Wer darf günstiger wohnen?

Wer nicht viel verdient, findet nur schwer bezahlbaren Wohnraum in Frankfurt. Um dieses Problem zu entschärfen, wird der Wohnberechtigungsschein vergeben. Aber was ist das und wer bekommt ihn überhaupt?

Wer darf günstiger wohnen?

Was ist der Wohnberechtigungsschein?

Frankfurt ist eine teure Stadt - Haushalte mit geringem Einkommen können da nur selten Wohnungen mieten, die groß genug für zwei oder mehr Personen sind. Manchmal ist jedoch auch das Wegziehen aus Frankfurt keine Lösung, weil sich dort das soziale Umfeld oder der Job befindet. Daher fördert die Stadt Frankfurt Wohnungen und ermöglicht somit geringere Mietpreise in ausgewählten Objekten. Mieten dürfen diese Wohnungen jedoch nur Menschen, die über einen Wohnberechtigungsschein verfügen.

Wie bekomme ich einen Wohnberechtigungsschein?

Grundsätzlich erhalten nur Haushalte, deren Jahreseinkommen die Höchstgrenzen nach der Hessischen Verordnung zur Durchführung des Wohnraumförderungsgesetzes nicht überschreitet einen Wohnberechtigungsschein. „Das bedeutet aber auch, dass die Haushalte ihre Einkommensverhältnisse offenlegen müssen“, so Mark Gellert, der Pressesprecher des Frankfurter Dezernats für Planen und Wohnen. Dann entscheiden die nackten Zahlen: Grundsätzlich gilt, dass ein Ein-Personen-Haushalt mit einem ungefähren Jahresbruttoeinkommen von bis zu 22.000 Euro dazu berechtigt ist einen Wohnberechtigungsschein zu erhalten.

„Das bedeutet aber auch, dass die Haushalte ihre Einkommensverhältnisse offen legen müssen“ - Mark Gellert, Pressesprecher Dezernat IV

Bei einem Zwei-Personen-Haushalt erhöht sich die Vorraussetzung auf 33.200 Euro und danach mit jeder weiteren Person um 7550 Euro. Jedes Kind erhöht die Grenze um weitere 930 Euro. Das bedeutet, eine Familie mit Vater, Mutter und zwei Kindern wäre bis zu einem Jahresbruttoeinkommen von 35.060 Euro berechtigt einen Antrag auf einen Wohnberechtigungsschein zu stellen. Dafür müssen sich die Wohnungssuchenden beim Amt für Wohnungswesen registrieren und werden von dort vermittelt. Dies gilt jedoch nur für Wohnberechtigung Stufe 1, auch Förderweg 1 genannt.

Was ist „Stufe 2“ bei einem Wohnberechtigungsschein?

Bis zum Dezember 2014 waren nur Haushalte mit geringem Einkommen berechtigt, eine Sozialwohnung zu beziehen. Zwar wurden die hessischen Einkommensgrenzen 2014 erhöht, sie liegen aber weiterhin im Ländervergleich nur im unteren Bereich. Vor allem in Südhessen haben auch Haushalte, deren Einkommen geringfügig über den Einkommensgrenzen liegt, Schwierigkeiten, eine angemessene Wohnung zu bezahlbaren Mieten auf dem Wohnungsmarkt zu finden. Daher hat das Land Hessen mit einem weiteren Förderangebot reagiert. Statt sich wie in Stufe 1 registrieren zu müssen, schlägt bei Stufe 2 der Vermieter dem Amt für Wohnungswesen Bewerber vor; das Amt prüft dann die Wohnberechtigung. Bei Stufe 2 liegt die Höchstgrenze des Jahresbruttoeinkommens bei 26.250 Euro für eine und bei 39.850 Euro für zwei Personen im Haushalt.

„Das letzte Wort hat der Vermieter.“ - Mark Gellert

Jede weitere Person erhöht auf dieser Stufe das erlaubte Bruttoeinkommen um 9050 Euro und Kinder weiterhin um 930 Euro. Die Beispielfamilie aus Vater, Mutter und zwei Kindern dürfte also bei Stufe 2 noch bis zu 41.810 Euro jährlich verdienen (weitere Informationen bietet das Amt in seinem Infoblatt). Eine Garantie für eine geförderte Wohnung ist der Schein jedoch nicht: „Das letzte Wort hat der Vermieter“, so Gellert.

Wie groß darf die Wohnung sein?

Die Größe der geförderten Wohnung bezieht sich auf die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen. So muss sich eine Person mit einer Wohnfläche zwischen 40 und 45 Quadratmeter zufriedengeben, während ein Zwei-Personen-Haushalt bis zu 60 Quadratmeter beanspruchen darf. Mit jeder weiteren Person im Haushalt erweitert sich die Größe um 12 Quadratmeter. Rollstuhlfahrer erhalten jedoch einen Zuschlag.

Wie teuer darf die Wohnung sein?

Grundsätzlich kostet eine von der Stadt geförderte Wohnung rund 5 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet ein Ein-Personen-Haushalt müsste mit dem Wohnberechtigungsschein noch etwa 200 Euro Kaltmiete bezahlen. Wer über Stufe 2 an bezahlbaren Wohnraum kommen will, für den darf die Wohnung bis zu 6,50 Euro pro Quadratmeter kosten. Allerdings unterscheidet sich hier auch der Wohnort. „Im Nordend sind die Mieten zum Beispiel höher als in Fechenheim“, so Gellert. Daher gelte als Faustregel: Wohnraum muss in etwa 35 bis 15 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

Wie viele Wohnungen stehen in Frankfurt zur Verfügung?

„Momentan sind 10.000 Haushalte über den Förderweg 1 auf Wohnungssuche gemeldet.“ - Mark Gellert

Zwar müsse man laut Gellert zwischen klassischer Sozialwohnung und gefördertem Wohnraum, wie zum Beispiel für Studenten, unterscheiden, dennoch gäbe es für den ersten Förderweg momentan „rund 30.000 Wohnungen“. „Allerdings“, so Gellert, „sind momentan 10.000 Haushalte über den Förderweg 1 auf Wohnungssuche gemeldet.“ Hier würde stets den dringenderen Fällen Vorzug gegeben.

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