Anklage fordert lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung für Ali B.

Im Prozess um den Mord an der 14-jährigen Susanna fordert die Anklage für Ali B. die Höchststrafe. Zudem sieht sie bei ihm eine besondere Schwere der Schuld.

Anklage fordert lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung für Ali B.

„Kaltblütig“ — dieses Wort nutzt Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter in ihrem Plädoyer vor dem Wiesbadener Landgericht immer wieder. Als kaltblütig bezeichnet sie die Taten des Angeklagten Ali B. Ihm wird vorgeworfen, im Mai 2018 die 14-jährige Mainzer Schülerin Susanna in einem Feld bei Wiesbaden-Erbenheim zunächst vergewaltigt und anschließend ermordet zu haben.

Kaltblütig sei nicht nur Alis Vorgehensweise bei dem Mord an Susanna gewesen, sondern auch sein Verhalten zuvor und danach. Wie von der psychiatrischen Gutachterin beschrieben, sieht auch Kolb-Schlotter den Angeklagten als selbstgefälligen Menschen, der alles dafür tut, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Dazu gehöre vor allem die Suche nach Sex mit jungen Mädchen, die der Angeklagte als „Schlampen von Wiesbaden“ bezeichnete. Über seinen minderjährigen Bruder Hadschi beschaffte Ali sich Kontakt zu diesen, so auch Anfang 2018 zu Susanna.

Die schüchterne und zurückhaltende Schülerin aus Mainz hatte rund um den jüngeren Bruder von Ali B. einen neuen Freundeskreis gefunden, der sie zu akzeptieren schien. Sie sei das ideale Opfer für Ali B. gewesen. Dass Susanna in Hadschi verliebt war, wusste Ali. Dadurch versuchte er immer wieder, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Sie selbst wollte von dem viel älteren Ali jedoch nichts wissen und hielt sich nur in seiner Nähe auf, wenn Hadschi dabei war. So auch in der Mordnacht am 22. Mai 2018. Nach einem gemeinsamen Abend mit Hadschi sei Susanna Ali freiwillig in das dunkle Feld in Erbenheim gefolgt, so stellte es der Angeklagte dar.

Zwar ließe sich, so die Staatsanwältin, nicht beweisen, dass Ali Susanna gezwungen hatte, ihr zu folgen, die vielen Zeugenaussagen und Susannas Persönlichkeit würden jedoch klar dagegen sprechen. Auch sei laut Staatsanwaltschaft Alis Behauptung, Susanna hätte freiwillig mit ihm Sex auf dem Waldboden gehabt, völlig abwegig. Susanna habe vor Ali Angst gehabt, Sexualität habe für das junge Mädchen noch keine Rolle gespielt.

Heimtückischer Mord

Kolb-Schlotter sieht bei der Tötung von Susanna zwei klare Mordmerkmale erfüllt. Zum einen sei die Tat heimtückisch gewesen. Ali hatte die ahnungslose Susanna nach der Vergewaltigung von hinten am Hals gepackt und ihr mit dem Unterarm die Luft weggedrückt. Bis zu fünf Minuten soll Ali mit voller Kraft zugedrückt haben, bis dem Mädchen Schaum aus dem Mund kam und sie tot war. Mit der Tat wollte Ali, so die Anklage, Susanna davon abhalten, die vorherige Vergewaltigung bei der Polizei anzuzeigen. Mit diesem Versuch, eine Straftat zu vertuschen, sei auch ein weiteres Mordmerkmal belegt.

An diesem Punkt widerspricht die Verteidigung von Ali B. der Staatsanwältin. Da es aus ihrer Sicht keine konkreten Beweise für die Vergewaltigung gebe, sei dieses Mordmerkmal nicht gegeben. Die Verteidigung beruft sich stattdessen auf die Aussagen von Ali B., der im Prozess beschrieben hatte, dass es nach einvernehmlichem Sex mit Susanna zu einem Streit wegen einer Verletzung in ihrem Gesicht gekommen sei. Durch den Konflikt mit Ali sei Susanna auch nicht arglos gewesen.

Kolb-Schlotter sieht bei Ali B. keinerlei Gründe, an seiner Schuldfähigkeit zu zweifeln. Zwar hatte Ali vor der Tat Drogen und Alkohol konsumiert, dies habe auf die Tat aber keinerlei Auswirkungen gehabt. Er habe ein abscheuliches und brutales Verbrechen begangen, welches er im Vorfeld geplant hätte, indem er Susanna nach Erbenheim gelockt habe. Auch habe Ali alles getan, seine Tat zu verdecken: Er vergrub Susannas Leiche im Wald und legte durch Nachrichten an Freunde und Susannas Mutter falsche Spuren.

Sicherungsverwahrung

Die Staatsanwaltschaft fordert in ihrem Plädoyer lebenslange Haft für Ali B. Außerdem sieht sie in dem Verbrechen eine besondere Schwere der Schuld. Dazu legt sie dem Gericht nahe, eine zusätzliche Sicherungsverwahrung zu verhängen. Die Verteidigung bittet in ihrem Plädoyer, davon abzusehen. Alis vorbildliches Verhalten in der Untersuchungshaft habe gezeigt, dass er zu einer Besserung imstande sei.

In seinem Schlusswort vor dem Landgericht bat Ali B. noch einmal bei den Angehörigen um Entschuldigung. Wenn er könnte, würde er das Geschehene wieder rückgängig machen. Er sei bereit, seine Haft bis zum letzten Tag abzusitzen und werde das Urteil des Gerichts akzeptieren. Dieses fällt am 10. Juli, wenn der Prozess nach 17 Verhandlungstagen abgeschlossen wird. (js/ms)

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