Frankfurter Stadtverordneter auf Buchmesse verletzt

Der Frankfurter Stadtverordnete Nico Wehnemann (Die Partei) wurde bei den Tumulten am Samstagabend auf der Buchmesse verletzt. In den sozialen Netzwerken entbrannte daraufhin eine Diskussion. Nun hat die Polizei dazu Stellung genommen.

Frankfurter Stadtverordneter auf Buchmesse verletzt

Das Bild, das der Journalist und Politiker Leo Fischer am Samstagabend auf Facebook stellte, zeigte den Politiker Nico Wehnemann, wie er von einer Person auf den Boden gedrückt wurde. Dazu stand im Text: „Ein Frankfurter Stadtverordneter, Nico Wehnemann, wurde heute auf der Buchmesse zusammengeschlagen, weil er gegen die von der Messe geduldeten Nazis protestiert hat. Die Frankfurter Polizei stand daneben und schritt nicht ein.“ Doch schon kurz darauf dementierte der Fotograf diese Aussage und erklärte, dass es sich bei der Person um einen Sicherheitsmitarbeiter handelt. Nun hat sich auch die Polizei zu dem Vorfall geäußert.

Aus Sicht der Polizei habe Wehnemann (auch wenn sie seinen Namen nicht nennen) zwei Festnahmen gestört. „Ein 34-Jähriger, der sich zuvor an Protesten beteiligte, beobachtete die Festnahme und versuchte, zu intervenieren. Dies wiederum sah ein Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens der Messe und schritt ein. Der 34-Jährige wurde ebenfalls vorläufig festgenommen, angezeigt und erhielt ein Hausverbot.“ Damit bestätigte die Polizei die Aussage des Fotografen, dass es sich nicht um einen „Nazi“ handelte, sondern um eine Sicherheitskraft.

Wehnemann beschreibt im Gespräch mit Merkurist eine andere Version der Geschehnisse. Er habe in einer Gruppe von acht Leuten friedlich gegen die Veranstaltung demonstriert, indem sie Schilder hoch hielten. Die Gruppe wurde laut Wehnemann von circa 50 Identitären (Mitglieder der Identitären Bewegung) bedrängt, die ihnen die Schilder aus den Händen rissen, sie schlugen und traten. Da weder der Sicherheitsdienst noch die Polizei die Gruppe schützten, entschlossen sich Wehnemann und seine Bekannten dazu, wegzugehen.

Beim Weggehen sei einer aus der Gruppe von einer Person in ziviler Kleidung separiert worden. Für Wehnemann sei es nicht ersichtlich gewesen, dass es sich um eine Festnahme handelte und er rechnete damit, dass es sich um einen Identitären handelte, sodass er sich dazu entschloss, in der Situation einzugreifen. Daraufhin habe sich eine weitere Person in ziviler Kleidung vor ihn gestellt und ihn aufgehalten. Auch diese Person habe sich laut Wehnemann nicht ausgewiesen.

„Dann hat mich einer von hinten attackiert, ohne sich vorzustellen“, beschreibt Wehnemann den Vorfall, der auf dem Foto zu sehen ist. Die Polizei habe ihn abgeführt und die Buchmesse habe ihm einem Platzverweis erteilt.

Wehnemann erstattete Anzeige gegen Sicherheitsmitarbeiter

Wehnemann wurde laut Polizei vorläufig festgenommen und angezeigt. Von der Anzeige erfuhr er jedoch erst aus der Pressemitteilung am Sonntagmittag. Zur Kritik Wehnemanns, dass er vor Ort keine Anzeige erstatten durfte, äußerte sich die Polizei nicht. Wehnemann selbst sagt, dass die Polizei ihm noch auf der Buchmesse mitgeteilt habe, sie hätten zu viel mit Taschendiebstahl zu tun und das würde gegenüber Körperverletzung priorisiert. Die Polizei bestätigte aber, dass er zwischenzeitlich auf dem 17. Revier Anzeige wegen Körperverletzung gegen den Sicherheitsmann erstattete.

Zu den in sozialen Netzwerken beschriebenen „Heil Hitler“-Rufen sagt die Polizei, dass sie dabei seien, ihre Videoaufzeichnungen auszuwerten. „Wir werden alle Straftaten, die uns bekannt geworden sind und in der Zukunft noch bekannt werden oder durch uns selbst ermittelt werden, konsequent verfolgen“, sagte Carina Lerch, die Leiterin Pressestelle der Polizei Frankfurt. Besucher der Messe, die Anzeige erstatten möchten, sollen sich mit der Polizei in Verbindung setzen.

Kurze Erklärung der Buchmesse

Auch die Veranstalter der Buchmesse haben sich am Samstag zu den Ausschreitungen geäußert. In einem kurzen Statement heißt es: „Während der letzten Tage gab es auf der Frankfurter Buchmesse gezielte Provokationen, Sachbeschädigungen und tätliche Übergriffe zwischen linken und rechten Gruppierungen. Bei Veranstaltungen von Verlagen der Neuen Rechten kam es zu Handgreiflichkeiten, die von der Polizei aufgelöst wurden. Wir verurteilen jede Form der Gewalt. Sie verhindert den Austausch von politischen Positionen. Wir werden sie als Mittel der Auseinandersetzung nicht zulassen.“

Nico Wehnemann fordert eine Entschuldigung von der Polizei und der Buchmesse. Er sagt, es könne nicht sein, dass der Börsenverein zu Protest gegen die rechten Verlage aufrufe, die Protestierenden dann aber nicht schütze. Er hoffe auf ein Gespräch mit den Verantwortlichen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der die Messe veranstaltet. Die Partei möchte Druck auf die Buchmesse ausüben, in Zukunft die rechten Verlage auszuschließen. „Das sind Zustände die einer Buchmesse nicht würdig sind.“ Ein Dialog mit den Verlagen und deren Besuchern sei nicht möglich. „Die Verlage wollten nur provozieren und sich als Opfer inszenieren“, so Wehnemann. Er selbst habe den Sonntag im Krankenhaus verbracht, habe Schmerzen im Nacken und Rücken.

Anmerkung der Redaktion: In diesem Text wurde nachträglich die Stellungnahme von Nico Wehnemann ergänzt.

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