Frankfurts ältestes Bauwerk - ein Stück Geschichte in Höchst

Die Justinuskirche ist mit ihren fast 1170 Jahren älter als alle anderen Bauwerke der Stadt, doch erstaunlich viele Frankfurter kennen sie nicht. Und das obwohl selbst Touristen extra für eine Besichtigung der Kirche in die Mainmetropole kommen.

Frankfurts ältestes Bauwerk - ein Stück Geschichte in Höchst

Die wenigsten Frankfurter kennen sie - und doch zieht die Justinuskirche als Frankfurts ältestes Bauwerk zahlreiche Besucher und Touristen aus aller Welt an. Den meisten Höchstern ist die Kirche durchaus ein Begriff, aber außerhalb des Stadtteils scheint sie unter den Frankfurtern weit weniger bekannt zu sein.

„Die Justinuskirche ist ein absolutes Highlight.“ - Elisabeth Lücke

Ein Verlust, wie Elisabeth Lücke meint. Die Historikerin bietet unter anderem Stadtführungen durch Höchst an. „Die Justinuskirche ist ein absolutes Highlight“, schwärmt sie.

In Frankfurt unterschätzt, aber international bekannt

Allgemein empfinde sie den Stadtteil Höchst als unterschätzt. Am Beispiel der Kirche werde das jedoch besonders deutlich, denn bei vielen Führungen habe sie die Erfahrung gemacht, dass selbst Frankfurter noch nie zuvor von dem historischen Bauwerk gehört haben. Es geht laut Lücke aber auch andersherum: „Ich habe manchmal Gäste, die kommen nur nach Frankfurt, um die Justinuskirche zu besichtigen“. Zwischen dem Jahr 830 und 850 wurde die Kirche erbaut und ist damit fast 1170 Jahre alt. Besonders ist nicht nur ihr hohes Alter, sondern auch die Tatsache, dass sie seit ihrer Weihe bis zum heutigen Zeitpunkt durchgängig als Gotteshaus genutzt wurde, was selten der Fall ist, wie Lücke erklärt.

Beeindruckende Architektur

Dr. Werner Brodt von der Stiftergemeinschaft Justinuskirche weiß um die außergewöhnliche Architektur der Kirche, die typisch für die Karolingerzeit ist, in der sie entstand. Die bedeutendsten architektonischen Elemente aus dieser Zeit sind Brodt zufolge die Säulen, deren Kapitelle (Säulenabschlüsse) und Kämpfer (Deckplatte auf dem Kapitell).

„Die Justinuskirche verbindet früh- und spätmittelalterliche Architektur in einem unverwechselbaren Gebäude.“ - Dr. Werner Brodt

Charakteristische Merkmale der Gotik ließen sich außerdem am Hochtor ablesen, das als erster Teil eines Neubaus nach 1441 errichtet wurde: In die Höhe strebendes Mauerwerk und hohe, breite Fenster für einen möglichst großen Lichteinfall prägen die typische Optik. „Die Justinuskirche verbindet früh- und spätmittelalterliche Architektur in einem unverwechselbaren Gebäude“, so Brodt.

Für den heutigen Stadtteil Höchst sei die Kirche enorm bedeutungsvoll, so Brodt. „Sie ist nichts weniger als die Keimzelle der späteren Stadt Höchst. Um sie herum siedelten sich mit der Zeit Menschen an, es entstand ein Kloster und eine befestigte Siedlung, die Mitte des 14. Jahrhunderts Stadtrechte erhielt.“ Heute sei die Kirche das „bedeutendste Zeugnis der Geschichte Höchsts“.

Von Kunstschätzen bis zum Kräutergarten

Nicht nur das Gebäude selbst macht etwas her, auch darin sind „einzigartige Kunstschätze“ verborgen, wie Brodt erläutert. Dazu gehören die Sitzfigur des Heiligen Antonius Abbas aus dem Jahr 1485 genauso wie Gemälde und Grabtafeln aus dem Mittelalter und dem Barock sowie der prachtvolle Hochaltar und die imposante Orgel. Als Geheimtipp gilt außerdem - besonders im Sommer - der gepflegte Kräutergarten, der zur Kirche gehört. Selbst er ist reich an Geschichte, wie Lücke deutlich macht: „Die Antoniter haben früher Kranke gepflegt und mit selbst gezogenen Kräutern versucht, sie zu heilen. Daraus entstand der Garten.“

Unter Kennern und Liebhabern gilt die Justinuskirche als essentieller Bestandteil einer Sightseeing-Tour in Frankfurt. „Das Besucherinteresse reicht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus“, sagt Brodt. Eine Informationsschrift, die in der Kirche ausliegt, gibt es daher in acht Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und sogar Polnisch, Russisch und Japanisch. Wer die Kirche noch nicht kennt und sich Frankfurts ältestes Bauwerk mit fachkundiger Begleitung genauer anschauen möchte, hat dazu bei einer ein- bis zweistündigen Kirchenführung die Möglichkeit.

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