Das solltet Ihr über den Hessischen Dialekt wissen

Selbst ein Frankfurter, der Hochdeutsch spricht, nutzt oft typisch hessische Ausdrücke, ohne sich darüber bewusst zu sein. Doch woher kommt der Dialekt, der in Frankfurt so verbreitet ist?

Das solltet Ihr über den Hessischen Dialekt wissen

Das Bundesland Hessen lässt sich in verschiedene Dialekt-Regionen einteilen: Niederdeutsch (Ost- und Westfälisch), Nord-, Ost-, Zentral- und Neuhessisch sowie Rheinfränkisch (früher auch Südhessisch genannt). In Frankfurt und Umgebung wird vor allem „Neuhessisch“ gesprochen. Wie hat sich der Dialekt entwickelt und was gilt als typisches Frankfurter Hessisch?

Neuhessisch - Eine regionale Umgangssprache

„Im Rhein-Main-Gebiet - und vor allem in Frankfurt - hat seit 1875 ein erheblicher Sprachwandel stattgefunden“, sagt Lars Vorberger vom Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg. Die alten, tiefen Dialekte seien durch eine regionale Umgangssprache, die sich aus ihnen entwickelt hat, abgelöst worden. „Neuhessisch“ bezeichnet man diese Art des Dialekts, die viele vor allem aus den Medien und von Komödianten wie Badesalz, Bodo Bach und Maddin Schneider kennen. Häufig werde das Neuhessisch deshalb als typisch hessisch aufgefasst und dominiert mittlerweile auch die Alltagskommunikation.

Dabei wird diese regionale Umgangssprache mehr als Regiolekt bezeichnet, statt als Dialekt: Es ist näher an der hochdeutschen Sprechweise anzusiedeln als der Dialekt, weicht aber in bestimmten Wörtern, Aussprache und Grammatik vom Hochdeutschen ab. „So begegnet man auch dort noch dialektalen Konstruktionen, wie zum Beispiel ,Das ist mir’, anstelle von ,Das gehört mir’“, so Professor Helmut Weiß von der Goethe-Universität Frankfurt.

Ein tatsächliches Dialektgebiet lasse sich schwer eingrenzen, da sich das Neuhessisch immer weiter ausbreitet. Jedoch bilde das Städtedreieck Mainz/Wiesbaden, Frankfurt/Offenbach und Darmstadt das Kerngebiet des Dialekts, heißt es auf der Website des Projektes „Syntax hessischer Dialekte (SyHD)“. Weitere Dialektgebiete seien außerdem der Odenwald, der westliche Spessart, Rheinhessen und das Gebiet Wetterau bis Gießen.

Kein Einfluss von Fremdsprachen

„Während sich der Regiolekt aus anderen Dialekten entwickelte, haben Fremdsprachen wiederum keinen Einfluss“, sagt Vorberger. Zumindest gehe dies aus Studien hervor, die in Mannheim und Berlin durchgeführt wurden. Fremdsprachen und Hochdeutsch vermischen sich dort zwar und ließen etwa in Berlin das ,Kiezdeutsch’ entstehen, doch einen Einfluss auf den örtlichen Dialekt haben sie laut den Studien nicht, so der Sprachwissenschaftler.

Typisch „Frankfurterisch“

Trotz der mittlerweile weiten Verbreitung des Neuhessischen gibt es auch Wörter, die man als typisch „Frankfurterisch“ verstehen kann. Dazu zählen beispielsweise die Wörter Jardengelsche (kleiner Garten), dribbdebach (südliche Mainseite) und hibbdebach (nördliche Mainseite).

Typisch für Frankfurt, aber auch für die weitere Umgebung Frankfurts, sind die Ausdrücke Dippen (Kochtopf), Schawellsche (kleiner Hocker) und Eingeplackte (Zugezogene). Als persönliche Favoriten unter den hessischen Sprachgewohnheiten fielen Vorberger gleich zwei Sprüche ein: „Ich mag besonders gerne den Ausspruch von Mama Hesselbach ,Kall, mei Drobbe’ und die Redewendung ,Geh fort, die sich schwer übersetzen lässt und in etwa bedeutet ,Hör mir auf, mach Sachen’.“

Der Spruch „Kall, mei Drobbe“ stammt aus der hessischen Fernsehserie „Die Hesselbachs“, die in der Anfangszeit der Bundesrepublik Deutschland von der ARD gesendet wurde. Es ist ein Ausruf angesichts einer sich anbahnenden Aufregung: Karl möge doch schnell die Baldrian-Tropfen bringen.

Für die „Neuhessen“

Für alle von Euch, die Ihr Hessisch verbessern möchten, haben wir hier eine kleine Sammlung von hessischen Ausdrücken gesammelt. Kennt Ihr sie alle schon?

  • ääbsch – unleidlich, unfreundlich, schlecht gelaunt

  • Bagaasch – Gesindel

  • bedubbe – betrügen

  • Bosse mache – Dummheiten machen

  • brunze – urinieren

  • Bumbesje – sich artikulierende Blähung

  • Deetz – Kopf

  • Dollbohrer – umständlich handelnde Person

  • dormelisch – schwindlig; auch: klein, unansehnlich

  • Funzel – Lampe

  • gaalern – herumalbern

  • Gehoppt wie gedoppt – kommt aufs Gleiche raus

  • Gelersch – Unordnung, Müll, Gerümpel

  • Grobbe – großer Topf

  • Gummer – Gurke

  • Hannebambel – gutmütig einfältiger Mensch

  • Heilischer Heinz – Bembelgott, hessische Kultfigur

  • herndaab – schwer von Verstand

  • Hinkel/Hingl – Hühner

  • Kneipsche – kleines Messer

  • Kolder – Decke

  • knorze – eine Tätigkeit schlecht ausführen

  • Linksdatsch – Linkshänder

  • Lumbeseckel – hinterhältige Person

  • petze – trinken

  • Schdellaasch – Regal

  • Schlappefligger – unzuverlässige Person

  • schneubisch – wählerisch beim Essen

  • Schwanger Lersch – übergewichtiger Mensch

  • Spitzkligger – besserwisserischer Mensch

  • trättsche – ununterbrochen regnen

Und zuletzt noch ein paar typisch hessische Sprüche:

  • „Was mer hat, des hat mer; hat mers ned, dann fehlts ahm.“ - Liedtext der Offenbacher Band „Flatsch!“ von 1980.

  • „Der zischt wie Abbelsaft.“ - 1987 geprägter Ausspruch des beliebten hessischen Volkszählers Gerd K.

  • „Erbaame! Zu Spät!“ - Freudiger Ausruf angesichts von in Rudeln auftretender Hessen, Anfang der Achtzigerjahre.

  • „…wie e Ochs wenn’s donnert“ - Ängstlich oder erschreckt aussehen.

  • „Liewer aam dran, als Aam abb.“ - Lieber arm dran, als Arm ab.

  • „Liewer Dregg am Stegge, als wie im Dregg schdegge.“ - Lieber Dreck am stecken, als im Dreck stecken.

  • „Unne, unne, obbe, obbe, unne, obbe, Schobbe klobbe, um de Kopp, an de Kopp, in de Kopp.“ - Hessischer Trinkspruch

  • „Hobb, Hobb, Hobb, de Schobbe in de Kobb.“ - Hessischer Trinkspruch

Was sind Eure Lieblingsausdrücke auf Hessisch?

Mehr Hessisch könnt Ihr in diesem Merkurist-Artikel lernen.

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