„Aktenzeichen XY...ungelöst“: Mord in der Bürostadt

In mehr als 500 Episoden „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen auch einige Fälle aus Frankfurt im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten durch die Sendung gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen der Fälle vor.

„Aktenzeichen XY...ungelöst“: Mord in der Bürostadt

Seit 53 Jahren hilft das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ Ermittlern dabei, Verbrechen wie Mord, Raub oder Vergewaltigung aufzuklären. In mehr als 500 Episoden wurden seitdem über 4600 Fälle gezeigt. Auch Fälle aus Frankfurt standen dabei immer wieder im Mittelpunkt. Einer davon ist der grausame Mord an einer jungen Frankfurterin in Niederrad mit einer vorangegangenen Vergewaltigung.

Sexual-Mord in der Bürostadt

„Viele tausend Frauen sind seitdem verunsichert“ - Eduard Zimmermann, Moderator

Dieser wird in der Sendung vom 12. Juni 1987 vorgestellt. Es ist Anfang Dezember 1986, als in Niederrad ein Verbrechen passiert, das in der Bevölkerung für Angst sorgt: Nach mehreren versuchten Übergriffen auf Frauen wird eine 26-Jährige vergewaltigt und getötet. „Viele tausend Frauen sind seitdem verunsichert, denn die Taten wurden alle in unmittelbarer Nähe ihres Arbeitsplatzes verübt“, sagt Moderator Eduard Zimmermann.

Der Tatort ist die Bürostadt in Niederrad. Schon 1986 arbeiteten dort um die 20.000 Menschen. „Tagsüber herrscht hier reger Verkehr“, sagt die Sprecherin des Filmbeitrags. „Doch schon bald nach Geschäftsschluss sind die Straßen zwischen den Hochhäusern menschenleer.“ Ein Zustand, der einer jungen Frau zum Verhängnis werden soll.

Drei Angriffe innerhalb von 24 Stunden

Am 3. Dezember 1986 verlässt Monika S. das Büro und entscheidet sich an der Straßenbahn-Haltestelle, 600 Meter die Lyoner Straße entlang zur S-Bahn-Station zu laufen. Plötzlich springt ein Mann aus dem Gebüsch und reißt sie zu Boden. Zu ihrem Glück schreiten Passanten ein, der Mann flieht. Zwanzig Minuten später wiederholt sich der Vorfall: S. Kollegin wird auf dem Weg zur S-Bahn-Station ebenfalls angegriffen, der Mann flieht aber. Ob es sich um denselben Angreifer handelt, ist unklar.

Einen Tag später, am 4. Dezember 1986, muss Übersetzerin Christiane F. Überstunden machen. Auch sie arbeitet in der Bürostadt. Während sie normalerweise von einer Kollegin im Auto mit zum S-Bahnhof genommen wird, muss F. an diesem Abend gegen 18:30 Uhr zur Haltestelle laufen. Weil sie nicht auf die Straßenbahn warten will, so vermuten die Ermittler, macht sie sich zu Fuß auf den Weg. Und wieder greift ein Mann aus dem Gebüsch an.

Unmittelbar neben dem Gehweg vergewaltigt

Diesmal wird der Täter nicht gestört. „Zum dritten Mal innerhalb von 24 Stunden wird eine Angestellte aus der Bürostadt an nahezu derselben Stelle überfallen“, sagt die Sprecherin des Beitrags. „Diesmal mit tödlichem Ausgang.“ Am darauffolgenden Tag um die Mittagszeit entdeckt ein Angestellter aus seinem Büro im achten Stock die nackte Leiche der jungen Frau im Gebüsch. Wie die Ermittlungen ergeben, wurde Christiane F. unmittelbar neben dem Gehweg im Gebüsch vergewaltigt und dann mit ihrem Schal erdrosselt.

„Wahrscheinlich hat sie nicht einmal mehr um Hilfe rufen können“ - Kommissar im Film-Beitrag

Für die Ermittler ist klar: Eine Chance hatte die junge Frau nicht. „Wahrscheinlich hat sie nicht einmal mehr um Hilfe rufen können“, sagt einer der Kommissare im Film. Die Kriminalpolizei steht vor einem Rätsel: Die bereits angezeigten Übergriffe vom Vorabend des Mordes unterscheiden sich in den Personenbeschreibungen stark. Und auch am Tatort gibt es keine heiße Spur. „Deshalb griff die Mordkommission nach ein paar Tagen zu einem recht unkonventionellen Fahndungsmittel“, sagt Eduard Zimmermann.

Kripo schaltet Durchsagen in den Bussen

Mit Durchsagen in Bussen und Straßenbahnen in Niederrad informiert die Kriminalpolizei über den Mord und sucht Zeugen. Mit Erfolg: Ein junger Mann meldet sich. Der Mann, der der Polizei als Autoradio-Dieb bekannt ist, gibt an, am Tatabend unterwegs gewesen zu sein - um auf dem Parkplatz des nahgelegenen Arabella-Hotels Autos zu knacken. Auf dem Weg zur S-Bahn-Station sei ein Mann aus der Hecke gestürzt - und nach einigen Sekunden Richtung Bahnhaltestelle gelaufen.

Der Zeuge, das stellt Moderator Zimmermann klar, komme laut Polizei nicht als Täter in Frage. Aber er habe eine gute Beobachtungsgabe. Er beschreibt den Mann als etwa 30 bis 35 Jahre alt, circa 1,80 Meter groß und sportlich mit dunkelbraunen kurzen Haare. Auffällig seien ein rötlicher Fleck auf der rechten Wange und ein Marihuana-Blatt-Ohrstecker gewesen. Der beschriebene Mann habe außerdem eine Tarnjacke mit „US-Army“-Aufnäher und dunkle Wildlederschuhe getragen. Eine detaillierte Beschreibung, die mit den Angaben der beiden Frauen nicht zusammenpasst.

Bis heute ungeklärt

Zum Zeitpunkt der Sendung rund sieben Monate nach dem Mord hatte die Polizei rund 1500 Spuren ausgewertet. „Allerdings ohne positives Ergebnis“, sagt Zimmermann. Die Kriminalpolizei hoffte durch die Ausstrahlung auf weitere Zeugen. Vor allem damalige Gäste des Arabella-Hotels könnten etwas mitbekommen haben.

Insgesamt 12.500 D-Mark waren auf Hinweise, die zur Klärung beitragen, ausgelobt. Doch das Geld bekam niemand. Bis heute, das bestätigt die Polizei auf Merkurist-Anfrage, ist nicht bekannt, wer Christiane F. vergewaltigt und ermordet hat - und ob es sich bei den Angriffen zuvor um denselben oder weitere Täter gehandelt hat.

Vor kurzem haben wir Euch zwei andere Frankfurter Fälle von „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorgestellt: Die Leiche im Flughafen-Parkhaus und Die tote Frau ohne Gesicht. (lo)

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