Kind oder Hund bei Hitze im Auto: Was soll ich machen?

Bei sommerlichen Temperaturen gleicht ein Auto innerhalb kürzester Zeit einem Backofen. Trotzdem lassen immer wieder Menschen Kleinkinder oder Hunde im heißen Wagen zurück. Was Ihr in solchen Situationen tun könnt.

Kind oder Hund bei Hitze im Auto: Was soll ich machen?

Auf mehr als 35 Grad ist das Thermometer in der vergangenen Woche in Frankfurt geklettert - Temperaturen, die nicht jeder gut verträgt. Der Deutsche Wetterdienst warnte amtlich vor der Hitze, das Gesundheitsamt der Stadt erinnerte die Bürger daran, genug Mineralstoffe aufzunehmen und die Hessische Hitzeskala erreichte Warnstufe 2.

Zwar hat es mittlerweile etwas abgekühlt, warm ist es aber immer noch. Neben älteren und kranken Menschen werden die hohen Temperaturen auch für Kleinkinder und Haustiere wie beispielsweise Hunde schnell gefährlich. Trotzdem lassen Menschen im Sommer immer wieder Kinder oder Hunde im warmen Auto zurück, während sie einkaufen gehen oder Erledigungen machen. Eine Situation, die von vielen unterschätzt wird.

Auto wird auch ohne direkte Sonne zu heiß

„Selbst innerhalb weniger Minuten kann das Fahrzeug zur tödlichen Falle werden.“ - Katrin Umlauf, Deutscher Tierschutzbund

Das Problem kennt auch Katrin Umlauf, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Immer wieder warnt der Verein vor der Hitzegefahr im Auto. „Selbst innerhalb weniger Minuten kann das Fahrzeug zur tödlichen Falle werden“, sagt sie. „Auch bei bewölktem oder schwülem Wetter ohne direkte Sonneneinstrahlung steigt die Temperatur im Inneren rasch auf 50 Grad und mehr an.“ Ein geöffnetes Schiebedach oder Fenster sorge in keinem Fall für genügend Abkühlung.

Besonders für Hunde und Katzen kann die Hitze im Auto verheerende Folgen haben. „Im Gegensatz zum Menschen können sich Hunde und Katzen nicht durch Schwitzen über die Haut Kühlung verschaffen und sind deshalb gegenüber Hitze sehr empfindlich“, erklärt Umlauf. „Die Folgen der für das Tier unerträglichen Temperaturen sind Überhitzung mit Übelkeit und Kreislaufproblemen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen.“

Was Passanten tun sollten

„Wir empfehlen, dass Sie sich zunächst einen Eindruck vom Hund oder Kind und der Situation verschaffen.“ - Thomas Hollerbach, Sprecher der Frankfurter Polizei

Aber wie sollten Passanten reagieren, die Tiere oder Kinder im Sommer in abgeschlossenen Autos entdecken? „Wir empfehlen, dass Sie sich zunächst einen Eindruck vom Hund oder Kind und der Situation verschaffen“, sagt Thomas Hollerbach, Sprecher der Frankfurter Polizei. So solle man überprüfen, in welcher Verfassung Hund oder Kind sind. „Also, ob das Kind schon stark geschwitzt hat, der Hund stark hechelt, sitzt der Hund noch oder liegt er schon, ist das Kind noch ansprechbar beziehungsweise reagiert es noch auf mich oder ist es im schlimmsten Fall schon bewusstlos oder hat keine Atmung mehr.“

Ist der Fall dringend und auch kein Fahrer in der Nähe, rät Hollerbach, sofort die Polizei zu rufen. Dabei solle man Ort, Fahrzeugtyp und Kennzeichen durchgeben - so könne die Polizei noch während der Anfahrt einer Streife versuchen, den Halter zu ermitteln und zu kontaktieren. „So kann man im Einzelfall vielleicht kostbare Zeit sparen, weil der im Supermarkt einkaufende Halter dann doch schneller an seinem Auto ist, als die Streife“, sagt Hollerbach.

Im Notfall Scheibe einschlagen?

Immer wieder kommen im Sommer Diskussionen darüber auf, ob Passanten im Notfall die Autoscheibe einschlagen dürfen. Hollerbach sagt dazu: „Wenn der Fall wirklich akut ist, also nach Ihrer Einschätzung schon Lebensgefahr für das Kind oder den Hund besteht, dann kann es sogar unbedingt notwendig sein, die Scheibe einzuschlagen und Erste Hilfe zu leisten.“

„Im schlimmsten Fall würden Sie sich eher strafbar machen, wenn Sie die Gefahr erkennen, aber nichts unternehmen.“ - Thomas Hollerbach, Sprecher der Frankfurter Polizei

Das stelle streng betrachtet zwar eine Sachbeschädigung dar, allerdings werde man für diese aufgrund des Rechtfertigenden Notstands nach Paragraph 34 im Strafgesetzbuch in der Regel nicht belangt. „Im schlimmsten Fall würden Sie sich eher strafbar machen, wenn Sie die Gefahr erkennen, aber nichts unternehmen und dann das Kind tatsächlich zu Schaden kommt“, so Hollerbach.

Rechtliche Unterschiede zwischen Kind und Hund

Tatsächlich gibt es in solch einem Fall allerdings rechtliche Unterschiede zwischen einem Kind oder einem Hund in Gefahr. Das bestätigte die Frankfurter Rechtsanwältin Britta Weber bereits 2017 gegenüber Merkurist. Eine Beurteilung der rechtlichen Lage sei immer vom Einzelfall abhängig. Sollte der Hund wirklich in Lebensgefahr sein, müsse man selbst entscheiden, ob man als Passant die Scheibe einschlägt oder nicht. Unterlassene Hilfeleistung gebe es bei Tieren nicht. Man könne höchstens gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, aber auch hier bräuchte es einen Kläger, denn „ohne Kläger kein Richter“, so die Anwältin.

Hollerbach von der Frankfurter Polizei empfiehlt in jedem Fall, auch andere Passanten ins Boot zu holen - sei es, um im Nachgang zu bezeugen, dass ein Notfall vorlag oder um gemeinsam zu helfen. „Vielleicht schafft es ja einer, die Scheibe einzuschlagen, noch bevor die Rettungskräfte vor Ort sind“, so Hollerbach. „Sollte es dann geboten sein, Erste Hilfe zu leisten, empfiehlt es sich, eine telefonische Verbindung mit der Feuerwehr aufrechtzuerhalten, damit die Profis einen bei Unsicherheit durch die Erste-Hilfe-Maßnahmen führen können.“ (pk)

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