Multiresistente Keime: Tödliche Gefahr in Frankfurter Gewässern?

Ein Infektionsfall, der durch einen multiresistenten Erreger ausgelöst wurde, sorgte für Aufregung und Verunsicherung bei den Frankfurtern. Darf man mit den Gewässern noch in Kontakt kommen und wie kann man sich vor den Keimen schützen?

Multiresistente Keime: Tödliche Gefahr in Frankfurter Gewässern?

Ein Mann, der beinahe im Eschbach ertrunken ist, hatte eine Klebsiella-Pneumophila-Infektion mit in die Uniklinik gebracht. Nach dem Vorfall im vergangenen Jahr kam der Verdacht auf, dass der Patient diesen multiresistenten Erreger (MRE) durch das Wasser, den Schlamm und die Blätter, die von dem Gewässer in seine Lunge geraten waren, aufgenommen hatte.

Es folgte eine Diskussion um den Zustand der Frankfurter Gewässer. Befinden sich dort multiresistente Erreger, gegen die kein Antibiotikum mehr eine Chance hat? Bürger fragten, ob man ohne Gesundheitsgefahr an den Gewässern spazieren gehen kann, ob die Kinder weiterhin dort spielen können, ohne sich in Gefahr zu bringen. Verschiedene Ortsbeiräte wollten sogar Warnschilder aufstellen lassen, die Kinder und Hunde vor dem Kontakt mit den Gewässern abhalten sollen. Das Frankfurter Gesundheitsamt untersuchte daraufhin die Gewässer.

MRE in fast allen Frankfurter Gewässern gefunden

Das Ergebnis: Im Eschbach und Mühlgraben wurden multiresistente Erreger gefunden. Allerdings ist der gefundene Erreger nicht identisch mit dem, der vergangenes Jahr bei besagtem Patienten gefunden wurde. „Es gibt keinen Beweis eines Zusammenhangs zwischen dem Ertrinkungsunfall im Eschbach und den Befunden im Patienten, aber der Zusammenhang ist nicht auszuschließen, da MRE prinzipiell dort gefunden wurden“ , heißt es im entsprechenden Bericht des Gesundheitsamts. Doch diese beiden Gewässer sind nicht die einzigen in Frankfurt, in denen MRE gefunden wurden. Antibiotikaresistente Erreger wurden an Wasserstellen im Main, der Nidda, dem Erlenbach, Eschbach, Urselbach, Sulzbach und Westerbach nachgewiesen.

„Gelangen MRE aber zum Beispiel in das Blut, sind viele, wenn nicht gar alle, Antibiotika wirkungslos.“ - Ursel Heudorf, MRE-Expertin beim Gesundheitsdezernat

Die Zunahme antibiotikaresistenter Erreger stelle ein Problem dar, so Ursel Heudorf, Expertin für MRE im Gesundheitsamt. „Durch den vielfachen Einsatz von Antibiotika entsteht ein Druck auf die Erreger und sie werden widerstandsfähiger gegen Antibiotika“, erklärt Heudorf. Das sei kein Problem, solange die MRE auf der Haut oder im Darm bleiben. „Gelangen MRE aber zum Beispiel in das Blut, sind viele, wenn nicht gar alle, Antibiotika wirkungslos.“

„Hier wächst eine tödliche Bedrohung für viele Menschen, vom Frühgeborenen bis ins hohe Alter.“ - Stefan Majer, Gesundheitsdezernent

Gesundheitsdezernent Stefan Majer bezeichnet Antibiotika deshalb als „ein wichtiges Schwert der Medizin, das schon heute einige schwere Scharten hat und droht, in den nächsten Jahren stumpf zu werden“. Majer sieht die Lage daher mit Sorge: „Hier wächst eine tödliche Bedrohung für viele Menschen, vom Frühgeborenen bis ins hohe Alter.“

Auch Fäkalkeime im Wasser

Neben dem MRE wurden zudem Bakterien in den Frankfurtern Gewässern gefunden. Obwohl die Gesamtkeimzahl in einigen Gewässern auffällig hoch ausfällt, - etwa im Eschbach, Sulzbach und Westerbach - ist die Anzahl der Keime in den vergangenen Jahren laut den Untersuchungsergebnissen nicht gestiegen.

„Bei den Fäkalindikatoren zeigen sich eindeutige Zusammenhänge zu den Kläranlagen.“ - Bericht des Gesundheitsdezernats

Einen Höhepunkt gab es bei den meisten Frankfurter Gewässern zwischen den späten 90er und den ersten Jahren der 2000er. „Bei den Fäkalindikatoren zeigen sich eindeutige Zusammenhänge zu den Kläranlagen“, heißt es im Untersuchungsbericht weiter. Jeweils unmittelbar nach den Kläranlagen am Eschbach, Erlenbach und Urselbach ist eine höhere Konzentration der Fäkalkeime aufgetreten. „Ein Einfluss der Kläranlage ist erkennbar.“ Doch auch in Gewässern ohne Kläranlageneinfluss wurden teilweise viele Fäkalkeime gefunden. So etwa im Liederbach und Westerbach. Dafür könne die geringe Strömung verantwortlich sein, so die Wissenschaftler. Im Main wurde trotz mehrerer Kläranlagen eine vergleichsweise niedrige Anzahl von Fäkalkeimen nachgewisen. „Offenbar werden diese durch die große Wassermenge des Flusses gut verdünnt“, heißt es im Bericht.

Wie verhält man sich als Spaziergänger richtig?

Auf Basis der aktuellen Untersuchungen rät das Gesundheitsdezernat weiterhin vom Schwimmen in den Gewässern ab und empfiehlt, sich nach dem Kontakt mit dem Wasser und dessen Schlamm die Hände zu waschen. „Wichtig ist, dass die Erreger an den Orten des Körpers bleiben, wo sie hingehören, und nicht zum Beispiel über Wunden unter die Haut ins Blut gelangen“, sagt Heudorf. „Das gelingt bei guter Hygiene.“ Ingmar Bolle, Sprecher des Gesundheitsamts fügt dem hinzu: „Anders als bei anderen Krankheitserregern, wie Viren, ist es nicht so, dass ein paar Tropfen Eschbachwasser, die man abkriegt, zu einer panischen Reaktion führen müssen; dafür besteht kein Anlass.“

„Bei den meisten Atemwegs- und Harnwegsinfektionen sind keine Antibiotika von Nöten.“ - Ursel Heudorf, MRE-Expertin beim Gesundheitsdezernat

Dennoch stellt das Gesundheitsdezernat klar: Wir sollten uns Sorgen machen, dass sich die MRE weiter ausbreiten, sich weiterentwickeln und stabilisieren. „Dadurch entsteht auch wieder das Risiko einer Einschleppung dieser Keime - durch gesunde wie kranke Menschen - in die Kliniken, wo sie schon länger ein gravierendes Problem darstellen“, sagt Bolle. Um dem entgegenzuwirken, rät das Gesundheitsdezernat davon ab, bei jeder kleinen Krankheit gleich zu Antibiotika zu greifen. „Bei den meisten Atemwegs- und Harnwegsinfektionen sind keine Antibiotika von Nöten; Ruhe und bestimmte Hausmittel reichen aus“, sagt Heudorf.

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