Die Buchhandlung Carolus schließt

Dreieinhalb Jahre nach dem Umzug in die Vilbeler Straße ist das Aus besiegelt: Die traditionsreiche Buchhandlung Carolus schließt am 6. Juli endgültig ihre Tore.

Die Buchhandlung Carolus schließt

Sie hatten alles versucht: Ende 2015 verließen Geschäftsführerin Ariane Roth und ihr Team den Standort am Liebfrauenberg und zogen mit der Buchhandlung „Carolus“ in die Vilbeler Straße nahe der Konstablerwache. Der Umzug bedeutete eine Verkleinerung von 500 auf 200 Quadratmeter – was einerseits die Fixkosten senkte, andererseits aber das Sortiment verkleinerte. Das Konzept ging nicht auf: Am 6. Juli wird Carolus nach 147 Jahren schließen müssen.

Geringere Frequenz in der Vilbeler Straße

„Es ist kein Geheimnis, dass die alte Lage besser ist“, benennt Ariane Roth einen der Hauptgründe für den Umsatzrückgang. Im Gegensatz zum stark frequentierten Liebfrauenberg (heute befindet sich in dem Laden übrigens ein „Butlers“) gibt es in der Vilbeler Straße kaum Laufkundschaft. Auch das veränderte Kauf-, Lese- und Schenkverhalten der Kunden, unter dem die gesamte Buchbranche ächzt, merkte man bei Carolus. „Einige fotografierten im Laden sogar die Bücher, um sie später online zu bestellen“, sagt die Geschäftsführerin fassungslos. Dabei macht es in Deutschland wegen der Buchpreisbindung keinen Unterschied, ob man ein Buch online oder im Geschäft kauft; die Preise sind dieselben.

„Das ist generell ein schwieriges Geschäft.“ - Ariane Roth, Geschäftsführerin

In der katholischen Buchhandlung Carolus kam noch ein weiterer Faktor dazu: Devotionalien, die einst einen guten Teil des Umsatzes ausmachten, sind immer weniger gefragt. „Das ist generell ein schwieriges Geschäft“, so Roth, „und Skandale im Vatikan etwa haben uns die Sache nicht leichter gemacht“. Außerdem wird heutzutage zur Taufe oder Kommunion zumeist nur eine Karte mit Geld geschenkt. „Dabei sind wir gerade bei der Beratung für Geschenke dieser Art sehr fit“, betont die Geschäftsführerin. Als dann ein großer Auftrag für Carolus wegbrach, war es an der Zeit, der Realität ins Gesicht zu blicken.

Am 6. Juli ist Schluss

Für eine Stadt wie Frankfurt mit der Buchmesse und dem Haus des Buches ist es ein Armutszeugnis, dass es in der Innenstadt kaum noch Buchhandlungen gibt, findet Ariane Roth. Die Stammkunden sind ebenfalls betroffen. „Einige fangen an zu weinen, wenn sie davon erfahren, bringen uns Pralinen oder bieten uns neue Jobs an. Daran erkennt man, welche Bedeutung Carolus hat.“ Kurzzeitig war man mit Thalia im Gespräch, immerhin ist der Herder Verlag Gesellschafter bei Carolus und die Familie Herder wiederrum Mehrheitseigner bei Thalia. Eine potentielle Übernahme scheiterte allerdings, denn: „Wir passen nicht ins Konzept“, resümiert Roth.

„Bei uns hat noch keine eine Anschlussbeschäftigung.“ - Ariane Roth, Geschäftsführerin

Wie geht es jetzt weiter? Ab dem 14. Juni ist Räumungsverkauf, wenige Wochen später, am 6. Juli der letzte Verkaufstag. Was in die Räumlichkeiten kommt, weiß Ariane Roth nicht. Und was danach mit ihr und den vier Mitarbeiterinnen passiert, ebenso wenig. „Bei uns hat noch keine eine Anschlussbeschäftigung.“ (lo)

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