„Tomin-Bau“: Leerstand in begehrter Lage

Seit dem Jahr 2013 ist die Videothek im Inneren des „Tomin-Baus“ geschlossen. Nach einer zwischenzeitlichen Nutzung als „PopUp-Store“ steht das Gebäude nun wieder leer. Wird sich daran etwas ändern? Wir haben nachgehakt.

„Tomin-Bau“: Leerstand in begehrter Lage

Wie ein Keil drängt sich das halbrunde Gebäude zwischen Berger Straße und Musikantenweg. Dort, am Standort Berger Straße 88-90, betrieb das Unternehmen Tomin eine Videothek. Obwohl das Unternehmen die Filiale bereits im Jahr 2013 aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben musste, ist das Haus vielen Frankfurtern auch heute noch als „Tomin-Bau“ geläufig. Außer dem Volksmund erinnert allerdings längst nichts mehr daran, dass sich auf den zwei Etagen des Gebäudes einst VHS-Kassetten und DVDs in Regalen reihten. Die Türen sind verschlossen, die Fenster des Erdgeschosses dienen als wilde Werbefläche und sind großflächig mit Reklame für Konzerte, Partys und Theateraufführungen plakatiert.

Merkurist-Leser Stefan Frank will wissen, ob der Leerstand weiter andauern wird. „Was passiert eigentlich mit der leerstehenden Tomin-Filiale?“, fragt er im Snip zu diesem Artikel.

Ein Blick zurück

Nach dem Aus des Filmverleihs unterzeichnete zunächst der bekannte Investor Ardi Goldman einen Kaufvertrag für das Gebäude. Ein Antrag für dessen Abriss wurde eingereicht und vom Stadtplanungsamt bewilligt. Der Plan, das Grundstück mit einem Wohnhaus zu bebauen, scheiterte jedoch am Veto einzelner Anwohner. Der „Tomin-Bau“ wechselte abermals den Besitzer, wurde zwischenzeitlich als „Popup-Store“ für Vintage-Möbel genutzt. Ein neuer Mieter konnte währenddessen nicht gefunden wurde. Seitdem auch der Möbel-Shop ausgezogen ist, steht das Gebäude leer.

Schwierige Lage für Gewerbetreibende

Kaweh Nemati wundert das nicht. „Die verlangte Miete ist utopisch“, sagt er im Gespräch mit Merkurist. Als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße verfolgt er die Entwicklung aufmerksam.

„Eine fünfstellige Monatsmiete zu erwirtschaften, ist an diesem Standort fast unmöglich“ - Kaweh Nemati, Vorsitzender der IG Untere Berger Straße

Dass so schnell ein neuer Mieter für das Objekt gefunden werden könne, glaubt er nicht. „Die Berger Straße ist nicht die Zeil“, sagt er. „Dort kann man einen neuen Laden eröffnen und darauf vertrauen, dass er sich aufgrund der Laufkundschaft schon irgendwie rechnen wird.“

In der Lage des „Tomin-Baus“ sei es dagegen nahezu unmöglich, eine fünfstellige Monatsmiete zu erwirtschaften. Erschwerend hinzu komme der Zustand des Gebäudes: „Es ist baufällig und schlecht isoliert“, gibt Nemati zu bedenken. „Die anfallenden Kosten für Renovierungsarbeiten und Energie will doch niemand tragen.“


Dass der Bau zwischenzeitlich als „PopUp-Store“ genutzt wurde, begrüßt er ausdrücklich. „Das Gebäude auch nur irgendwie zu nutzen, ist immer besser als der Leerstand.“ Würde das Gebäude abgerissen, wäre er ein wenig traurig. Bereits in den Achtzigern habe er schließlich gern Zeit im Filmverleih verbracht. „Doch nun gilt es, nach vorn zu schauen“, sagt Nemati hoffnungsvoll. Eine Lösung müsse gefunden werden, um das wertvolle Areal nicht ungenutzt zu lassen. Angesichts des bestehenden Mangels sei ein Neubau von Wohnungen seiner Meinung nach am sinnvollsten.

Ortsbeirat berät Vorschlag

Doch will der 45-Jährige nicht einfach abwarten, bis eines Tages eine Entscheidung über die Zukunft des „Tomin-Baus“ getroffen wird. Er hat sich Gedanken darüber gemacht, wie zumindest der Grünstreifen vor der Gebäudefront zeitnah aufgewertet werden könne und einen entsprechenden Vorschlag beim zuständigen Ortsbeirat eingereicht.

„Mit Sitzbänken könnte zumindest die Fläche vor dem Bau aufgewertet werden“ - Kaweh Nemati, Interessenvertreter

Wo heute Gras und Bäume wachsen, wünscht sich Nemati Sitzbänke. „Das würde die trostlose Fläche mit Leben füllen“, ist er sich sicher. Zu einer weiteren optischen Aufwertung könne das Grünflächenamt durch eine Bepflanzung beitragen. „Damit wäre schon viel gewonnen“, meint der Interessenvertreter. Der Ortsbeirat wird in seiner nächsten Sitzung über die Umsetzung von Nematis Vorschlag entscheiden.

Pläne der Eigentümerin: 21 Wohnungen und eine Schankwirtschaft

Auch Mark Gellert weiß um die Problematik des leerstehenden Gebäudes. Er ist Sprecher des Planungsdezernats und erklärt, dass die Stadt Frankfurt über keine rechtliche Handhabe verfüge, den Leerstand zu beseitigen.

„Die Stadt hat keine rechtliche Handhabe, um den Leerstand zu beseitigen“ - Mark Gellert, Sprecher des Plaungsdezernats

„Wir können einen Eigentümer nicht verpflichten, eine Immobilie zu vermieten“, stellt er klar. Auch eine anderweitige Nutzung könne nicht einfach „angeordnet“ werden. Erst, wenn Gefahr von einer Immobilie ausginge - beispielsweise durch Einsturzgefahr - könne die Stadt selbstbestimmt handeln.

Auch zum Stand der Dinge kann sich der Sprecher äußern. So habe im Jahr 2015 die Eigentümerin der Immobilie, die Vesterra Urban Living GmbH, eine Bauvoranfrage gestellt. Diese beinhaltete den Abriss des Gebäudes und die anschließende Errichtung eines Neubaus mit 21 Wohnungen und einer Schankwirtschaft im Erdgeschoss. Diese wurde laut Gellert im Juni 2018 erneuert. „Daraus lässt sich schließen, dass das Unternehmen die Pläne weiterhin verfolgt“, kann er Kaweh Nemati Hoffnung machen. Auch Gespräche zwischen dem Unternehmen und der Bauaufsicht seien bereits erfolgt. Deren Inhalte unterliegen allerdings der Vertraulichkeit.

Eigentümerin gibt sich zugeknöpft

Die Vesterra Urban Living GmbH gibt sich indes bedeckt. „Wir geben zur Immobilie keinen Kommentar ab“, beantwortet die Eigentümerin die Anfrage von Merkurist. Der „Tomin-Bau“, so scheint es, wird noch einige Zeit lang nur als Werbefläche dienen.

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