Esport in Frankfurt wird immer präsenter

Mit dem 1. EC hat sich erstmals ein reiner Esport-Verein in Frankfurt gegründet. Der Verein will den Breitensport voranbringen und dafür kämpfen, dass Online-Gaming als Sport angesehen wird.

Esport in Frankfurt wird immer präsenter

Was früher als Aktivität von Strebern, sozial scheuen Menschen und Individualisten angesehen wurde, nimmt immer mehr Raum im Leben der Frankfurter ein: der Esport. Nicht nur geben viele Frankfurter die kompetitiven Online-Spiele als Hobby an. Auch in Bus und Bahn sieht man zahlreiche Menschen, die an ihrem Smartphone spielen. So richtig als Sport ernst genommen wird der Esport dennoch nicht. Das möchte der 1. Esport Club Frankfurt e. V. ändern und auch globale Verbände geben ihr Bestes, um das, was hinter geschlossenen Türen passiert, immer mehr in die Öffentlichkeit zu bringen.

Mehr als nur vor dem PC hocken

Der 20-jährige Wladislaw Sadovoy spielt für sein Leben gerne Counter Strike. Doch dabei geht es ihm nicht nur darum, Spaß zu haben. Er möchte besser werden, sich mit anderen messen. „Counter Strike ist Detailarbeit“, sagt der Musik- und Philosophie-Student. Es ginge darum, die Schwachpunkte seiner Gegner herauszufinden und effizient mit seinem Teammitgliedern zu kommunizieren. „Die Absprache ist unheimlich wichtig“, so Sadovoy.

„Wir werden nicht als Sport anerkannt. Das ist uns ein Stein im Weg.“ - Wladislaw Sadovoy, 1. EC Frankfurt

Und das ginge alles besser, wenn man sich persönlich trifft und gemeinsam regelmäßig trainiert. Deshalb hat der 20-Jährige gemeinsam mit anderen Studenten im Dezember 2018 den ersten reinen Esport Verein Frankfurts und der Region gegründet. Das sei auch der nächste logische Schritt gewesen, denn die ursprüngliche Studenten-Initiative sei immer größer geworden. Mehr als 700 Menschen seien auf dem Discord-Server angemeldet. Darunter seien nicht nur Spieler, sondern auch Leute, die einfach so ein Community-Mitglied sein möchten.

Doch die Gründung eines Vereins sei nicht so einfach. Zum einen sei es schwer, in Frankfurt für wenige Geld geeignete Räumlichkeiten zu finden. Zum anderen werde der Verein nicht als gemeinnützig anerkannt. „Wir werden nicht als Sport anerkannt“, sagt Sadovoy. „Das ist uns ein Stein im Weg.“ Denn durch die fehlende Anerkennung habe der Verein finanzielle und steuerrechtliche Nachteile.

„Die kognitive Leistung und mentale Stärke ist mit Leistungssport vergleichbar.“ - Wladislaw Sadovoy, 1. EC Frankfurt

Denn Esportler sehen sich immer noch Vorurteilen ausgesetzt - auch wenn diese nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren sind. „Manche sehen uns als Nerds, Kellerkinder, Dicke, lichtscheue und Fast Food essende Menschen“, nennt Sadovoy einige solcher Klischees. Dabei gelte für den Profi-Esport: „Die kognitive Leistung und mentale Stärke ist mit Leistungssport vergleichbar“, so der Esportler. Dies belegen Studien.

„Das Thema ist schon da, aber so richtig auch noch nicht.“ - Wladislaw Sadovoy, 1. EC Frankfurt

Beim 1. EC Frankfurt soll aber überwiegend Breitensport gefördert werden. „Das Thema ist schon da, aber so richtig auch noch nicht“, sagt Sadovoy. Strukturen seien in der Branche nur wenige vorhanden, alles sehr dezentral organisiert. Das gelte für den Breitensport, Trainerausbildung und generell Anlaufstellen.

Globale Esport-Szene hat Frankfurt auf dem Schirm

Während der 1. EC Frankfurt auf regionaler Ebene versucht, dies aufzubauen, hat sich vor einigen Jahren in Köln ein anderer Verband gegründet, der heute zu den führenden Veranstaltern des Esports weltweit zählt: der Sportverband Electronic Sports League (ESL). Und der Verband hat Frankfurt auf jeden Fall auf dem Schirm, wie ESL-Sprecher Christopher Flato sagt. So veranstaltete der ESL 2014 die erste große Esports-Veranstaltung Europas in der Commerzbank-Arena. Manche der rund 15.000 Zuschauer seien unter anderem aus Ländern wie Australien in die Mainmetropole gekommen, um Profi-Esportler live beim Gaming zu sehen.

„Auch der mobile Esports-Markt wird immer größer.“ - Christopher Flato, ESL-Sprecher

Als Trendspiele nennt Flato immer noch Spiele, wie Dota 2, Counter Strike und League of Legends, die auch in der Commerzbank gespielt wurden. „Dennoch kommen und gehen Spiele“, so der ESL-Sprecher. So seien aktuell Fortnight und Speed sehr beliebt. „Auch der mobile Esports-Markt wird immer größer“, sagt Flato weiter. Beim 1. EC werden zunächst einmal die Spiele Overwatch, Hearthstone, Rocket League, Counter Strike, Pokomon und League of Legends im Fokus stehen. Doch auch ein 14-jähriges Fortnight-Talent, der sich für die diesjährigen Weltmeisterschaften qualifizieren konnte, ist Vereinsmitglied. Laut Savoy ist der Verein aber offen für alle möglichen Spiele.

Gute Prognosen für die Zukunft

Dass der Esport zukünftig immer größer wird, bezweifelt der Student nicht. „Alles, was beim Esport nicht mitmacht, ist nicht dabei und kann nicht mithalten.“ Denn die Digitalisierung schreite schließlich immer mehr voran. Dieser Ansicht ist auch Flato. „Den Prognosen zufolge wird es weiter sehr stark wachsen.“ Und weiter: „Derzeit kommen große Sponsoren wie BMW zu uns, weil sie sich dadurch erhoffen, eine junge Zielgruppe zu erreichen.“ Dies scheint auch die Eintracht erkannt zu haben. „Esports spielt eine entscheidende Rolle in der digitalen Strategie von Eintracht Frankfurt und verbessert den Zugang zu einer hochattraktiven Zielgruppe“, begründet Axel Hellmann, Mitglied des Eintracht-Vorstands, die Expansion des Vereins im Esport.

„Esport ist gekommen, um zu bleiben.“ -Christopher Flato, ESL-Sprecher

Die Fraport Skyliners haben ihr Team nach einer Saison allerdings wieder aufgelöst. Man wolle die Ressourcen des Vereins lieber in anderen Bereichen einsetzten, so die Begründung. Branchenkenner bezweifeln, ob dies die richtige Entscheidung war: „Esport ist gekommen, um zu bleiben“, sagt Flato. (pk)

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