„Aktenzeichen XY...ungelöst“: Der Tote in der Zinkwanne

In mehr als 500 Episoden „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen immer wieder Fälle aus Frankfurt im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten durch die Sendung gelöst werden. Doch andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen dieser Fälle vor.

„Aktenzeichen XY...ungelöst“: Der Tote in der Zinkwanne

Seit 53 Jahren hilft das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ Ermittlern bei der Aufklärung von Verbrechen. Mehr als 500 Episoden mit über 4600 Fällen wurden seitdem gezeigt. Auch Fälle aus Frankfurt standen immer wieder im Mittelpunkt. Einer davon ist der Mord an einem jungen Frankfurter, der offenbar bis heute nicht geklärt wurde.

Der Tote in der Zinkwanne

Behandelt wird der Fall in der Sendung vom 16. Juni 1972. Es ist Ende September 1971, als ein Ehepaar aus dem Städtchen Niederreifenberg im Taunus an der frischen Luft unterwegs ist. Ihr Spaziergang führt sie auch auf einen neuen Parkplatz. Doch was sie sehen, ärgert sie. Es scheint, als hätte jemand seinen Müll, eine alte Zinkwanne, dort abgelegt. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich den beiden jedoch ein grausiger Anblick.

„Warum sollte der Täter das machen?“ - Polizisten im Filmbeitrag

Unter der umgedrehten Wanne steht eine Hand hervor. „Emmi, das muss ein Mensch sein“, ruft der Mann im Filmbeitrag. Das Ehepaar holt die Polizei, die schließlich die nackte und zerstückelte Leiche eines jungen Mannes findet - ohne Kopf. „Warum sollte der Täter das machen?“, fragen sich die Beamten. Um eine mögliche Identifizierung des Opfers zu verhindern? Sie beschließen, die Umgebung nach dem Kopf zu durchsuchen. Und werden rund 40 Meter vom Fundort der Wanne im Laub fündig.

Zeuge liefert wichtigen Hinweis

Doch identifizieren können die Beamten das Opfer vorerst nicht. Stattdessen meldet sich ein Zeuge: Er hat einen Bekannten aus Frankfurt wenige Tage vor dem Leichenfund auf eben diesen Parkplatz gefahren. Und er erzählt noch mehr.

Der Bekannte, Friedrich S., soll sich vom Zeugen einen Koffer geliehen haben, den er in seiner Wohnung befüllt und dann mit einem weiteren, augenscheinlich schweren Koffer ins Auto geladen haben soll. Auf dem Parkplatz angekommen habe S. den Zeugen für eine Dreiviertelstunde weggeschickt, nur um später mit zwei leeren Koffern und sichtlich aufgewühlt wieder in den Wagen zu steigen.

Blut in der Wohnung

„Du solltest die Schnauze halten.“ - Verdächtiger im Filmbeitrag

Auf der Rückfahrt soll S. dann die Nerven verloren haben. „Du solltest die Schnauze halten, niemand darf erfahren, dass wir hier hergefahren sind“, sagt S. im Filmbeitrag. „Die haben mich reingelegt. In den Koffern waren Leichenteile.“ Erst, als er in der Zeitung vom Leichenfund erfuhr, habe der Zeuge das ernst genommen. Auf seinem Koffer entdeckte er dann Blutspuren.

Blutspuren derselben Blutgruppe findet die Polizei kurze Zeit später auch in Friedrich S. Wohnung. Doch der mittlerweile Tatverdächtige macht nur lückenhafte Aussagen, die Polizei und Staatsanwaltschaft nicht weiterbringen. „Sie muss sich bei ihrer Suche nach der Wahrheit deshalb an die Öffentlichkeit wenden“, erklärt Moderator Eduard Zimmermann.

Verschwunden nach dem Fußballspiel

Identifiziert wird der Tote sechs Wochen nach dem Leichenfund. Ein Patient erkennt auf einer von der Polizei veröffentlichten Zeichnung Alexander O., einen 15-jährigen Frankfurter, der vor seinem Verschwinden mit ihm im Krankenhaus lag. An einem Tag, an dem beide das Krankenhaus verlassen durften, waren sie ins Waldstadion gefahren, um sich Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC anzusehen. Doch nur einer von ihnen kehrte in die Klinik zurück.

„Wo er sich dann aber jeweils aufgehalten hat, konnten wir bis heute nicht genau feststellen.“ - Kommissar Wolff, LKA

Alexander O. verschwand, wie der Zeuge erzählt, in der Halbzeit und kam nicht mehr wieder. Das war acht Tage vor dem Leichenfund. Wo Alexander O. war, bleibt ein Rätsel. „Wir wissen zwar, dass der junge Mann in den letzten sechs Monaten vor seinem Tode sein Elternhaus in Frankfurt mehrmals für längere Zeit verlassen hatte“, sagt Kriminalkommissar Wolff vom Landeskriminalamt in Wiesbaden im Aktenzeichen-Studio. „Wo er sich dann aber jeweils aufgehalten hat, konnten wir bis heute nicht genau feststellen.“

Steckte eine „Männerbekanntschaft“ dahinter?

„Alexander O. neigte dazu, in Gaststätten Männerfreundschaften anzuknüpfen.“ - Kommissar Wolff, LKA

Nur eines wissen die Ermittler: „Alexander O. neigte dazu, in Gaststätten Männerfreundschaften anzuknüpfen“, sagt Wolff. Er könnte deshalb bei solchen Bekannten übernachtet haben. Aber wo war Alexander O. nach dem Fußballspiel? Weitere Vernehmungen des Verdächtigen bringen die Polizei nicht weiter. Die einzige Erkenntnis: S. gibt zu, den Toten gekannt zu haben. Er bestreitet aber, ihn nach dem Spiel und vor dem Leichenfund gesehen zu haben.

Die Ermittler suchen in der Sendung deshalb nach Zeugen, die die Personen zwischen dem Fußballspiel und dem Leichenfund gesehen haben. Für Hinweise, die zur Lösung des Falls beitragen, sind damals 6000 D-Mark ausgesetzt.

Doch auch heute, knapp 49 Jahre später, ist der Fall offenbar ungeklärt. Weder dem LKA, noch dem Hauptstaatsarchiv oder der Frankfurter Staatsanwaltschaft liegen Akten zum Fall vor. Einem Spiegel-Bericht zufolge stand Friedrich S. wegen Totschlags vor Gericht, wurde aber freigesprochen. Es ist gut möglich, dass derjenige, der weiß, was mit Alexander O. geschah, sein Geheimnis längst mit ins Grab genommen hat. (mr)

Hier findet Ihr Teil 1, Teil 2 und Teil 3 unserer Serie.

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