„Es war unser Wunsch, vor Gott und der Welt zu heiraten“

Die evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren mit der von heterosexuellen gleichgestellt. Was das in der Praxis bedeutet, erzählt einer, der vor einem Monat geheiratet hat.

„Es war unser Wunsch, vor Gott und der Welt zu heiraten“

Als Christian Schäfer und Daniel Skraback-Schäfer am 3. November durch die Kirchentür schritten, waren alle Blicke auf sie gerichtet. Ihre Familien und Freunde saßen in den Reihen und vorne empfing sie der Pfarrer. „Es war ein besonderes Erlebnis“, sagt Christian Schäfer. Die beiden wurden an diesem Tag in der evangelischen Kirchengemeinde „Friede und Versöhnung“ verheiratet.

Möglich machte dies der Beschluss der Verantwortlichen in der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN) bei ihrer Herbstsynode. Dort wurde festgelegt, dass gleichgeschlechtliche Ehen endgültig mit heterosexuellen gleichgestellt werden.

Auf die Ehe für Alle gewartet

„Es war uns ein besonderer Wunsch, vor Gott und der Welt mit allen Rechten und Pflichten zu heiraten“, sagt Schäfer. Sein Ehemann und er sind seit sieben Jahren ein Paar und haben mit dem Versprechen gewartet, bis es ihnen gesetzlich möglich war, zu heiraten. „Dass es in der Kirche geklappt hat, war ein positiver Zufall“, sagt Schäfer. Sie hätten sich auch segnen lassen, freuen sich aber, dass es eine Hochzeit geworden ist.

„Wir haben uns den Ablauf vorher vorgestellt, aber es war dann viel schöner.“ In der Stimme von Schäfer hört man auch einen Monat später noch das Glück, welches er an diesem Tag erlebt hat. Ihm und seinem Partner sei es wichtig gewesen, in seiner Kirchengemeinde mit Freunden und Familie das Versprechen abzugeben.

Pfarrer engagiert sich schon lange für die Gleichstellung

„Unser Pfarrer ist ein Vorreiter.“ - Christian Schäfer, Ehemann

Seine Kirchengemeinde sei bei dem Thema ein Vorreiter, sagt Schäfer. Die Fotos der Segnungen seien im Gemeindebote ebenso abgebildet, wie die der Trauungen. „Unser Pfarrer ist ein Vorreiter.“ Er habe sich schon lange für die Gleichstellung aller Paare stark gemacht. Er habe auch einen großen Anteil daran getragen, dass die Trauung so schön verlief. „Unsere Familie, Freunde und Bekannten waren wirklich begeistert.“ Einige, die aus der Kirche ausgetreten oder konfessionslos seien, haben nachgefragt, wann mal wieder ein Gottesdienst stattfinde. „Auch Daniel überlegt, sich taufen zu lassen“, sagt Christian Schäfer.

Aber nicht nur für den Pfarrer hat Schäfer gute Worte. Auch die Entscheider der EKHN seien bei der Gleichstellung der Ehe immer sehr engagiert gewesen. „Sie sind, was das Thema angeht, sehr offen. Da sieht es beispielsweise in Württemberg ganz anders aus.“

Schon 2013 war die EKHN ein Vorreiter, indem die Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare der Trauung förmlich gleichgestellt wurde. Nur die Bezeichnung in der „Lebensordnung“ - einer internen Richtlinie der EKHN -, in der das festgehalten wurde, blieb verschieden. Seit 2002 ließen sich mehr als 320 gleichgeschlechtliche Paare in evangelischen Kirchen im Bezirk der EKHN trauen. „Ich finde es schön, dass wir jetzt auch das gleiche Dokument bekommen“, kommentiert Schäfer die nun beschlossene Änderung.

Eine weitere Änderung mit dem Beschluss ist, dass Pfarrer keinen Vorbehalt mehr gegen gleichgeschlechtliche Trauungen aussprechen können. Bisher durften die Geistlichen die Durchführung einer Trauung ablehnen. Nun gilt im Fall der gleichgeschlechtlichen Ehe die allgemeine Praxis. Amtshandlungen können nur abgelehnt werden, wenn sie mit seelsorglicher Erwägung oder Glaubensüberzeugung begründet sind. Pfarrer, die eine Trauung ablehnen, müssen aber nicht mit einer Konsequenz rechnen.

Kirchenpräsident überzeugt von der Gleichstellung

Trotzdem stellt der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung im Zuge der Synode klar: „Wenn die Synode sich aber uneingeschränkt für die Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares ausspricht, zeigt sie damit auch, welche Auslegung und Position in unserer Kirche für angemessen gehalten wird.“ Trotzdem wisse auch er, dass die Spannung bei dem Thema zurzeit nicht auflösbar sei.

Damit muss sich das Ehepaar Schäfer/Skraback-Schäfer aber nicht beschäftigen. Sie sind nun verheiratet und blicken zuversichtlich zusammen in ihr verhextes siebtes Jahr. „Vielleicht fängt die Rechnung ja von vorne an“, lacht Schäfer.

(lo)

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