Könnte „Guided Guerilla Gardening“ Frankfurt verschönern?

Obwohl Frankfurt auch für seine Grünflächen bekannt ist, fehlen manchen Menschen Pflanzen im Stadtgebiet. So fragte ein Merkurist-Leser, warum kein „Guided Guerilla Gardening“ in Frankfurt betrieben wird. Wir haben uns umgehört.

Könnte „Guided Guerilla Gardening“ Frankfurt verschönern?

Hier ein Samenkorn fallen lassen, dort eine Blume auf einer öffentlichen Fläche pflanzen; das sogenannte Guerilla Gardening scheint eine einfache Methode zu sein, um etwas mehr Natur in die Stadt zu bringen. Das sieht auch Merkurist-Leser Michael so.

Er fragt in einem Snip, warum das Grünflächenamt in Frankfurt nicht mehr solcher Aktionen fördert und diese mit Hinweisen begleitet. Merkurist hat nachgefragt und sich umgeschaut, welche Projekte es derzeit schon in der Mainmetropole gibt.

Für wildes Gärtner braucht es meist Recherche

Als „Guerilla Gardening“ bezeichnet man ursprünglich das heimliche Aussehen von Samen und Pflanzen im öffentlichen Raum von Großstädten. Der Begriff „Seed Bomb“, eine Mischung aus Pflanzensamen mit Nährboden, hat diese Bewegung geprägt. Der Erfolg einer solchen Samenbombe hängt allerdings von einer guten Recherche zu Bodenqualität, Wasserversorgung und Bleiberecht ab. Seitens des Grünflächenamtes ist es ok, wenn Seedbombs oder Samentütchen verstreut werden. Dabei kann es jedoch leider passieren, dass diese Blumen versehentlich bei Pflegedurchgängen beseitigt werden.

Urban Gardening als Teil der Stadt

Vielleicht liegt es auch daran, dass das wilde Gärtnern in Frankfurt eher selten praktiziert wird. Stattdessen hat sich das urbane Gärtnern entwickelt. „Urban Gardening“, darunter versteht man gemeinschaftliches Gärtnern in urbanen, städtischen Räumen. Die Flächen dafür sind klar definiert, Bodenqualität und Wasserversorgung bestmöglich gesichert. Zudem schließen sich Nachbarn verschiedener Kulturen und Generationen zusammen, um gemeinschaftliche Grünflächen zu pflegen und einen sozialen Begegnungsraum zu schaffen. Viele möchten dabei Lebensmittel für den eigenen Verzehr anpflanzen und ihre Umwelt nachhaltig gestalten.

„Wir haben jedoch so genannte ,Piratenbeete’, in die jeder ein- und auspflanzen kann, wie es gefällt.“ - Jessica Wiegand, „Gallus Garten“

Als erfolgreiches Projekt geht dabei beispielsweise der „Gallus Garten“ voran. Seit 2016 sind dort Pflanzencontainer mit Gemüse angesiedelt. Dahinter steht eine Initiative die vom Verein „Kinder im Zentrum Gallus“ getragen wird. Dabei sind die Mitglieder nicht nur auf eine ertragreiche Ernte aus, sondern möchten vielmehr einen Ort der Begegnungen mit Austausch und Aktionen schaffen. „Bei uns im Gallus Garten bepflanzt jeder Hobbygärtner sein eigenes Beet“, beschreibt Jessica Wiegand, Initiatorin des „Gallus Garten“. „Wir haben jedoch sogenannte ,Piratenbeete’, in die jeder ein- und auspflanzen kann, wie es gefällt sowie Gemeinschaftsflächen, um die wir uns nach Absprache zusammen kümmern.“

„Man darf beispielsweise nicht einfach in den Boden pflanzen, da Altlasten aus der Kriegszeit vergraben sein könnten.“ - Jessica Wiegand. „Gallus Garten“

Damit Pflanzen wachsen bedarf es laut Wiegand einer guten Planung: „Es ist hilfreich, wenn die Grundstrukturen beim Urban Gardening hauptamtlich begleitet werden. Man darf beispielsweise nicht einfach in den Boden pflanzen, da Altlasten aus der Kriegszeit vergraben sein könnten“, gibt sie angehenden Gärtnern mit auf den Weg. „Aus diesem Grund sind Hochbeete jeglicher Form auch meist die Grundvoraussetzung für urbane Gartenprojekte auf öffentlichen Flächen. Dabei ist es sinnvoll, mit den entsprechenden Ämtern zu kooperieren.“

Anfrage an Grünflächenamt erforderlich

Dies ist unter anderem der Grund, warum Hobbygärtner, die öffentliche Flächen bepflanzen, zuerst eine Erlaubnis beim Grünflächenamt benötigen. „Wir schauen uns an, ob sich die Fläche für ein Gartenprojekt eignet“, erklärt Simone Jacob vom Grünflächenamt. Schließlich seien manche Anlagen denkmalgeschützt oder müssen als Rettungswege frei bleiben. Auch müsse geklärt werden, wie die Beete mit Wasser versorgt werden können.

Hilfreich für das Grünflächenamt sei es zudem, wenn die Initiatoren schon Vorstellungen davon haben, ob auch Anwohner aus der Nachbarschaft Interesse am Mitgärtnern haben und wie sich das Team organisiert, zum Beispiel beim Wässern der Pflanzen oder Ernten des Ertrags. „Wenn die Rahmenbedingungen stehen, unterstützen wir gerne bei den Formalitäten“, beschreibt Jacob.

„Das Grünflächenamt wird nicht selbst aktiv, denn die Initiative sollte stets von den Gärtner ausgehen.“ - Simone Jacob, Grünflächenamt

Selbst von sich aus aktiv wird das Grünflächenamt jedoch nicht. Auf die Frage, ob sich Vertreter des Amtes vorstellen können, geführtes Guerilla oder Guided Gardening anzubieten, äußert sich Jacob gegenüber Merkurist mit einem klaren „Nein“. „Das Grünflächenamt wird nicht selbst aktiv, denn die Initiative sollte stets von den Gärtner ausgehen“, erklärt sie. „Wir unterstützen aber gerne bei der Vorbereitung und später bei der Logistik, zum Beispiel beim Transport von Pflanzerde.“ (ab/lo)

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