Mit diesen Lücken müssen die Radfahrer in Frankfurt leben

Plötzlich endende Radwege oder Autos, die den Radweg blockieren - das Radfahren in der Stadt kann zu einer Herausforderung werden. „Würdest du hier dein Kind zur Schule fahren lassen?“, fragt die Initiative „Radentscheid“.

Mit diesen Lücken müssen die Radfahrer in Frankfurt leben

Vom Westhafen in die Innenstadt radeln - das ist nicht so gemütlich, wie es sich anhört. Kaum um die Ecke in die Speicherstraße gebogen, hört der zuvor sehr schmal vorhandene Fahrradweg plötzlich auf und man findet sich vor Autos mit drängelnden Fahrern wieder. Die Konsequenz: Absteigen und das Rad zu Fuß über die Straße auf die andere Seite schieben. Dort wieder aufsteigen, nur um ein paar Meter weiter wieder abzusteigen. Wo bitte ist dort ein Fahrradweg und wie gelangt man auf die rechte Fahrseite der B44?

„Das ist reinstes Überlebenstraining.“ - Patricia, Leserin

Unzufrieden fährt man dann gezwungener Weise auf dem Gehweg weiter. Den Hauptbahnhof erreicht, geht es über die Münchner Straße weiter. Dort aufmerksam zwischen Straßenbahn und ausparkenden Autos einordnen, nur um an der Kreuzung zum Willy-Brandt-Platz nicht mehr zu wissen, wo man denn nun als Fahrradfahrer am besten weiterfährt - von einem roten Fahrradweg ist weit und breit nichts zu sehen. Leserin Patricia bezeichnet dies als „reinstes Überlebenstraining“.

„Ich fahre seit 15 Jahren erfolgreich unfallfrei durch Frankfurt.“ - Henning, Leser

Leser Henning sieht das anders: „Ich fahre seit 15 Jahren erfolgreich unfallfrei durch Frankfurt. Nicht ein einziges Mal war ich in einer ernsthaft kritischen Situation, die ich nicht durch eigenes Bremsen hätte entschärfen können.“ Laut der Unfallstatistik der Polizei hat es 2016 knapp 1200 Verkehrsunfälle gegeben, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren. Drei Menschen starben bei einem Unfall. Allgemein gab es dennoch weniger schwerverletzte und dafür mehr leichtverletzte Radfahrer. Bei fast der Hälfte der Unfälle lag der Fehler beim Autofahrer, so Polizeisprecher Manfred Füllhardt. Diese haben entweder beim Abbiegen den Radfahrer nicht beachtet oder ihm die Vorfahrt genommen. War der Radfahrer selbst verantwortlich für den Unfall, so fuhr er auf der Fahrbahn in die falsche Richtung oder stand unter Drogen- oder Alkoholeinfluss.

Sie fordern eine bessere Infrastruktur für Fahrradfahrer

Verfechter des Radverkehrs wollen die Fahrt mit dem Rad mit dem Ausbau der Infrastruktur sicherer gestalten. „In vielen Teilen ist die Frankfurter Radverkehrsinfrasturktur noch geprägt durch die sechziger und siebziger Jahre, als Radverkehr bestenfalls am Rande leistungsfähiger Autopisten geduldet wurde“, sagt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Frankfurt (ADFC) in seinem verkehrspolitischen Programm. „An vielen Orten in Frankfurt fährt im Moment nur sicher Rad, wer sich sehr selbstbewusst seinen Raum auf der Straße nimmt und sich nicht einschüchtern lässt“, so Jens Breit, Softwareentwickler. Er unterstützt deshalb die Initiative „Radentscheid“.

„Radwege sind oft nur da, wo noch Platz übrig geblieben ist.“ - Initiative Radentscheid

Die Gruppe strebt einen Bürgerentscheid an, mit dem mehr für den Fahrradfahrer in der Stadt getan werden soll. „Radwege sind oft nur da, wo noch Platz übrig geblieben ist“, heißt es vonseiten der Initiative. Das soll sich mit den acht Forderungen von „Radentscheid“ ändern.

So fordert die Initiative unter anderem sichere Radwege für alle - auch für Kinder und Senioren. Diese sollen breit mit einem leicht befahrbaren Belag und ohne Unterbrechung sein. Innerstädtische Fahrradtrassen sollten errichtet werden, die sich in ihrem Verlauf an den Pendlerströmen orientieren und vor allem auf dem City- und Anlagenring auf der bisherigen Fahrbahn entstehen sollen. Auch Kreuzungen sollen fahrradfreundlich umgestaltet werden. „Nach jedem schweren Unfall mit Fußgänger- oder Fahrradbeteiligung, bei dem die Gestaltung einer Kreuzung zu den Ursachen gezählt wird, erfolgt eine Beseitigung der Gefahren“, so eine Forderung des Radentscheids. Auch mehr Fahrradabstellplätze soll es geben, sowie Polizisten der Städtischen Verkehrspolizei, die Regelverstöße konsequent ahnden.

Falschparker als größte Gefahr

Als größte Gefahr für die Radfahrer sieht Susanne Neumann, Sprecherin des ADFC, allerdings die Falschparker. Autofahrer, die ihr Fahrzeug auf den Radwegen parken, seien ein aktuelles Ärgernis. „Dieses Problem wurde in der Vergangenheit mehrfach an städtische Verkehrspolizei und auch Schutzpolizei adressiert, ohne dass diese spürbar tätig geworden sind“, so Neumann. Ein Beispiel für einen unnutzbaren Fahrradweg sei die Obermainanlage.

„Das Radverkehrsnetz weist noch zahlreiche 'Lücken' auf.“ - Dan Orbeck, Sprecher Verkehrsdezernat

Die Stadt selbst sagt, dass sie an einer Verbesserung der Radinfrastruktur arbeite. Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr solle in den kommenden Jahren deutlich gesteigert werden - so stünde es im Koalitionsvertrag, sagt Dan Orbeck von Verkehrsdezernat. Dabei solle der Radverkehr sicher und konfliktfrei geführt werden können. Dass dafür noch viel zu tun ist, darüber ist sich auch die Stadt bewusst. „Das Radverkehrsnetz weist noch zahlreiche 'Lücken' auf“, sagt Orbeck. Diese sollen nach und nach geschlossen werden.

Zudem sollen Radwege in den nächsten Jahren flächendeckend ausgeschildert werden. 2018 ist dies für die Stadtteile Schwanheim, Flughafen, Sossenheim, Griesheim, Nied, Gutleutviertel, Gallus, Rödelheim, Bockenheim, Hausen, Westhausen und Praunheim geplant. Weiter sieht die Stadt vor, Fahrradabstellanlagen - besonders an ÖPNV-Haltestellen - auszubauen, die Radwege-Benutzungspflicht aufzuheben und mehr Radschnellwege ins Umland zu konstruieren.

„Frankfurt kann in Sachen Infrastruktur für den Fahrradverkehr im Vergleich zu anderen deutschen Städten noch deutlich aufholen“, sagt Caroline Geissler, Sprecherin der Grünen Jugend. Deshalb unterstützt sie die Initiative Radentscheid. Die Gruppe wird ab dem 4. April Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln, mit dem dann ein Bürgerentscheid beantragt werden kann. Los geht es um 17:30 Uhr vor der Alten Oper, für 18:30 Uhr ist dann eine kleine Kundgebung am Römer geplant.

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