitsbedingungen, auch im Rhein-Main-Gebiet. Eine Initiative soll dem entgegenwirken. Wir stellen sie Euch vor.

Initiative kämpft gegen unwürdige Arbeitsbedingungen auf Baustellen

Lohn- und Preisdumping sind auf Baustellen meist an der Tagesordnung. Viele Anbieter umgehen gesetzliche Regelungen, auf Kosten ihrer Arbeiter. Diese sehen sich häufig mit Lohnausfall und fehlenden Sozialleistungen konfrontiert, berichtet der Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main, Felix Diemerling. Mit der „Initiative Faires Handwerk“ will er dem nun gemeinsam mit Unterstützern gegensteuern.

Unwürdige Arbeitsbedingungen

Felix Diemerling will ein Zeichen gegen die oftmals unwürdigen Arbeitsbedingungen setzen. „Wir haben in den letzten Jahren eine Entwicklung auf dem Markt bemerkt, die sehr beunruhigend ist“, sagt Diemerling. Auf Frankfurter Baustellen hat er, zumeist osteuropäische Arbeiter gesehen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen gearbeitet und gelebt haben. Darunter „skrupellose Anbieter, die Arbeiter als Scheinselbstständige für Hungerlöhne arbeiten und diese zudem auf engstem Raum in Containern auf den Baustellen hausen lassen“, so Diemerling.

Seit 2012 geht seine Initiative gegen dubiose Anbieter vor. Bereits 650 Abmahnungen hat es in den vergangenen Jahren gegeben und damit es nicht zu Wiederholungstaten kommt, werden die Betriebe zu einer Unterlassungserklärung verpflichtet und regelmäßig von der Initiative kontrolliert.

Gerechter Lohn für gerechte Arbeit

„Es kann nicht nachhaltig sein, wenn ein Arbeiter 3 Euro pro Stunde für seine Arbeit bekommt“ - Felix Diemerling, Initiative Faires Handwerk

„Es kann nicht nachhaltig sein, wenn ein Arbeiter 3 Euro pro Stunde für seine Arbeit bekommt“, so Diemerling. Die Stadt Frankfurt begrüßt die Initiative und erfreut sich der positiven Resonanz, vor allem die Initiative auch gewerkeübergreifend aufzustellen und weitere Innungen miteinbezieht. „So eine Initiative tut unserer Stadt gut. Vor allem die verschiedenen Innungen zusammenzubringen, dass ist das, was die Verbraucher auch wollen“, sagt Markus Frank (CDU), Wirtschaftsdezernent der Stadt Frankfurt.

Viel Potenzial für das Handwerk

Bei den Gewerken kommt die Initiative positiv an. „Mich freut solch eine Initiative und ich werde sie an die Betriebe weitertragen, ich sehe darin auch viel Potenzial“, sagt Harald Link von der Glaser-Innung Frankfurt.

„Solch eine Initiative bringt uns im Handwerk gemeinsam weiter“ - Herr Link, Glaser-Innung Frankfurt

„Außerdem bringt uns solch eine Initiative im Handwerk gemeinsam weiter“, so Link. Dennoch müssen die Kriterien auf die einzelnen Gewerke angepasst und klarer definiert werden. „Ich finde die Initiative sehr sympathisch und dass nun auch gewerkeübergreifend gedacht wird, begrüße ich sehr. Trotzdem müssen hier aber auch zusätzliche Kriterien für die unterschiedlichen Innungen bedacht beziehungsweise festgelegt werden“, sagt Horst-Dieter Deusser von der Zahntechniker-Innung Rhein-Main.

Billig kann teuer werden

Auftraggeber die bewusst oder unbewusst mit illegalen Anbietern Aufträge abwickeln, haben hohe Haftungsrisiken und bleiben im Gewährleistungsfall oftmals auf dem Schaden sitzen. Hierunter fallen zum Beispiel Beschäftigungen von Subunternehmer-Ketten die gesetzliche Regelungen und somit Mindestlöhne, Sozialabgaben und Steuern umgehen.

„Betriebe die ehrlich und ordentlich arbeiten, sollen auch benannt werden.“ - Felix Diemerling, Initiative Faires Handwerk

Falls es zu Schäden und Unfällen auf den Baustellen kommt, tragen die Auftraggeber die Kosten. Denn „eine Gewährleistung, wie sie bei ehrlichen Handwerksbetrieben üblich ist, gibt es bei dubiosen Anbietern nicht“, sagt Diemerling. In einer Selbstverpflichtungserklärung versichern teilnehmende Betriebe, ausschließlich ihre eigenen Arbeiter auf Baustellen einzusetzen und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. „Betriebe die ehrlich und ordentlich arbeiten, sollen auch benannt werden“, so Diemerling. Zudem ist die Unterzeichnung der Erklärung ein Garant dafür, dass der Betrieb fair und seriös arbeitet.

Bereits 41 Betriebe im Rhein-Main-Gebiet haben sich der Initiative angeschlossen und dabei soll es nicht bleiben. Zwar gibt es bereits das Siegel „100 Prozent faires Handwerk“, was die Betriebe zur Einhaltung des Mindestlohn, zur Abgabe an die Sozialkassen sowie zu Arbeits- und Datenschutz verpflichtet, dennoch müsse an einem gemeinsamen und einheitlichem Logo gefeilt werden. „Ein gemeinsames Logo für alle Gewerke ist unverzichtbar, denn so werden wir gesellschaftlich wahrgenommen“, so Deusser. (lo)

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