Darum stinkt's hier nach Urin

Kein schöner Eindruck nach der Ankunft: In der B-Ebene des Hauptbahnhofs riecht es nicht nur penetrant nach Urin - auf den Treppen finden sich auch Blut, Kot und Spritzen von Süchtigen. Ändern lässt sich das offenbar so schnell nicht.

Darum stinkt's hier nach Urin

Ein ganz normaler Morgen für tausende Pendler: Züge fahren in den Bahnhof ein, Gedrängel am Gleis. In der Vorhalle geht es die langen Stufen zur B-Ebene hinunter. Schon beim Abstieg verschlägt einem beißender Uringestank dem Atem. Den Ursprung dieser Geruchsbelästigung muss man nicht lange suchen - auf einigen Treppen, die hinaus auf die Straßen führen, finden sich nicht nur deutlich sichtbare nasse Flecken, auch Blut, Kot und Spritzen fallen ins Auge.

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Dabei sollte der Hauptbahnhof gerade für Reisende die „Visitenkarte der Stadt“ sein. Immerhin gehen laut der Deutschen Bahn im Schnitt 450.000 Menschen jeden Tag durch die B-Ebene des Bahnhofs. Auf Nachfrage gibt eine Sprecherin der Bahn zu, dass diese Probleme „bekannt seien“.

Soziale Probleme als Grund

Grund für den starken Urin-Geruch seien „soziale Probleme“. „Wir versuchen mehrmals täglich zu reinigen“, so die Sprecherin. Dennoch scheint sich der Mief hartnäckig zu halten. Eine unangenehme Erfahrung für jeden Reisenden, vor allem, da in der B-Ebene auch Essen verkauft wird.

Der Geruch von Urin könne dabei die Qualität von Lebensmitteln schmälern, so Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamtes. „Zwar wird wohl jeder Betreiber den Kontakt mit der Flüssigkeit vermeiden, doch auch der pure Ekel bezüglich der Situation kann den Appetit vertreiben“, so Jenisch. Ebenfalls möglich sei eine indirekte, nachteilige Beeinflussung. Beispielsweise wenn sich Gerüche in den Lebensmitteln festsetzen.

„Auch der pure Ekel bezüglich der Situation kann den Appetit vertreiben“ - Michael Jenisch

Allgemein seien die Gastronomen selbst für den einwandfreien Zustand ihrer Ware verantwortlich. So müsste der Besitzer einen Urinfleck vor dem Laden auch selbst putzen, wenn dieser die Qualität der Lebensmittel beeinträchtige, auch wenn ihm das Gelände nicht gehöre.

„Wir können keinen Mitarbeiter rund um die Uhr dort stehen lassen“ - Sprecherin der Deutschen Bahn

Dabei sind die besonders schlimmen Orte der Bahn bekannt. „Es gibt gewisse Sammelpunkte“, erklärt die Sprecherin der Bahn, „aber wir können keinen Mitarbeiter rund um die Uhr dort stehen lassen“. So nennt auch die Deutsche Bahn den Zustand bedauerlich, aber nicht auf die Schnelle zu ändern.

Wer auf Toilette will muss zahlen

Ein weiteres Problem: Die einzigen Toiletten des Hauptbahnhofs sind nicht kostenfrei. Ein Toilettenbesuch zwischen Putzkraft und Desinfektionsmittel kostet hier einen Euro. Die einzige Möglichkeit kostenfrei am Hauptbahnhof auf Toilette zu gehen bietet ein Urinal. Nahe der Fernbusse kann man sich nur völlig im Freien ohne viel Sichtschutz erleichtern. Eine Möglichkeit für Frauen gibt es gar nicht.

Suchtkranke am Hauptbahnhof

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Im Fall von Suchtkranken, die oft als Verursacher der Verschmutzungen genannt werden, sind der Bahn nach eigener Aussage die Hände gebunden. Zwar gebe es eine Hausordnung, jedoch besitzen die Sicherheitskräfte des Hauptbahnhofs keine polizeilichen Befugnisse. Diese hat am Bahnhof nur die Bundespolizei.

„Auch wenn wir nicht gerufen werden, werden durch uns Platzverweise ausgesprochen, wenn eine konkrete Gefährdung vorliegt“ - Ralf Ströher, Pressesprecher Bundespolizei

Die Sicherheitskräfte der Deutschen Bahn haben nur die Befugnis das Hausrecht durchzusetzen und Personen des Platzes zu verweisen. Sollten die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Probleme bekommen, wird die Bundespolizei verständigt. „Aber auch wenn wir nicht gerufen werden, werden durch uns Platzverweise ausgesprochen, wenn eine konkrete Gefährdung vorliegt“, so der Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Frankfurt, Ralf Ströher.

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Auch das öffentliche Urinieren stelle eine Ordnungswidrigkeit dar, welche von der Bundespolizei geahndet werden könne. Grundsätzlich gilt laut Ströher: „Sollte die Bundespolizei Hinweise auf einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz erlangen, wird durch uns ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.“

Stadt hat keine Handhabe

Auf Nachfrage verweist eine Pressesprecherin der Stadt darauf, dass man hier nicht zuständig sei. Da das Gelände des Hauptbahnhofs der Deutschen Bahn gehört sei es auch ihre Aufgabe für die Reinigung zu sorgen. Die Stadt habe in diesem Fall keine Handhabe. Laut Ordnungsdezernat gelte dies allgemein jedoch für die meisten Bahnsteige in Frankfurt. So würden sich an der Konstablerwache und der Hauptwache sowohl die Deutsche Bahn als auch die VGF die Reinigung teilen.

Kostenlose Klos in der Konstablerwache

Laut einer Sprecherin der VGF sei diese an beiden Stationen für die Reinigung der U-Bahn-Sektion zuständig. Zwar habe man auch hier „ab und an Probleme mit Wildpinklern“, allerdings werde stets hinterher gereinigt. „Wir haben eine 24 Stunden Rufbereitschaft und eine Sichtreinigung von 13:30 Uhr bis 23 Uhr“, so die Sprecherin. Um das Problem zu bereinigen putze man so oft wie möglich.

„Wir haben eine 24 Stunden Rufbereitschaft“ - Sprecherin der VGF

In der Konstablerwache und der Hauptwache gibt es zudem die Möglichkeit kostenlos auf Toilette zu gehen, allerdings kostet ein Toilettenbesuch nach 22 Uhr in der Hauptwache 50 Cent. An keiner der beiden Stationen ist der Uringeruch so penetrant wie in der B-Ebene des Hauptbahnhofs.

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