Warum das Frankfurter „Bermudadreieck“ kaum jemand kennt

Mitten in der Innenstadt gelegen befindet sich das lebendige queere Frankfurter Viertel. Doch viel Beachtung findet es kaum.

Warum das Frankfurter „Bermudadreieck“ kaum jemand kennt

Berlin-Schöneberg, das Münchener Glockenbachviertel, Le Marais in Paris: Die LGBTIQ-Viertel, in denen sich Menschen jeder sexuellen Orientierung treffen, sind oft weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und locken viele Menschen an. Auch in Frankfurt gibt es ein solches Viertel: das sogenannte Bermudadreieck nahe der Konstablerwache. Es erstreckt sich über die Alte Gasse, Elefantengasse, Schäfergasse bis hin zur Bleichstraße. Obwohl zentral gelegen, ist es außerhalb der Szene kaum bekannt.

Das besagte Viertel ist bunt, mit Leben erfüllt, es gibt viele gut besuchte Cafés und Restaurants. Regenbogenflaggen sucht man in den kleinen Gassen allerdings vergebens. Einzig der Regenbogenkreisel, eine Verkehrsinsel, die in den bunten Farben der LGBTIQ-Community gestaltet ist, und einige Gay-Bars weisen darauf hin, dass es sich um ein queeres Viertel handelt. Da sind natürlich die Bars wie das „Central“ oder „Zum Schwejk“, die als Frankfurter Institutionen nicht nur bei Schwulen und Lesben beliebt sind.

„Das Internet hat den Gay-Bars das Leben schwer gemacht.“ - Barbesucher

60 000 Besucher beim CSD (Christopher Street Day), laut der Stadt Frankfurt gibt es fast genauso viele queere Einwohner. Bei der Veranstaltung zeigt sich, dass die örtliche Queer-Szene sehr wohl lebendig ist. Doch in den vergangenen 15 Jahren hat sie sich verändert, ist geschrumpft. Fragt man woran das liegt, wird gerne auf das Internet verwiesen. Damals gingen queere Personen in entsprechende Bars und Clubs, um jemanden kennenzulernen, heute werden dazu Websites und Apps wie Grindr benutzt. „Das Internet hat den Gay-Bars das Leben schwer gemacht“, meint ein Besucher der Bar „Zum Schwejk“. Für viele Lokale in Frankfurt bedeutete das ihr Ende -laut der Website homowiki.de hat sich die Zahl der Bars zwischen 2000-2010 halbiert.

Im Gespräch mit Bar-Besuchern stellt man schnell fest, dass die LGBTIQ-Community mit dem Viertel nicht zufrieden ist. Es sei heruntergekommen, die meisten Lokale versprühen eher einen Siebzigerjahre-Charme, sonderlich hipp und attraktiv sei es nicht. Die Stadt Frankfurt engagiert sich für Diversität, beispielsweise mit dem jährlichen Verleihen eines Integrationspreises - doch wie viel Unterstützung erfährt das Viertel? Wie Ortsvorsteher Oliver Strank sagt, gibt es in der Innenstadt zwar aktuell einige Sanierungen, für das LGBTIQ-Viertel allerdings gebe es allerdings aktuell keine konkreten Umplanungen.

„In Frankfurt müssen die Bürger*innen oft selbst mit anpacken“, erklärt Christian Gaa vom Bündnis Akzeptanz und Vielfalt. Man sei daher aktuell im Dialog mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt. Es bestehe dringender Bedarf nach mehr Sichtbarkeit für das Quartier, welches nicht nur für junge und alte LGBTIQ-Personen einen sicheren Raum darstellt, sondern inzwischen auch für Sexarbeiterinnen. Um über die Hintergründe der Gegend aufzuklären und sie für Reisende interessanter zu machen, sind Informationsaufsteller und Regenbogenflaggen an Straßenschildern im Gespräch. Für die Zukunft sei vor allem eine enge Zusammenarbeit von Stadt und LGBTIQ-Community wünschenswert, meint Gaa. Um auch junge Menschen erreichen zu können, wünsche man sich außerdem von der Stadt, dass digital Flagge gezeigt wird für die Community, beispielsweise in sozialen Netzwerken.

„Die jüngere Generation muss mal das Handy weglegen, rausgehen und sich lieber in Bars treffen.“ - Bar-Besucher

Können Anwohner und Anwohnerinnen und die Community währenddessen etwas für ihr Viertel tun, um es wieder attraktiver zu gestalten? „Die jüngere Generation muss mal das Handy weglegen, rausgehen und sich lieber in den Bars treffen. Das Internet hat alles oberflächlicher gemacht“, sagen die Bar-Besucher. (ab/lo)

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