Als die Escobars nach Frankfurt wollten

Jahrelang war er einer der gesuchtesten und gefährlichsten Männer der Welt - doch 1993 neigte sich die Ära Escobar dem Ende zu. Seine Familie versuchte, nach Deutschland zu fliehen. Bereits am Frankfurter Flughafen war damit aber Schluss.

Als die Escobars nach Frankfurt wollten

Die gesamten Achtziger- bis hinein in die Neunzigerjahre war Pablo Escobar der größte Drogenbaron und einer der reichsten Männer der Welt, und auch 25 Jahre nach seinem Tod 1993 hält seine Legende an, die spätestens durch die Netflix-Serie „Narcos“ (seit 2015), die ihm zwei Staffeln widmete, wiederbelebt wurde.

Trotz des großen Rückhalts, den Escobar auch in den letzten Jahren seines Lebens von den treuen Gefährten und Teilen der kolumbianischen Bevölkerung erfuhr, war sein Stern am Sinken. Die US-amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA und der kolumbianische Geheimdienst waren ihm dicht auf den Fersen. 498 Tage lang, schreibt Christian Wernicke in einem Zeit-Artikel vom 10. Dezember 1993, verfolgte und überwachte ihn eine 3000 Mann starke Sonderheit, bestehend aus Armee und Polizei, bis er schließlich am 2. Dezember 1993 erschossen wurde (wobei Sohn Juan Pablo in einem Interview 2016 mit David Klaubert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) die Überzeugung äußert, sein Vater habe Suizid begangen).

Am 28. November 1993 landeten die Escobars in Frankfurt.

Keine Zufluchtsstätte für Drogendealer

Escobar schien zu wissen, dass sein Ende gekommen war. Um das Wohl seiner Familie besorgt, schickte er seine Frau María, die beiden Kinder, den 16-jährigen Juan Pablo und die 9-jährige Manuela, und Andrea Ochoa, die Freundin von Juan Pablo Escobar, nach Deutschland, damals bekannt für seine laxen Einreisebedingungen. Am 28. November um 13:15 Uhr landeten sie am Frankfurter Flughafen. Doch schon hier war die Flucht der Escobars beendet. Das Flugzeug wurde auf einen Parkplatz drei Kilometer vom Terminal entfernt umgeleitet, berichtet die spanische Zeitung El País am Folgetag. Der Grenzschutz hatte nicht zugelassen, dass die Escobars gemeinsam mit den anderen Passagieren die Maschine verließen.

Stunden vor ihrer Ankunft, so informiert ein FAZ-Artikel vom 29. November 1993, hatte das Bundesinnenministerium in Bonn, das über die ungewöhnlichen Passagiere in der Lufthansa-Maschine informiert war, angeordnet, ihre Einreise zu verweigern - obwohl zwischen der Bundesrepublik und Kolumbien Visa-Freiheit bestand und die Familie politisches Asyl beantragte. „Sie sind in Deutschland unerwünscht“, zitiert die FAZ einen Ministeriumssprecher. Pablo Escobar soll Wind davon bekommen und in Anrufen, unter anderem an die deutsche Botschaft und an Lufthansa, gedroht haben, er würde gezielt Deutsche umbringen lassen. Doch nichts half: „Deutschland ist keine Zufluchtsstätte für Drogendealer“, sagte laut El País der damaligen Innenminister Manfred Kanther (CDU).

Ein vergeblicher Tag am Frankfurter Flughafen

24 Stunden im Transitzentrum

Nach einer Nacht im Transitzentrum des Frankfurter Flughafens wurden die Escobars am 29. November 1993 nach Bogotá zurückgeschickt - immerhin hatte Bonn sie ihr Zielland frei wählen lassen. Auch auf der Rückreise gab es Probleme: Nachdem der Flug bereits Verspätung hatte, weil die deutsche Polizei erneut anordnete, alle Koffer zu durchsuchen, musste die Maschine der Fluggesellschaft Avianca zudem, wie die kolumbianische Zeitung El Tiempo am 30. November 1993 vermeldete, einen Umweg über Großbritannien in Kauf nehmen, da Frankreich nicht erlaubte, dass sie französischen Luftraum überflog.

Wenige Tage später war Pablo Escobar tot. Während Manuela Escobar heute ein zurückgezogenes Leben führt, ist Sohn Juan Pablo, auch bekannt unter seinem neuen Namen Sebastián Marroquí, öfter in den Medien zu sehen und veröffentlichte im Jahr 2014 ein Buch über seinen Vater. Ob er jemals wieder versuchte, nach Frankfurt oder Deutschland zu reisen, ist nicht bekannt.

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