Aktionstag an der Hauptwache gegen sexuelle Ausgrenzung

Am 17. Mai 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. Heute feiert Frankfurt diesen Tag. Aber: Es gibt noch immer Unverständnis gegenüber der LGBTQ+ Gemeinschaft.

Aktionstag an der Hauptwache gegen sexuelle Ausgrenzung

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Homo-,Bi-, Inter*-, Trans*- & Asexuellenfeindlichkeit veranstaltet das „Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt“ am Freitag einen Aktionstag. Dieser soll mit einem bunten Programm in der Frankfurter Innenstadt gefeiert werden.

Diskriminierung bei Job- und Wohnungssuche

„Es ist leider so, dass man als nicht hetero-normativer Mensch auch heute noch damit rechnen muss, beschimpft zu werden.“ - Christian Gaa, Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt

Denn trotz der Fortschritte in den vergangenen Jahren und dem wachsenden Verständnis in der Mitte der Gesellschaft, sind solche Aktionstage wichtig, sagt Christian Gaa vom Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt. „Es ist leider so, dass man als nicht hetero-normativer Mensch auch heute noch damit rechnen muss beschimpft zu werden – als Schwuchtel, Lesbe, Transe oder als Perverser.“ Ebenso werde nicht mehr nur Gewalt angedroht, sondern in einigen Fällen in die Tat umgesetzt.

„Als gleichgeschlechtliches Paar ist beispielsweise die Wohnungssuche schwieriger." - Christian Gaa, Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt

Auch der ganz normale Alltag ist für Mitglieder der LGBTQ+ Gemeinschaft nicht einfach. Gaa berichtet, dass sich für gleichgeschlechtliche Paare mitunter auch die Wohnungssuche schwieriger gestaltet. Genauso stelle die Jobsuche oder die Beförderung im Job oftmals ein frustrierendes Erlebnis dar, weil man versteckte Diskriminierungen ertragen müsse. Dabei haben es queere Muslime und queere Flüchtlinge im Alltag besonders schwer. Sie seien Mehrfachdiskriminierungen ausgesetzt - sowohl von der deutschen Bevölkerung als auch vom eigenen Umfeld, erklärt Gaa.

Frankfurter sind prinzipiell offen, häufig fehlt das Wissen

Frankfurt hat prinzipiell den Ruf einer offenen und bunten Metropole. Das erkennt man nicht zuletzt daran, dass die Bürger gerne mit der Gay Community jährlich den Christopher Street Day (CSD) feiern. Insbesondere Frankfurter Jugendliche sind aufgeschlossen und interessiert, sagt Anne Ott von „SCHLAU Frankfurt“, einem ehrenamtlichen Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt. In Zusammenarbeit mit Schulen bietet SCHLAU Workshops für Schüler ab der achten Klasse an, um sie über queere Themen aufzuklären. „Bisher haben wir durchweg positive Erfahrungen mit den Schülern gemacht, weil sie einfach Lust haben, etwas dazuzulernen“, so Ott.

Außerhalb der Workshops seien die Erfahrungen aber unterschiedlich. Es gibt viele Interessenten, die etwas über die korrekte Anwendungsform von Begrifflichkeiten wie Transgender oder intersexuell erfahren möchten, erklärt Ott. Dennoch gebe es noch immer viele Menschen, die queeren Leuten feindlich gegenüberstehen. Dies äußere sich beispielsweise in komischen Blicken. Im Allgemeinen stellt sie aber eine positive Entwicklung fest: „Es bewegt sich schon in eine gute Richtung, aber es gibt noch viel zu tun.“

Ähnlicher Ansicht ist auch Gaa vom Bündnis Akzeptanz und Vielfalt. Er sieht noch viel Unwissen und Unverständnis unter den Frankfurtern. Um genau das abzubauen und in den Dialog mit den Frankfurtern zu treten, wird IDAHOBITA* auf der Hauptwache veranstaltet. Mit diesem Aktionstag soll ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Solidarität gesetzt werden: „Queeres Leben soll in Frankfurt sichtbar und alltäglich gegenwärtig werden“, so Gaa. (lo)

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