Das „Neue Frankfurt“ hat jetzt eigene Bahnen

Im Rahmen des Bauhausjubiläums 2019 weist die Stadt Frankfurt mit einer eigens bedruckten U-Bahn, einem Bus und einer Straßenbahn auf das Neue Frankfurt hin. Was dahinter steckt.

Das „Neue Frankfurt“ hat jetzt eigene Bahnen

Kulturdezernentin Ina Hartwig und VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott haben am vergangenen Freitag eine eigens bedruckte U-Bahn, einen Bus und eine Straßenbahn vorgestellt. Diese sollen bis zum Ende des Jahres durch Frankfurt fahren und auf das historische Großstadtprojekt „Neues Frankfurt“ hinweisen.

Zu Beginn der Zwanzigerjahre entwickelte sich in Frankfurt ein Stadtplanungsprogramm, das unter dem Namen „Neues Frankfurt“ in die Geschichte einging. Als Projekt des Neuen Bauens setzte es ästhetische Maßstäbe und galt als gesellschaftliche Reformbewegung. Vor allem für seine Wohnungsbauaktivitäten war es bekannt, welche die damals akute Wohnungsnot bekämpften.

Dafür wurden mehrere Siedlungen gebaut. Darunter waren die Siedlung Bruchfeldstraße in Niederrad - auch genannt „Zickzackhausen“ - und die Siedlungen Praunheim und Westhausen. Außerdem die Siedlungen Bornheimer Hang, Römerstadt in Heddernheim sowie die Heimatsiedlung in Sachsenhausen und die Hellerhofsiedlung im Gallus. Darüber hinaus wurden aber auch viele öffentliche Gebäude und Einzelbauten im Neuen Frankfurt gebaut, wie beispielsweise die Großmarkthalle, das Zollamt und das Gebäude des Palmengartens.

Die Geburt der Frankfurter Küche

Verantwortlich für die Planung und Realisierung des Projekts „Neues Frankfurt“ war der Architekt und damalige Siedlungsdezernent Ernst May. Er suchte nach Wohn- und Siedlungskonzepten, die nicht nur neuen Wohnraum schaffen sollten, sondern auch die sozialen und hygienischen Probleme des derzeitig üblichen Wohnungsbaus vermeiden und den vorhandenen Platz optimal nutzen sollten.

Für die Umsetzung seiner Pläne engagierte er spezialisierte Gestalter aus den Bereichen Architektur, Industriedesign und Grafik. Darunter war auch die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die 1926 die von May veranlasste Frankfurter Küche ausarbeitete. Heute ist die Frankfurter Küche weltweit bekannt und gilt als Vorläuferin der heutigen Einbauküchen.

Zwar ist heute für viele die berühmte Kunstschule „Bauhaus“ die Wiege der Moderne. Trotzdem war auch das Neue Frankfurt als Parallelbewegung weltweit bekannt. Auf der Website des Forum Neues Frankfurt heißt es: „Wenn in jenen Jahren des epochalen Wandels das Bauhaus die Akademie der Moderne gewesen ist, dann war das Neue Frankfurt die Baustelle.“

Bedruckt sind die Fahrzeuge mit historischen Aufnahmen der Architektur des Neuen Frankfurt. Die Gestaltung dieser Drucke und des Faltplans erinnert an eine Stadtkarte aus der Ära von Ernst May. „Mit dem diesjährigen Bauhausjubiläum nutzt die Stadt Frankfurt den Moment, um sein eigenes klassisch-modernes Kulturerbe neu zu entdecken“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig. Das Interesse der Menschen an diesem Kapitel der Stadtgeschichte sei riesig und spiegele sich in den Besucherzahlen der beteiligten Museen wider.

Neuer Faltplan erhältlich

Auf den Fahrzeugen ist auch der Slogan „Zum Neuen Frankfurt auf Schienen“ zu sehen. Dieser soll die gute ÖPNV-Verbindung der Siedlungen des damaligen Neuen Frankfurts in der Gegenwart verdeutlichen und Lust auf einen Besuch machen, erklärt die Kulturdezernentin. Der gleichnamige Faltplan, den das Forum Neues Frankfurt erst kürzlich veröffentlichte, verdeutlicht das für Besucher. Der Plan ist im Ernst-May-Haus, im Forum Neues Frankfurt sowie im Deutschen Architekturmuseum erhältlich und steht zudem auch online als Download zur Verfügung.

Bei der Jungfernfahrt einer der Bahnen saß die Kulturdezernentin selbst am Steuer und brachte VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott sowie die Vertreter der am Jubiläum beteiligten städtischen Museen und des Forums Neues Frankfurt damit in die Innenstadt. Wissgott betonte: „Wir freuen uns, gemeinsam mit dem Kulturdezernat der Stadt Frankfurt dieses bedeutende und stilprägende Thema der Architektur auf unseren Fahrzeugen präsentieren zu können“. (ab)

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