Religionsbilder auf neuer U-Bahn

Seit dem 1. April ist eine neue U-Bahn auf den Frankfurter Schienen unterwegs. Sie ist nicht nur bunter als die meisten anderen, sondern soll auch eine eindeutige Positionierung der Stadt sein.

Religionsbilder auf neuer U-Bahn

Der Frankfurter Taxifahrer Charanjit Singh steht vor der neuen U-Bahn der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) auf dem Betriebshof Ost in der Sonne. Auf der neuen Bahn hinter ihm klebt ein Bild. Hinter ihm ist ein Bild auf die neue Bahn geklebt, von einem praktizierenden Sikh, der einen roten Turban trägt und mit festem freundlichen Blick den Betrachter anzuschauen scheint. Das Foto zeigt Singh selbst. Er ist einer der vielen gläubigen Frankfurter, die auf den Wägen der U-Bahn zu sehen sind. Damit möchten Stadt und Verkehrsgesellschaft sich klar für eine religiöse Vielfalt in Frankfurt aussprechen.

Vom Osten bis in die Innenstadt

Deshalb sind auf der Bahn, die ab dem 1. April auf den Strecken der U4, U5, U6 und U7 fährt, große Fotos von Menschen zu sehen, die verschiedene Religionen ausleben - und das in bunten kräftigen Farben.

Aufgenommen wurden die Bilder von dem Fotografen Rafael Herlich. Sie stammen aus seinem Bildband „DiverCity Ffm“, der im vergangenen Jahr erschien. Herlich, der in Tel Aviv geboren wurde, begleitete dafür Vertreter von neun verschiedenen Religionsgruppen in Frankfurt.

„Die Bilder drücken aus, wie man es in Worte kaum fassen kann.“ - Uwe Becker, Kirchendezernent und Bürgermeister

„Herlich hat die Breite der Kulturen auf Einzelpersonen heruntergebrochen“, sagt Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) bei der Präsentation der neuen Bahn am Montag. Dabei zeigt er sich beeindruckt von der Erzählkunst der Fotos: „Die Bilder drücken aus, wie man es in Worte kaum fassen kann“, nämlich die Vielfalt und Buntheit Frankfurts.

„Für mich ist es wichtig zu zeigen, dass Juden, Christen und Muslime zusammen sind.“ - Rafael Herlich, Fotograf

Doch für Herlich geht es um mehr als nur um das Widerspiegeln der Diversität in der Stadt. „Für mich ist es wichtig zu zeigen, dass Juden, Christen und Muslime zusammen sind“, sagt der Fotograf. Auf die Idee kam er, als er vor rund eineinhalb Jahren eine Veranstaltung zum „Tag der Religionen“ im Römer besuchte. Dort traf er auf Anhänger neun verschiedener Religionen. „Wie wäre es, wenn wir ein Projekt zusammen machen - für Respekt, für den Frieden und für das Miteinander?“, habe er damals einzelne Vertreter spontan gefragt. Alle seien sofort begeistert gewesen.

Wie klappt das Miteinander in Frankfurt?

Denn obwohl das Zusammenleben der Religionen in Frankfurt recht gut funktioniere, sei ein solches Projekt noch nötig, sagt Imtiaz Ahmad Shaheen von der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde. Eines der Fotos auf der Bahn zeigt einige seiner Gemeindemitglieder beim Gebet.

„Jeder Beitrag, der für ein friedliches Miteinander geleistet werden kann, ist gut“, sagt Shaheen. Das sieht auch Singh so. Er selbst habe als Taxifahrer vom Beginn seiner Arbeit im Jahr 1988 bis jetzt allerdings keine Probleme wegen seiner Religion mit anderen Menschen in Frankfurt gehabt. Und er treffe jeden Tag auf die unterschiedlichsten Menschen.

Dieses gesellschaftliche Miteinander ist laut VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott ein Wert, der in seiner Verkehrsgesellschaft gelebt werden soll. Das Miteinander und das gegenseitige Vertrauen stellen die Vertreter der Religionen bei der Präsentation der U-Bahn auch gleich unter Beweis. Die Jungfernfahrt wird nämlich nicht von einem ausgebildeten Fahrer durchgeführt, sondern von Bürgermeister Uwe Becker und dem Fotografen selbst.

Und so fahren die Religionsvertreter lachend und im regen Austausch miteinander, wenn auch erst etwas skeptisch über die Fahrkünste Beckers, vom Betriebshof Ost zur Station „Dom/Römer“ und wieder zurück - alles unter Anleitung zweier Fahrlehrer. Einmal bremst die Bahn stark. Doch das ist laut Aussagen des Bürgermeisters, der nicht zum ersten Mal in der Fahrkabine einer U-Bahn sitzt, Absicht gewesen. Er habe herausfinden wollen, was passiert, wenn er den Fuß von einem Pedal nimmt. (ab)

Logo