„Aktenzeichen XY...ungelöst“: Das blutige Auto auf dem Conti-Parkplatz

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ im ZDF standen immer wieder Fälle aus Frankfurt im Mittelpunkt. Manche konnten durch Hinweise der Zuschauer gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen der Fälle vor.

„Aktenzeichen XY...ungelöst“: Das blutige Auto auf dem Conti-Parkplatz

Ob Betrug, Raub oder Mord: Seit mittlerweile 53 Jahren unterstützt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Ermittler dabei, Verbrechen aufzuklären. In mehr als 500 Folgen wurden mehr als 4600 Fälle gezeigt. Auch Fälle aus Frankfurt standen immer wieder im Mittelpunkt. Einer davon ist das Verschwinden einer jungen Frau aus Wetzlar, deren Auto schließlich - ohne sie - in Frankfurt auftauchte.

Das blutige Auto auf dem Conti-Parkplatz

„Alle Indizien deuten darauf hin, dass sie ermordet wurde.“ - Moderator Eduard Zimmermann

Gezeigt wurde der Fall in der Sendung am 15. Januar 1982. Zu diesem Zeitpunkt ist die damals 20-jährige Heidelore K. seit rund vier Monaten spurlos verschwunden. Und die Hoffnung der Ermittler, die junge Frau noch lebend zu finden, geht Richtung Null. „Alle Indizien deuten darauf hin, dass sie ermordet wurde“, sagt Moderator Eduard Zimmermann zu Beginn des Beitrags. Und es gibt einen Verdächtigen der bereits in Untersuchungshaft sitzt. Doch die Ermittler kommen nicht weiter.

Im Film wird Heidelore K. am Tag ihres Verschwindens gezeigt - dem 4. September 1981. Vor Feierabend spricht sie kurz mit einer Arbeitskollegin, der sie auch von ihrem Exfreund erzählt. „Der spinnt nur noch rum, seit ich Schluss gemacht hab mit ihm“, sagt sie, „und nachspionieren tut er mir auch.“ Auf den Rat der Kollegin, ihn zu konfrontieren, reagiert Heidelore K. zurückhaltend und sagt, dass sie langsam Angst vor ihm bekommt. Zurecht, wie es scheint.

Ex-Freund im Visier der Ermittler

Denn Heidelore K., die vom Büro aus mit ihrem recht auffälligen schwarzen Opel Ascona zu ihrem neuen Freund fahren will, kommt dort nie an. „Sie ist bis heute verschwunden“, sagt der Sprecher des Filmbeitrags. Ihr Freund meldet sie am folgenden Tag als vermisst und erwähnt schon zu diesem Zeitpunkt die Probleme mit dem Exfreund. „Er belästigt sie andauernd und er hat sie auch schon bedroht“, sagt er.

Die Kripo vernimmt den verdächtigen Exfreund, der streitet aber zunächst ab, Heidelore K. am Tag ihres Verschwindens gesehen zu haben. Dann melden sich jedoch mehrere Zeugen, die ihm widersprechen und die ihn mit der Vermissten gesehen haben. Beide Autos, ihr Ascona und sein gelber Kadett, hatten hinter einer Einbiegung gestanden, wo die beiden augenscheinlich miteinander sprachen, gibt ein Autofahrer an.

Auch eine Gruppe Schüler ist an den Autos vorbeigekommen und hat Merkwürdiges beobachtet: Zur Fahrertür des Asconas hätten Frauenbeine herausgehangen, der Mann auf dem Beifahrersitz habe sich komisch über sie gebeugt. Die Schüler liefen weiter und hätten einen Schrei gehört. Als sie später denselben Weg zurück liefen, sei der Ascona verschwunden gewesen - nur der Kadett stand noch da, leer.

Auto taucht in Frankfurt auf

Der Wagen der Vermissten wird kurze Zeit später in Frankfurter gefunden, nahe des Hauptbahnhofs, „auf dem sogenannten Conti-Parkplatz“, so der Aktenzeichen-Sprecher. Ein Parkplatzwächter hatte ihn schon in der Nacht nach dem Verschwinden der jungen Frau entdeckt, aber erst wenige Tage später gemerkt, dass der Wagen nicht abgesperrt ist und die Schlüssel stecken. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich dem Parkwächter und den dazugerufenen Polizisten dann Schreckliches.

„Kein Zweifel, in dem Wagen hat ein Kampf stattgefunden.“ Polizist im Film

Im Wagen klebt Blut. „Kein Zweifel, in dem Wagen hat ein Kampf stattgefunden“, sagt einer der Polizisten im Film. Auch ein Fußabdruck prangt an der Decke im Wageninneren. Die Handtasche der Vermissten liegt ebenfalls im Auto, genau wie ihre Schuhe. Mit dem Fund des Autos schrumpft die Hoffnung darauf, Heidelore K. wiederzufinden, weiter.

Kripo fehlen die Anhaltspunkte

„Die Polizei hat den Verdächtigen mehrmals vernommen, herausgekommen ist dabei leider nur Zwiespältiges“, sagt Moderator Zimmermann. Ein Beamter der Kripo erzählt, dass der Verdächtige zwar zugegeben habe, sie gesehen zu haben, aber noch immer bestreitet, etwas mit ihrem Verschwinden zu tun zu haben.

Da der Kripo Anhaltspunkte fehlen, sucht sie in der Sendung nach Zeugen, die Heidelore K.s Wagen auf dem Weg von Wetzlar nach Frankfurt gesehen haben oder wissen, wer den Wagen in Frankfurt geparkt hat. Und: Die Beamten suchen nach Autofahrern, die möglicherweise jemanden in der Tatnacht per Anhalter von Frankfurt nach Wetzlar mitgenommen haben. 10.000 Deutsche Mark sind auf Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen.

Zeuge meldet sich nach Sendung

Und tatsächlich meldet sich nach der Sendung jemand bei der Kripo, der den Exfreund zu diesem Zeitpunkt mit nach Wetzlar genommen hat. Für die Kripo schließt sich damit, so Zimmermann in der Folgesendung im Februar 1982, die Beweiskette.

Heidelore K.s Leiche wurde wenig später in einem Wald bei Wetzlar gefunden - dort hatte der Exfreund die Beamten hingeführt, wie Zimmermann in seinem Buch „Gib dem Verbrechen keine Chance“ schreibt. Der Mann wurde 1983 zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Lest hier Teil 1 , 2 , 3 , 4, 5 und 6 unserer Serie. (lo)

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