„Aktenzeichen XY...“: Vergewaltigungs-Serie im Flughafen-Parkhaus

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen immer wieder Fälle aus Frankfurt im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten durch Zuschauerhinweise gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen der gelösten Fälle vor.

„Aktenzeichen XY...“: Vergewaltigungs-Serie im Flughafen-Parkhaus

Ob Betrug, Raub oder Mord: Seit 53 Jahren unterstützt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ Ermittler dabei, ungeklärte Verbrechen zu lösen. In mehr als 500 Episoden der Sendung wurden seitdem mehr als 4600 Fälle gezeigt. Auch Fälle aus Frankfurt standen dabei immer wieder im Mittelpunkt der Ermittlungen. Einer davon ist eine Vergewaltigungs-Serie in Frankfurt, die Ende der Neunzigerjahre das gesamte Rhein-Main-Gebiet erschütterte.

Serien-Vergewaltiger im Flughafen-Parkhaus

„Zehn Mal ist er hier über Frauen hergefallen — mindestens.“ - Moderator Butz Peters

Der Fall wurde in der Sendung vom 7. Mai 1999 aufgegriffen. Schauplatz des Beitrags ist der Frankfurter Flughafen, genauer: das Parkhaus im Terminal 1. „Ausgerechnet diesen belebten Ort hat sich ein Sexualstraftäter für seine Verbrechen ausgesucht“, sagt Moderator Butz Peters in der Sendung. „Zehn Mal ist er hier über Frauen hergefallen — mindestens.“ Die Polizei befürchte, dass die Dunkelziffer noch höher liegt.

Der Film zum Fall zeigt den Beginn der grausamen Serie Anfang Juni 1998. Die Kriminalpolizei vermutet, dass der Täter seine Opfer nahe der Kassenautomaten ausspäht, um zu sehen, welche Frauen allein unterwegs sind. Dort lauert der Unbekannte auch seinem ersten Opfer auf, einer 32-Jährigen, die gerade ihren Koffer im Auto verstaut.

Zwei Opfer innerhalb von acht Stunden

„Wenn du dich wehrst, bring ich dich um.“ - Täter im Film-Beitrag

Sie kramt bei offener Autotür in ihrer Handtasche, als der Mann sie plötzlich packt und an sich drückt. „Wenn du dich wehrst, bring ich dich um“, sagt er im Film. Im letzten Moment lässt er von ihr ab und läuft davon. Die Frau ist allerdings so schockiert, dass sie den Vorfall erst am nächsten Morgen meldet.

Sein nächstes Opfer sucht der Unbekannte sich nur acht Stunden später ebenfalls im Parkhaus . Von ihr lässt er im Gegensatz zu seinem ersten Opfer aber nicht ab. Zuvor waren sich beide im Aufzug begegnet. „Die Frau wird später angeben, der Mann im Fahrstuhl habe einen gepflegten und netten Eindruck gemacht“, sagt die Sprecherin des Beitrags. Kurz darauf steigt er in ihr Auto, bedroht sie mit einem Messer und vergewaltigt sie.

Sechs Überfälle in drei Wochen

Ein weiteres Opfer, eine 35-Jährige, meldet sich am nächsten Tag bei der Polizei. Auch sie war im Parkhaus vom Täter überfallen worden. Mit ihr erstellen die Beamten ein erstes Phantombild. Zwar kann die Kriminalpolizei damit ihre Ermittlungen intensivieren, in den nächsten Tagen gibt es dennoch zwei weitere Vorfälle. Bei einem davon vergewaltigt er eine Mutter, die gerade ihr Neugeborenes ins Auto gepackt hat.

Die bisherige Erkenntnis der Polizei: Der Täter kennt die Wege auf dem Parkhausgelände sehr genau, besonders die Notausgänge. Doch auch diese Information und der Einsatz von Lockvögeln bringt keinen Erfolg. Nach sechs Überfällen in nur drei Wochen hört die Serie schlagartig auf. Nur um dreieinhalb Wochen später mit zwei Fällen in Sachsenhausen weiterzugehen.

Schülerin Zuhause überfallen

Dort wird unter anderem eine 18-jährige Schülerin Opfer des Mannes. Er klingelt an der Haustür. Nachdem er zunächst nach einem Telefon fragt, stößt er die Tür auf und überfällt sie. Zehn Minuten lang ist sie laut des Beitrags in seiner Gewalt, bevor er von ihr ablässt und flüchtet. Das Telefon nimmt er mit.

Nach dieser letzten Tat ist der Täter ein halbes Jahr wie vom Erdboden verschluckt - bis Anfang Februar 1999 vier weitere Übergriffe im Parkhaus stattfinden. In der Aktenzeichen-Sendung zu Gast ist Kriminaloberkommissar Karl-Heinz Kasperczyk von der Kriminalpolizei Frankfurt.

„Je mehr Frauen sich melden, desto mehr kann man über den Täter herausfinden.“ - Karl-Heinz Kasperczyk, Kripo Frankfurt

Er appelliert an mögliche weitere Opfer des Unbekannten: „Als Betroffene muss man bedenken, Vergewaltigungen werden oft von Wiederholungstätern begangen.“ Der Verzicht auf eine Anzeige erhöhe die Gefahr für weitere Übergriffe. „Und: Je mehr Frauen sich melden, desto mehr kann man über den Täter herausfinden und desto größer wird die Chance, ihn zu fassen“, so der Kommissar.

Täter geht Fahndern am Tatort ins Netz

Bei ihrer Fahndung in der Sendung setzt die Kriminalpolizei vor allem auf ein Phantombild des Mannes mit den dunklen welligen Haaren. Für Hinweise ist eine Belohnung von 8000 Deutsche Mark ausgesetzt. Erfolg haben die Ermittler jedoch wenig später mit einer anderen Methode.

Wie zwei Sendungen später, am 16. Juli 1999, berichtet wird, wurde das Parkhaus nach der Sendung verstärkt bewacht. „Tatsächlich ist der Kripo dabei ein 23-jähriger Mann ins Netz gegangen, dem jetzt mehrere Straftaten aus der Serie nachgewiesen werden konnten“, teilt Moderator Peters mit.

Medienberichten zufolge wurde dem Mann ein Jahr später in Frankfurt der Prozess gemacht. Er wurde zu zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der Grund, weshalb er sich so gut im Parkhaus auskannte: Er hatte zuvor offenbar eine Ausbildung auf dem Flughafengelände gemacht.

Lest hier Teil 1, 2, 3, 4 und 5 unserer Serie. (lo)

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