So kommt der neue HIV-Selbsttest in Frankfurt an

Seit fast drei Monaten ist der HIV-Selbsttest, den jeder zu Hause machen kann, nun auf dem Markt. Zeit also, um nachzufragen: Wie groß ist in Frankfurt der Bedarf daran?

So kommt der neue HIV-Selbsttest in Frankfurt an

Rund 13.000 Menschen in Deutschland, so Zahlen der Deutschen AIDS-Hilfe, wissen nichts von ihrer HIV-Erkrankung. Trotz der großen medizinischen Fortschritte, die inzwischen auf diesem Feld gemacht wurden – wie langfristige Therapien oder die Einführung von PrEP, einem vorbeugenden Medikament für HIV-negative Menschen – kann Aids auch 35 Jahre nach der ersten wissenschaftlichen Beschreibung im Jahre 1983 nicht geheilt werden. Seit Ende September ist nun ein neuer Test auf dem Markt, der helfen soll, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und einzudämmen: der Heimtest.

Frankfurt: Gute Infrastruktur für HIV-Erkrankte

Sonderlich gefragt ist er derzeit aber noch nicht. Die AIDS-Hilfe beispielsweise hat bisher keinen einzigen Selbsttest verkauft. „Wir haben den Eindruck, dass dieser Selbst- oder Heimtest kein allzu wichtiges Thema für eine Großstadt ist, sondern eher für den ländlichen Raum“, analysiert Carsten Gehrig, der Leiter des Fachbereichs Psychosoziales und Prävention der Frankfurter AIDS-Hilfe. „Schon vor der Einführung war die Infrastruktur in Frankfurt sehr gut.“

„Vor dem Test unbedingt das Zeitfenster von zwölf Wochen einhalten.“ Carsten Gehrig, Frankfurter AIDS-Hilfe

Die AIDS-Hilfe beispielweise hat mit Main-Test eine Beratungsstelle, bei der jeder anonym einen HIV-Test machen kann und zusätzlich fachliche Unterstützung bekommt. „Es gibt bei den Heimtests mehrere Gefahren“, erläutert Gehrig. „Die größte besteht darin, dass das Zeitfenster von zwölf Wochen nicht eingehalten wird. Wer sich zehn Wochen nach einer potentiellen Ansteckung testet, erhält ein negatives Ergebnis, das möglicherweise falsch ist.“ Dafür sind die Beratungsgespräche geeignet: Fachkundiges Personal stellt fest, ob der Zeitrahmen für den Test passt. „Außerdem kommen dabei oft andere Fragestellungen raus, die nicht direkt mit HIV, sondern mit Sexualität und Ängsten zu tun haben.“

Um geeignete Hilfestellung zu leisten, werden die Heimtests bei der AIDS-Hilfe Frankfurt nicht ohne vorheriges Gespräch verkauft. „Wir erklären, was bei einem möglichen reaktiven Ergebnis gemacht werden und an wen sich der Erkrankte wenden kann, damit sich niemand alleingelassen fühlt“, so Gehrig. Eine weitere Gefahr besteht zudem in der richtigen Handhabung des Selbsttests. „Man muss alle Schritte genau beachten, und genug Blut für den Test verwenden.“ Blut sehen, ein weiterer wichtiger Punkt: Das kann nicht jeder.

Bisher geringe Verkaufszahlen

Die Verkaufszahlen der Frankfurter Apotheken scheinen sich mit Carsten Gehrigs Einschätzung, dass die Heimtests in Frankfurt selbst kein allzu großes Thema sind, zu decken. Bei der Schwanen-Apotheke im Sandweg beispielsweise wurde bis dato noch kein einziger Test nachgefragt. Und auch die Eichwald Apotheke auf der Berger Straße, Partnerapotheke der Frankfurter AIDS-Hilfe, hat bisher erst vier Tests verkauft. „Nicht unerheblich sind die Preise für die Tests“, gibt die stellvertretende Leiterin Romy Mahler zu Bedenken. „Der Selbsttest von Ratiopharm kostet 35, der von Exacto 28 Euro, während es zumindest in Frankfurt anonyme und kostenlose, von Experten durchgeführte Tests gibt.“ Wie Gehrig vermutet sie, dass die Heimtests im dörflichen Raum auf größeren Anklang stoßen.

Auch in der Eichwald Apotheke werden die Kunden, die nach einem HIV-Test fragen, zuvor beraten. „Wir klären darüber auf, wie der Test zu handhaben ist und bereiten darauf vor, was man bei einer möglichen Erkrankung tun kann, nennen Praxen und natürlich die Frankfurter AIDS-Hilfe, damit das niemand alleine aussitzen muss“, erklärt Mahler.

Trotz aller Vorbehalte werten es Romy Mahler wie Carsten Gehrig als positives Zeichen, dass die Tests inzwischen so niedrigschwellig verfügbar sind und HIV Schritt für Schritt weiter entstigmatisiert wird. „Einige Drogerien bieten sie ebenfalls an“, sagt Gehrig. „Das wiederum sehe ich kritisch, weil das Personal nicht geschult darin ist, geeignete Beratung zu bieten.“ Dennoch: Je mehr getestet wird, desto mehr Positive können entdeckt werden.

Frankfurter Vorträge: „Mach’s dir selbst“ am 29. Januar im Nordend

Um weiter über den HIV-Heimtest aufzuklären, wird in der Reihe der „Frankfurter Vorträge“ am 29. Januar ab 19 Uhr in der bASIS im Hinterhaus der Lenaustraße 38 darüber gesprochen. Der Titel des Vortrags ist fast salopp: „Mach’s dir selbst.“ Schließlich soll das Thema so entspannt wie möglich vermittelt werden.gehr

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