Wie Bärbel Schäfer die Trauer besiegte

Die Frankfurter Journalistin Bärbel Schäfer hat üble Schicksalsschläge hinter sich - ihr Freund, der Bruder und ihr Vater starben. Im Interview spricht sie über ihr neues Buch und über ihr Verhältnis zu Frankfurt.

Wie Bärbel Schäfer die Trauer besiegte

Bärbel Schäfer, 1963 in Bremen geboren, wurde deutschlandweit in den 1990er Jahren als Moderatorin von nachmittäglichen Talk-Shows für den Privatsender RTL bekannt. Inzwischen ist die Frankfurter Journalistin auch Autorin: Ihr Roman „Schaumküsse“ wurde sogar für die ARD verfilmt. Seit 2009 moderiert sie für den Radiosender hr3 ihren „Sonntagstalk“ . Dieses Jahr ist ein weiteres Sachbuch von ihr erschienen, darin beschäftigt sich Schäfer mit der Frage „Ist da oben jemand? Weil das Leben kein Spaziergang ist“.

Bärbel Schäfer lebt mit ihrer Familie in Frankfurt

Auslöser für dieses Buch waren harte Schicksalsschläge: 1998 starb ihr damaliger Lebensgefährte Kai-Uwe Degenhart bei einem Auto-Unfall, 2013 verunglückte ihr jüngerer Bruder Martin tödlich mit seinem Porsche. Etwas später verstarb auch noch ihr Vater. Bärbel Schäfer ist mit dem Journalisten und TV-Moderator Michel Friedman verheiratet, die beiden haben zwei Söhne und leben in Frankfurt am Main. Merkurist hat Bärbel Schäfer befragt.

Frau Schäfer, Sie haben zuvor Interview-Bücher geschrieben, in denen Sie Menschen haben erzählen lassen: vom Umgang mit einer Krebserkrankung oder vom Älterwerden. Wieso erzählen Sie diesmal von sich selbst und geben damit soviel von sich preis in der Öffentlichkeit?
Ich wollte die Leser mitnehmen auf eine Trauerreise, denn der Tod ist unter meine Haut gekrochen. Wir sind viele, die wissen, wie sehr Verlust schmerzt. Wer liebt weiß, es gibt ein vorher und ein nachher ohne den geliebten Menschen. Trauer ist persönlich und deshalb dieses persönliche Buch.

“Ich glaube an die Kraft der Liebe.“ - Bärbel Schäfer

Sie schreiben in Ihrem neuen Buch, „Gott war bisher keine Option. An Gott zu glauben, ist irgendwie nicht cool. Ich bin kein gläubiger Mensch.“ Sie sind für die Hochzeit mit Michel Friedman extra zum Judentum konvertiert. Sind Sie heute gläubig - ist da oben jemand?
Meine Leichtigkeit des Glücks war verflogen und ich habe mich auf die Suche gemacht, nach Trost. Ich glaube an die Kraft der Liebe, an die Menschen und daran, dass wir alle immer wieder versuchen müssen, was auch immer in unserem Leben geschieht, einen Weg zu finden der uns glücklicher macht, als wir gerade sind. Ich bin an den Herausforderungen gewachsen, aber Gott ist mir auf dieser Reise nicht begegnet.

“Dieses Buch ist keine Therapie.“ - Bärbel Schäfer

Sein Innerstes aufzuschreiben ist bekanntlich eine Therapie. Aber was beinhaltete Ihre Trauerarbeit zusätzlich?
Hätte ich eine Therapie gebraucht, wäre ich zum Therapeuten gegangen. Dieses Buch ist keine Therapie , sondern das Nachdenken über existentielle Fragen des Lebens.

Sie engagieren sich seit 2004 als Botschafterin für das „Trauerland“, dem Bremer Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche. Wie unterscheidet sich die Trauer von Kindern im Vergleich zu der von Erwachsenen?
Kindern trauern anders als Erwachsene. Sie können mit dem Ball kicken, sich über einen versenkten Elfmeter freuen und im nächsten Moment in Tränen ausbrechen. Manchmal tritt ihre Trauer zeitverzögert, erst Jahre später in Form von Magersucht, Aggressionen, schulischen Problemen auf. Sie wollen funktionieren und verlassen dabei sich selbst. Das passiert aber auch Erwachsenen.

“Ich ziehe keine Verbindung zu Gott in meinem Glück oder Unglück.“ - Bärbel Schäfer

Sie waren zum Zeitpunkt des Terroranschlags im französischen Nizza zufällig auch an der Côte d'Azur, hielten sich jedoch einige Kilometer weiter auf, in Cannes, und blieben zum Glück verschont von den Ereignissen. Glauben Sie an so etwas wie Schicksal?
Ich ziehe keine Verbindung zu Gott in meinem Glück oder Unglück.

Zuhause ist in Frankfurt

Sie sind in Bremen geboren, haben lange in Köln gearbeitet, leben nun in Frankfurt. Ist die Stadt Ihre Heimat geworden oder nur eine weitere Station im Leben?
Heimat ist für mich der Norden, mit seinen Deichen, Gräsern und Dünen und Wattenmeer. Mein Zuhause ist in Frankfurt, bei meiner Familie, den Menschen die ich liebe.

Das Besondere an Frankfurt

Welche Lieblingsplätze haben Sie hier in Frankfurt für sich gefunden?
Kickboxen in der Kaiserstraße, das Schauspielhaus, das MMK, die Arthouse Kinos, das Café Brenman’s im Kettenhofweg, oder der Kunstverein unter der Honsellbrücke.

Was ist das Besondere an der Stadt Frankfurt?
Es ist die europäischste Stadt Deutschlands und hat ein engagiertes Bürgertum sowie ein starkes Bündnis gegen Rassismus und Antisemitismus.

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