Nachts einkaufen während der WM

Wer nachts einkaufen möchte, hatte bisher in Frankfurt nach 24 Uhr kaum Möglichkeiten. Während der Fifa-Weltmeisterschaft gibt es nun eine Ausnahme: Der Tegut am Eschenheimer Turm hat für einen Monat 24 Stunden lang geöffnet.

Nachts einkaufen während der WM

Immer mehr Geschäfte in Frankfurt haben längere Öffnungszeiten. Die meisten schließen um 22 Uhr, andere wie Rewe teilweise sogar erst um 24 Uhr. Danach wird es im Frankfurter Einzelhandel allerdings dunkel. Die Straßen werden leer und die Läden dämmen ihre Lichter. Außer Tankstellen, gibt es zu dieser Uhrzeit kaum Einkaufsmöglichkeiten für die Menschen in der Mainmetropole.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft möchte die Tegut-Filiale in der Innenstadt, die gemeinsam mit Yuniq Lebensmittel geführt wird, genau das ändern: bis zum 14. Juli 2018 sollen dort Kunden rund um die Uhr einkaufen können.

Tegut betritt Neuland

„Es stellt sich die Frage, ob sich Öffnungszeiten zu Extremzeiten für die Geschäfte lohnen. Die meisten Läden versuchen, die bestmöglichen Zeiten zu nutzen.“- Hanns-Peter Laux, IHK

Abgesehen vom Land Bayern sind die Ladenöffnungszeiten bundesweit liberalisiert. Das bedeutet, dass Ladenketten, außer am Sonntag, zwischen 0 und 24 Uhr ihre Türen öffnen können. Trotzdem gibt es bisher keine Einzelhandelsgeschäfte, die tatsächlich den 24-Stunden Service anbieten. Das vorübergehende Angebot von Tegut ist somit exklusiv.

„Es stellt sich die Frage, ob sich Öffnungszeiten zu Extremzeiten für die Geschäfte lohnen. Die meisten Läden versuchen, die bestmöglichen Zeiten zu nutzen“, führt Hanns-Peter Laux, stellvertretender Geschäftsführer des Bereiches Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (HK), als Grund für die geringe Inanspruchnahme an.

Die Tendenz zeige außerdem, dass sich Anfang der Woche bis einschließlich Mittwoch kürzere Öffnungszeiten und am Ende der Woche sowie am Wochenende längere Zeiten am meisten rentieren. Dass Kunden im Rahmen von Veranstaltungen auch einkaufen, sei eher ein theoretischer Aspekt, der in der Praxis nicht stattfinde, so Laux.

Resonanz höher als erwartet

„Bei meiner Auswertung konnte ich überraschenderweise feststellen, dass auch in den Nachtstunden alle möglichen Artikel verkauft wurden.“- Davide Spiga, Geschäftführer von Yuniq Lebensmittel

Davide Spiga, Geschäftsführer von Yuniq Lebensmittel, kann das nicht bestätigen. Die Resonanz sei nämlich höher als erwartet: „Bei meiner Auswertung konnte ich überraschenderweise feststellen, dass auch in den Nachtstunden alle möglichen Artikel verkauft wurden - egal ob Obst, Gemüse, Backwaren, Tiefkühlwaren oder Zigaretten.“ Das überrasche ihn sehr, denn bei dieser Aktion habe man keinen wirtschaftlichen Erfolg erwartet - sie wollten lediglich eine „tolle Aktion“ anbieten. „Da die Entscheidung, das Projekt zu starten, in letzter Sekunde gefallen ist, konnten wir nicht mal Werbung schalten und dennoch sind Kunden im Laden“, so Spiga.

„Ich schaue gerne die Spiele und wenn ich weiß, dass es Läden gibt, die auch nachts geöffnet sind, muss ich mich mit dem Einkaufen nicht so stressen.“- Samira A., Kundin

Insbesondere in Bezug auf die Fußballspiele findet die Idee bei den Kunden Anklang: „Das ist cool. Reichliche Versorgung durch Bier und Chips während und nach den Spielen“, sagt ein Mann begeistert. Auch Samira A., die ebenfalls gelegentlich bei Tegut einkauft, freut sich über längere Öffnungszeiten: „Ich schaue gerne die Spiele und wenn ich weiß, dass es Läden gibt, die auch nachts geöffnet sind, muss ich mich mit dem Einkaufen nicht so stressen.“

Allerdings gibt es auch einige Menschen, die nicht begeistert sind und sich mit den üblichen Öffnungszeiten zufriedengeben. So erzählt eine Kundin: „Mir reicht es, wenn der Rewe bis 22 Uhr geöffnet hat. Nachts muss ich nicht mehr einkaufen, auch nicht während der WM.“

Projekt gemeinsam mit Mitarbeitern konzipiert

„Uns ist es wichtig alles vorab mit den Mitarbeitern zu besprechen und gemeinsam Aktionen oder Änderungen zu entscheiden“, sagt Spiga. Deshalb seien die Mitarbeiter auch in die Planung des Projektes miteinbezogen worden. Es meldeten sich viele Mitarbeiter freiwillig für die Nachtschicht, denn es gebe viele „Nachteulen“ unter ihnen, die sich außerdem über den Nachtzuschlag freuen. Zudem sei eine zusätzliche Schicht ohnehin von Vorteil, denn so könne die Arbeit auf drei Schichten aufgeteilt werden. Für die Sicherheit sei ebenfalls gesorgt, denn das Unternehmen habe Sicherheitskräfte speziell für die Nachtstunden eingestellt.

Dauerhafte Änderung der Öffnungszeiten?

„Ob sich das Ganze letztlich rechnen wird, werden wir erst am Schluss beurteilen können“- Davide Spiga, Geschäftsführer von Yuniq Lebensmittel

Spiga bezeichnet das Projekt zunächst als Test, allerdings können er und Tegut sich gut vorstellen, das Konzept dauerhaft umzusetzen. Immerhin nahmen Kunden dieses laut dem Geschäftsführer gut an. „Ob sich das Ganze letztlich rechnen wird, werden wir erst am Schluss beurteilen können. Wie sagt man? 'No risk, no fun'.“

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