Illegales Lager im Gutleutviertel

Aus Mangel an Alternativen hausen Roma seit Monaten in Baracken im Gutleutviertel. Auch der Förderverein Roma steht kurz vor der Obdachlosigkeit. Ende August muss der Verein seine Räume in der Kaiserpassage räumen.

Illegales Lager im Gutleutviertel

Am Westhafen liegen Yachten und Segelboote, die Wohnungen sind unbezahlbar. Parallel dazu läuft die Gutleutstraße. Nah zur Innenstadt liegen hier schicke Restaurants, teure Wohnungen - all das mit Blick auf Frankfurts Wahrzeichen, die Bankentürme. Doch die Gutleutstraße ist stolze vier Kilometer lang. Fährt man lang genug in Richtung Westen, vorbei am Tanzhaus West und dem Landeswohlfahrtsverband Hessen liegt sie brach vor einem. Die andere Seite der Gutleutstraße, das Barackenviertel der Roma.

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Auf dem Gelände werden im vorderen Teil die Betonreste eines Hochhauses von der Taunusstraße zertrümmert. Dahinter stehen rund 15 Baracken. Provisorisch gezimmerte Hütten aus Sperrmüll-Funden. Vor einer der Hütten sitzt Florin Moldovan. Moldovan ist Rumäne und er ist Roma, damit hat er keinerlei Sozialansprüche in Deutschland. Seit zwei Jahren lebe er in Deutschland. Hier könne er arbeiten und Geld verdienen. Das Geld würde er an seine drei Kinder in Rumänien senden. Moldovan lebt mit seiner Frau in der zehn Quadratmeter großen Baracke. Der Raum ist zugestellt und wirkt so noch kleiner, als er sowieso ist.

Dreck und Ratten auf dem Gelände

Auf dem Gelände im Gutleutviertel leben rund 30 Personen, sagt Moldovan. Im April wurde bekannt, dass das Privatgelände wieder bewohnt wird. Seitdem hat die Stadt zwei Dixi-Toiletten aufstellen lassen, den Müll hatte sie entfernt. Ein neuer Müllberg ist aber längst wieder da.

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Verantwortlich fühlt sich die Stadt nicht. Denn das Gelände im Gutleutviertel ist ein Privatgrundstück. Laut dem Sprecher des Ordnungsamtes sitzt der Eigentümer, eine italienische Firma, aktuell in Haft. Wegen Ratten auf dem Gelände, hat das Ordnungsamt eine Schädlingsbekämpfung beauftragt, die gerade noch durchgeführt wird: „Damit ist das Thema für uns beendet.“

Verein setzt sich für Schutz von Roma und Sinti ein

Die Gruppe der Sinti und Roma sind seit Jahrhunderten Opfer von Vorurteilen und Diskriminierung, weiß Joachim Brenner, Geschäftsführer vom Förderverein Roma. Der Verein setzt sich für den Schutz von deutschen Roma und Sinti, von Roma-Flüchtlingen und Migranten ein, bietet Sozialberatung an und versorgt die Menschen im Gutleutviertel mit Lebensmitteln.

„Es ist kein Zustand, Menschen so unterzubringen.“ Joachim Brenner

„Es ist kein Zustand, Menschen so unterzubringen“, sagt Brenner. „Sie richten sich dort richtig ein, wegen Ermangelung von Alternativen.“ Die Arbeit des Vereins ist zentral für die Stadt. Laut dem Förderverein leben vier- bis fünftausend Sinti und Roma in Frankfurt. Die Arbeit ist so wichtig, dass die Stadt dem Verein 2013 den Integrationspreis verliehen hat. Statt auf Preise, hofft Brenner aber eher auf Taten.

Die Zukunft ist ungewiss

Seit 2012 sitzt der Verein in der Kaiserpassage im Bahnhofsviertel. Zu Ende Juli wurde ihm gekündigt. „Der Vertrag wurde bis zum 31. August verlängert“, sagt Brenner. Jetzt, Ende Juli, hat der Förderverein noch immer keine Räume, dabei ist er seit zehn Monaten auf der Suche. Unterstützung von der Stadt habe er erst vor kurzem erhalten. „Unter Umständen kann der Verein nächstes Jahr in die Fixerstube in der Moselstraße einziehen“, sagt Brenner.

„Die ganzen Vorurteile gegenüber Roma und Sinti werden sogar hier bemerkbar.“ - Joachim Brenner

Bis dahin müssten die aktuellen Mieter aber erstmal ihre neuen Räume beziehen und die Räume müssten umgebaut werden. Der Verein hatte schon mehrere Objekte im Blick. Doch die Vermieter seien immer wieder abgesprungen, wenn sie gehört hätten an wen sie vermieten. „Die ganzen Vorurteile gegenüber Roma und Sinti werden sogar hier bemerkbar.“

Der Verein ist nicht der einzige, der die Kaiserpassage verlassen muss. Die Besitzer wollen die Passage verschönern. „Die DIC waren vor fünf Jahren die Einzigen, die uns Räume vermietet haben“, sagt Brenner. Auch jetzt hätten sie ihnen andere Räume in der Passage als Zwischenlösung angeboten. Für Brenner ist das auch nur eine zeitliche Verschiebung des Elends, immerhin sei ein Umzug auch immer mit viel Zeit, Arbeit und Geld verbunden.

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