Wird es bald Bahnsteigtüren in Frankfurt geben?

In vielen Metropolen der Welt werden Bahngleise durch sogenannte Gates - Absperrungen mit Türen - abgesichert. Viele Frankfurter fordern eine solche Installation auch in Frankfurt. Aber ist das hier überhaupt denkbar?

Wird es bald Bahnsteigtüren in Frankfurt geben?

Erst vor ein paar Wochen ist ein Mann von einer U-Bahn an der Haltestelle Nieder-Eschbach überrollt worden und gestorben (Merkurist berichtete). Er war - von anderen Fahrgästen unbemerkt - ins Gleis gestürzt. Leider ist das kein Einzelfall. Immer wieder passieren solche Unfälle und werfen die Frage auf, ob und wie man diese verhindern kann. Erst kürzlich wurde auf der Website „FFM - Frankfurt fragt mich“ deshalb eine Online-Petition gestartet, die Bahnsteigtüren für mehr Sicherheit an den Frankfurter Bahngleisen fordert und seit Anfang des Monats Unterstützer sucht.

In vielen Metropolen anderer Länder weltweit gibt es solche Bahnsteigtüren bereits. In Deutschland existiert bisher allerdings noch kein solches von den Behörden zugelassenes Bahnsteigtürensystem, bestätigt die Deutsche Bahn (DB) auf Nachfrage von Merkurist.

„Die Realisierung solcher Bahnsteigtüren untersucht die Deutsche Bahn im Münchner S-Bahn-System im Rahmen einer Machbarkeitsstudie.“ - Deutsche Bahn

„Die Realisierung solcher Bahnsteigtüren untersucht die Deutsche Bahn im Münchner S-Bahn-System im Rahmen einer Machbarkeitsstudie“, so ein DB-Sprecher. Dort forderte laut der Münchener Abendzeitung der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund mehr Sicherheit am Gleis, nachdem 2018 ein blinder 41-jähriger Münchener am U-Bahnhof Josephsplatz ins Gleis stürzte und starb.

Daraufhin wurde eine solche Installation rege diskutiert und im vergangenen Jahr die Studie in München in Auftrag gegeben. In der Studie werden unter anderem Fragen zu den technischen Voraussetzungen und der Finanzierung geprüft, so die DB. Konkretere Aussagen könne sie jedoch erst nach dem internen Prüfungsprozess treffen.

Türen vor allem an autonomen Bahnen

Bahnsteigtüren sind meist an Gleisen installiert, die von autonom fahrenden Bahnen genutzt werden - also Bahnen ohne Fahrer. So dienen sie grundsätzlich dazu, den Aufenthalt am Gleis sowie das Ein- und Aussteigen aus den autonomen Bahnen für Fahrgäste sicherer zu machen. Nur vollautomatisierte Bahnen können so am Bahnsteig halten, dass deren Türen millimetergenau an den Bahngleistüren öffnen. So stellt sich die Frage, ob folglich auch Frankfurter Bahnen automatisiert werden müssten.

„In Hamburg wird 2021 erstmals in Deutschland auf einer Pilotstrecke ein hochautomatisierter S-Bahn-Betrieb aufgenommen.“ - Deutsche Bahn

Der DB zufolge gebe es beim automatisierten Fahren eine ähnliche Situation wie bei den Bahngleistüren: „In Hamburg wird 2021 erstmals in Deutschland auf einer Pilotstrecke ein hochautomatisierter S-Bahn-Betrieb aufgenommen“, so die DB. Auch hier müsse man die Ergebnisse der Pilotversuche aus den anderen S-Bahnen abwarten, genau anschauen und gegebenenfalls auf andere S-Bahn-Systeme übertragen.

Für die Stadt Frankfurt speziell gibt es ein weiteres entscheidendes Hindernis - vor allem, was U- und Straßenbahn-Strecken betrifft. „Die Einführung von autonomen Straßen- oder U-Bahnen ist in Frankfurt nicht möglich, da all unsere Linien auch oberirdisch fahren und dort den Individualverkehr kreuzen, auf den unsere Fahrerinnen und Fahrer gegebenenfalls reagieren müssen“, sagt VGF-Sprecherin Aleksandra Malczewski. Demnach wird der Frankfurter ÖPNV wohl erstmal weiterhin ohne ein autonomes Bahnsystem - und damit vermutlich auch ohne Bahnsteigtüren - auskommen müssen. (ab)

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