7 überraschende Fakten zum Frankfurter Hauptbahnhof

Der Frankfurter Hauptbahnhof gilt als der am zweitstärksten frequentierte Fernbahnhof Deutschlands. Jedoch gibt es noch mehr über den Bahnhof zu wissen, als man auf den ersten Blick sieht.

7 überraschende Fakten zum Frankfurter Hauptbahnhof

Ist man nicht gerade Tourist und nimmt an einer Stadtführung teil, macht man sich wahrscheinlich kaum Gedanken darüber, was es wohl alles über die großen Gebäude Frankfurts zu erfahren gibt. Damit Ihr nicht im Dunkeln tappt und mit Allgemeinwissen glänzen könnt, hat Merkurist ein paar Fakten zusammengetragen.

Wichtigste Verkehrsdrehscheibe im deutschen Zugverkehr

Täglich nutzen etwa 470.000 Reisende und Bahnhofsbesucher aus dem In- und Ausland den Frankfurter Hauptbahnhof. Somit ist er nach dem Hauptbahnhof Hamburg auf Platz 2 der am stärksten frequentierten Fernbahnhöfe Deutschlands. Das liegt zum Einen an seiner Lage inmitten Deutschlands, die ihn zur wichtigsten Verkehrsdrehscheibe im deutschen Zugverkehr macht. Zum Anderen laufen dort praktisch alle Nord-Süd- sowie Ost-West- und Auslandsverbindungen zusammen. Somit halten dort laut der Deutsche Bahn AG (DB) täglich etwa 342 Fernzüge und rund 290 Nahverkehrszüge.

Klimafreundlicher Verkehrsträger

„Bei uns beginnt Klimaschutz schon beim Betreten des Bahnhofs.“ - Ronald Pofalla, DB-Infrastrukturvorstand

Seit April 2019 wird der Hauptbahnhof mit 100 Prozent Ökostrom versorgt. DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla sagte zu der „grünen“ Initiative: „Bei uns beginnt Klimaschutz schon beim Betreten des Bahnhofs.“

Der Ökostrom stammt unter anderem aus Wasserkraftwerken an Rhein, Mosel, Ruhr, Main, Donau, Lech, Isar, Inn und vom Edersee. Durch den Einsatz erneuerbarer Energien bei der Versorgung der Bahnhöfe spart die DB eigenen Aussagen nach jährlich rund 35.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid ein. Somit sei das Verkehrsunternehmen mit all seinen Fernbahnhöfen, die mit dem „grünen“ Strom versorgt werden, heute der größte Ökostromverbraucher in Deutschland.

Die erste Dampflock

Am 18. August 1888 fuhr die erste Dampflok in den Hauptbahnhof ein, der damals mit nur 18 Gleisen ausgestattet war und unter dem Namen „Centralbahnhof Frankfurt“ als größter Bahnhof Europas galt. Heute fahren die Züge von insgesamt 25 Gleisen ab (Gleis 1 bis 24, inklusive Gleis 1a). Dazu kommen vier S-Bahn-Gleise unter der Haupthalle des Bahnhofs sowie die U-Bahn-Gleise. Ursprünglich sollten für die Züge jedoch 34 Gleise entstehen. Diese Zahl wurde zu Beginn des Gebäudebaus aber auf 18 Gleise reduziert und erst 1924 auf 25 erweitert.

Fun Facts

Laut Historie des Frankfurter Bahnhofs wurde dieser 2002 im europaweiten ADAC-Bahnhoftest Testsieger und als einziger Bahnhof mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet.

Die Fußböden und Verkleidungen der Treppen im Hauptbahnhof sind mit schwarzem Padang-Granit aus China belegt. So hinterlässt er bei Besuchern trotz seines stolzen Alters von mittlerweile 131 Jahren einen Eindruck von moderner Klasse und Stil, ist die Deutsche Bahn überzeugt.

Die Fläche der Bahnsteige umfasst 60.873 Quadratmeter und die Ladenfläche 9000 Quadratmeter (jeweils Stand 2017). Bei der Reinigung der Vitrinen am Hauptbahnhof müssen die Putzkräfte etwa 650 Quadratmeter Glas sowie 270 Sitzbänke reinigen (Stand 2018).

Das Bunkersystem von Frankfurt

Mit dem Beginn der unterirdischen Bauarbeiten 1971 entstand zeitgleich auch der zweigeschossige Luftschutzbunker des Hauptbahnhofs. Dieser sollte etwa 3500 Bahnangestellten im Ernstfall Schutz bieten. Aus den Räumen konnte der gesamte Telefonbetrieb abgewickelt werden sowie die Bedienung der Lautsprecheranlage erfolgen. Heute werden dort zwar keine Vorräte gelagert, jedoch sind die technischen Anlagen in dem Bunker weiterhin voll einsatzbereit.

„Die Bunker wurden größtenteils umfunktioniert.“ - Sascha Ruehlow, Stadtführer

Dieser Bunker gehörte zu einem städtischen Bunkersystem, zu dem auch die Haltestellen Hauptwache, Konstablerwache und der Alten Oper zählten. „Weil es teuer ist diese Bunkeranlagen zu unterhalten, wurden diese größtenteils umfunktioniert“, so Sascha Ruehlow, Stadtführer und Geschichtswissenschaftler in einem früheren Gespräch mit Merkurist. Heute werden die Räume als Lager-, Archiv- und Technikräume sowie unterirdische Parkplätze genutzt.

Ganz geheimnisvoll führen von diesen Bunkerräumen außerdem Wege zum Krankenhaus in Höchst und der Universitätsklinik. Für die Öffentlichkeit sind diese Bereiche jedoch nicht zugänglich.

In diesem Artikel von Merkurist könnt Ihr mehr über die Bunkersysteme erfahren.

Die Katakomben der Post

Unterhalb der Bahnsteighallen verbirgt sich neben den Bunkern auch ein weitläufiges Tunnelsystem, in dem bis in die Siebzigerjahre Post und Gepäck abgefertigt wurden. Damals tauften die Postangestellten die Tunnel „die Katakomben“. Dort sieht man noch heute Spuren aus der Vergangenheit, wie Ölflecke an Decke und Wänden, die von den Wartungen der Schlepperzüge in der ehemaligen Werkstatt hinterlassen wurden. Die Lagepläne zu den Katakomben habe man schon lange verloren, heißt es in einem Artikel der Frankfurter Rundschau aus dem Jahr 2004. Ebenso gibt es dort zwei Tresore, in denen teilweise bis zu 500 Millionen Mark in Briefmarken gelagert wurden. Auch die Tresorschlüssel seien nicht mehr aufzufinden.

Der vollständige Artikel von 2004 ist hier zu lesen.

Deportationen zu Zeiten des Holocaust

Die Geschichte des Hauptbahnhofs zeigt auch tragische Vorgänge auf. Im Rahmen des Holocaust wurden 1943/44 von dort aus Deportationen nach Auschwitz, Ravensbrück, Theresienstadt oder Buchenwald durchgeführt. Jeden Montagmorgen um 10:05 Uhr fuhren von Gleis 16 Züge zu verschiedenen Konzentrationslagern ab. Der letzte Deportationszug fuhr am 14. Februar 1945 mit 302 Personen vom Bahnhof ab – wenige Wochen bevor die amerikanischen Truppen Frankfurt erreichten. Insgesamt wurden zwischen dem 19. Oktober 1941 und dem 15. März 1945 mehr als 10.000 Menschen mit Hilfe der Reichsbahn aus Frankfurt deportiert.

2008 fand diesen Vorgängen gedenkend die Wanderausstellung "Sonderzüge in den Tod – die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn" in ganz Deutschland und damit auch am Frankfurter Hauptbahnhof statt. Mehr Informationen zu den damaligen Vorgängen und der Ausstellung könnt Ihr in dieser Wiedergabe der Rede des damaligen Kulturdezernenten Felix Semmellroth lesen. (lo)

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