Room Escape: In 60 Minuten raus aus dem Raum

Schon Ende der 80er mussten sich Videospieler am Computer aus verschlossenen Räumen befreien. Mittlerweile gibt es diese Spiele auch in der echten Welt. Merkurist wagt den Selbstversuch - schafft es unser Reporter in 60 Minuten zu entkommen?

Room Escape: In 60 Minuten raus aus dem Raum

Das Blut rauscht in den Ohren, während mein Herz in einem schmerzhaften Stakkato gegen die Brust hämmert und sich ein Duett mit dem gleichmäßigen Dröhnen des Alarms liefert. „Sauerstoff Versorgung: GERING“ steht auf dem kleinen Bildschirm an der Wand, während die Sekunden unbarmherzig rückwärts laufen. Wenn ich in zwei Minuten keine Lösung gefunden habe, dann wird mir der Sauerstoff ausgehen. Und hier, mehrere Kilometer unter dem Meeresspiegel, bedeutet das mein sicheres Ende.

Vom Computerspiel zum Live-Event

Aber alles auf Anfang: Noch um kurz vor zehn befinde ich mich, statt auf dem Weg zum Mariannengraben, im Frankfurter Gallus auf der Schmidtstrasse 12. Ich habe mich mit Nadine Lang von Room Escape Frankfurt verabredet. Die Räumlichkeiten der Erlebnisstätte befinden sich in einem ehemaligen Fabrikgebäude, die Innenarchitektur erinnert entfernt an jene der Titanic. Passend, wie ich feststellen muss, soll ich doch in einer Stunde auch auf Tauchkurs gehen.

„Das Spiel basiert auf dem Computer-Vorläufer 'Escape the Room'“, erklärt mir Lang im vorangehenden Interview. „Escape the Room“ fasst dabei ein Spielprinzip zusammen, das im Laufe der Jahre schon von vielen Computerspielen aufgegriffen wurde: Der Spieler ist in einem Raum gefangen und muss versuchen, durch die Lösung mehr oder minder logischer Rätsel aus diesem zu entkommen. Für Denksportler wollte man dieses Spielkonzept auch auf die reale Welt übertragen - und so entstanden im Laufe der Jahre zahlreiche Ableger des Spielprinzips in verschiedenen Städten: In 60 Minuten müssen die drei bis sechs Spieler aus einem verschlossenen Raum entkommen.

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Und hier befinde ich mich nun: In einem abgeschlossenen Raum ohne Klimaanlage, zusammen mit fünf anderen Männern. Wir alle haben in den vergangenen 58 Minuten alles getan, um die verschiedenen Rätsel zu lösen, sind durch den kleinen Raum gelaufen, haben alles umgedreht was nicht niet- und nagelfest war. Die Luft im Raum ist mittlerweile zum Schneiden dick, die Zeit läuft unbarmherzig in meinem Nacken ab und das Dröhnen des Alarms pumpt mit jedem Aufheulen noch mehr Adrenalin durch meinen Körper. Dass diese Situation nicht real ist, dass ich nicht Gefahr laufe, ernsthaft zu ersticken - geschenkt.

Ich versuche den Code in das Zahlenschloss einzugeben, meine Finger rutschen immer wieder von der Plastikoberfläche ab. Ich bin mir sicher, die Lösung zu haben, doch egal wie oft ich die Zahlenfolge versuche, das Schloss rührt sich nicht. Mittlerweile bin ich verzweifelt, gebe willkürliche Zahlen ein, ebenfalls ohne Erfolg. Die Zeit rast, die letzte Minute bricht an. Ich reiße mich von dem Zahlenschloss los, tigere durch den Raum. Es ist mittlerweile nass-feucht geworden, alle sind am Ende ihrer Kräfte. Es wird sich beraten, Möglichkeiten durchdiskutiert. Ich schaue mir noch einmal alles an, gehe an offenen Schränken und Requisiten vorbei, drehe alles um. Dann, wie aus dem Nichts, die Idee! Ich kehre auf dem Absatz um, renne zurück zum Zahlenschloss und gebe die Kombination ein. Noch zehn Sekunden.

Escape Rooms in Frankfurt

In Frankfurt gibt es mehrere solcher Escape Rooms, die alle verschiedene Schwerpunkte legen. So gibt es neben dem ParaPark Frankfurt und den Escape Events eben auch Room Escape. „Frankfurt nimmt jeden Trend auf“, so Lang. Room Escape Frankfurt selbst bietet im Moment drei Räume an. Im „Mystic Room sollen sich die Spieler wie Studenten fühlen, die einen Raum voller Rätsel für ihren Professor lösen sollen“. In der „Galerie“ wird man nachts aus Versehen im Museum eingesperrt und muss von dort entkommen, ehe der Wachmann seine Runden dreht. Als bislang letzten Raum gibt es das „U-Boot“, hier tauchen die Spieler in einem U-Boot zum Marianengraben, doch dann fällt der Sauerstoffgenerator aus. Diesen muss man durch das Lösen von Rätseln wieder in Gang bringen.

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Die Kombination war falsch, das Zahlenschloss rührt sich noch immer nicht. Schweiß perlt mittlerweile von meiner Stirn, doch auch der Schulterblick zu meinen Mitstreitern birgt keine guten Neuigkeiten. Das Dröhnen steigert sich zu einer wilden Kakophonie, ehe ein lauter Ton dem Trauerspiel ein Ende bereitet. Nadine Lang betritt den Raum und teilt uns mit, dass wir es leider nicht mehr rechtzeitig geschafft haben. In dem Moment fällt es uns wie Schuppen von den Augen - wir haben auf die falschen Zahlen geachtet. Zum Trost dürfen wir das letzte Rätsel noch lösen und die Luft im Raum anschalten, leider viel zu spät. „Etwa jede dritte Gruppe schafft es aus dem Raum“, so Lang.

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