„Aktenzeichen XY...ungelöst“: Die verweste Leiche im Flughafen-Parkhaus

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen einige Fälle aus Frankfurt im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen dieser Fälle vor.

„Aktenzeichen XY...ungelöst“: Die verweste Leiche im Flughafen-Parkhaus

Ob Betrug, Raub oder Mord: Seit 1967 unterstützt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ Ermittler dabei, Verbrechen aufzuklären. „XY“ gehört damit zu den erfolgreichsten Formaten im deutschen Fernsehen. In mehr als 500 Episoden wurden seit dem über 4600 Fälle gezeigt, etwa 40 Prozent von ihnen wurden laut ZDF aufgeklärt.

In den 53 Jahren seit der Premiere standen auch immer wieder Fälle aus Frankfurt im Mittelpunkt der Sendung. Bei Mord- und Raubfällen sowie Einbrüchen baten Ermittler das Fernsehpublikum um Hilfe. Wir stellen Euch in loser Reihenfolge einige der bewegendsten Fälle vor. Den Start macht ein Fall aus dem Jahr 1990.

Leiche im Flughafen-Parkhaus

So zum Beispiel die Sendung vom 11.01.1991. Als zwei Polizisten am 22. März 1990 in einem Parkhaus am Frankfurter Flughafen eine Routine-Streife fahren, wird einer von ihnen stutzig. Auf einer der Ebenen steht seit mehr als einem Monat ein grauer Peugeot. Grundsätzlich ist das nicht ungewöhnlich: Einige Fluggäste lassen ihre Autos auch während längerer Reisen am Flughafen stehen. Doch das Bauchgefühl des Polizisten stimmt.

Nachdem das Kennzeichen des Autos noch vor Ort überprüft wird, stellt sich heraus, dass der Besitzer, Gerhard H., schon seit Januar 1990 vermisst wird. Als einer der Polizisten schließlich aus dem Wagen steigt, fällt ihm etwas auf: Aus dem Peugeot dringt Verwesungsgeruch. Schließlich rückt die Feuerwehr an, öffnet den Kofferraum des Wagens — und den Einsatzkräften bietet sich ein grausames Bild: Im Kofferraum liegt die Leiche des Vermissten Gerhard H., nur in Unterwäsche und mit mehreren Schusswunden.

Telefonat als letztes Lebenszeichen

Im Filmbeitrag von „Aktenzeichen XY…ungelöst“ wird H. genauer vorgestellt. Der 52-jährige Unternehmer lebt zum Zeitpunkt seines Verschwindens mit seinem erwachsenen Sohn in einem Haus im Westerwald, ist geschieden und trifft sich regelmäßig mit verschiedenen Frauen. Am Abend seines Verschwindens verabschiedet sich sein Sohn zum Skat spielen. H. letztes Lebenszeichen: ein Telefonat mit einer Frau. Ein späteres Telefonat, zu dem beide verabredet waren, nimmt H. schon nicht mehr an.

Zwischen 18 und 22 Uhr soll er das Haus verlassen haben, das Ziel ist nicht bekannt. Mit dabei hatte H. laut Polizei ein Portemonnaie mit 6000 D-Mark und seinen Revolver. Das Auto legt in dieser Nacht rund 200 Kilometer zurück, von H.s Wohnort zum Flughafen sind es allerdings nur rund 115 Kilometer. Am anderen Morgen wird der Peugeot zwischen 6 und 7 Uhr im Parkhaus am Frankfurter Flughafen abgestellt. Zu diesem Zeitpunkt muss H. schon tot im Kofferraum gelegen haben.

Zeugen melden sich nach der Sendung

„Die Schusskanäle lassen darauf schließen, dass das Opfer im Liegen erschossen worden ist.“ Monika Schmirl, LKA Wiesbaden

Tatort und Motiv sind zum Zeitpunkt der Sendung, knapp ein Jahr später, noch immer völlig unklar. Sicher sei nur eines: H. wurde mit vier Schüssen erschossen. „Die Schusskanäle lassen darauf schließen, dass das Opfer im Liegen erschossen worden ist“, so Hauptkommissarin Monika Schmirl vom Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden.

Über die Sendung suchen Polizei und LKA im Januar 1991 deshalb nach Zeugen und Personen, die Hinweise auf den Wagen H.s geben können. Tatsächlich melden sich Zuschauer, die den Wagen in der Nacht des Verschwindens nahe Höchst gesehen haben, sogar beinahe mit ihm zusammengestoßen wären. Das erzählt XY-Moderator Eduard Zimmermann in der Folgesendung. Eine heiße Spur ergibt sich aber nicht.

Späte Aufklärung

Aufgeklärt wird der Fall erst mehr als sieben Jahre nach der Tat: Wie Zimmermann in der Sendung vom 21.03.1997 mitteilt, geriet der Sohn des Getöteten im Herbst 1996 ins Fadenkreuz der Ermittler. Er soll den Vater im Streit erschossen und die Leiche mit zwei Freunden abtransportiert haben. Die Freunde können schließlich von der Polizei ausfindig gemacht werden. Sie bestätigen den Verdacht.

Am 23. April 1998 schließlich fällt die Jugendstrafkammer in Koblenz das Urteil, allerdings nach Erwachsenenstrafrecht. Der Angeklagte muss laut eines Berichts der Koblenzer Rhein-Zeitung ins Gefängnis. Er wird wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt.

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